Spießer Alfons

Schadenfreude ist doch ein Mordsspaß!

Donnerstag, 08. Oktober 2015
"Wenn Fürsten fallen, pisst der Pöbel geschwind noch aufs Pflaster", schrieb Karl Kraus. Und wenn Menschen und Unternehmen fallen, pissen die Werber!
Der Volksmund kennt viele Sprüche zum Thema Schadenfreude, die angeblich die schönste aller Freuden ist. Johann Wolfgang von Goethe hingegen verurteilte die Schadenfreude als Mangel an Mitmenschlichkeit mit der Feststellung: „Wenn die Menschen recht schlecht werden, haben sie keinen Anteil mehr als die Schadenfreude.“
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Zum Thema Schadenfreude passt auch eine plattdeutsche Redensart und also lautend: „Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall.“ Einen Beweis für die Richtigkeit dieser Aussage liefert die Werbung.Einzelne – und häufig dieselben –Agenturen und ihre Auftraggeber genießen es seit Jahren, sich am Schaden anderer zu delektieren. Das klassische Beispiel ist Sixt, wo man sich in der eigenen Werbung an den Missgeschicken von Menschen diebisch ergötzt hat, indem die Kreativen der Agentur sich als pseudosatirische Trittbrettfahrer hervorgetan und auf dem Schadenfeuer anderer Menschen ihr eigenes Werbesüppchen gekocht haben. Das war mitunter sogar witzig, häufig jedoch Krampf und am Rande des guten Geschmacks.
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Jüngstes Opfer für Schadenfreude am Unglück: Volkswagen. Kaum war das VW-Desaster bekannt, das kamen auch schon die Aasgeier, Schakale und Hyänen herbeigeeilt und weideten sich an der deutschen Katastrophe. Ja, deutsche Katastrophe, denn das, was ein paar Vollidioten bei VW verursacht haben, trifft unzählige unschuldige Menschen und Familien in unserem Lande, nicht nur bei VW und in der Stadt Wolfsburg, sondern auch bei zahlreichen Zulieferfirmen, die absolut nichts für das Vorgehen der Automobilfirma können und jetzt mitleiden müssen. Volkswagen ist nun mal nicht irgendeine Firma in Deutschland, sondern VW ist eine weltweit bekannte Marke und steht für "Made in Germany". Somit betrifft die Manipulation der Trickser letztlich die gesamte deutsche Wirtschaft.
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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Und die Trittbrett-Werber bekommen geradezu einen geistigen Orgasmus, wenn sie über andere spotten können, weil ihnen nichts Besseres eingefallen ist für das Produkt bzw. die Dienstleistung ihres Kunden. Da verursacht die Tragik anderer eine geistige Erektion, die aus Häme und Schadenfreude erwächst. Und Schadenfreude ist bekanntlich die Perversion von menschlicher Freude. Da ist alles wahnsinnig lustig – solange es nicht der eigene Kunde ist, der vom Schaden betroffen ist.
Diebische Freude am Schaden anderer – da bekommen Werber geistige Orgasmen, hier in Zusammenhang mit VW. Arthur Schopenhauer schrieb allen schadenfrohen Werbegestaltern hinter die Ohren: „Jedoch ist Neid zu empfinden menschlich; Schadenfreude zu genießen teuflisch.“
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Diebische Freude am Schaden anderer – da bekommen Werber geistige Orgasmen, hier in Zusammenhang mit VW. Arthur Schopenhauer schrieb allen schadenfrohen Werbegestaltern hinter die Ohren: „Jedoch ist Neid zu empfinden menschlich; Schadenfreude zu genießen teuflisch.“
Apropos: Warum wohl springt der Autoverleiher Sixt diesmal nicht mit seiner Werbung auf des automobile Ereignis auf? Oder hat der Spießer da vielleicht etwas übersehen...?


In einer Anzeige geht es um "Fitness. Gesundheit. Lifestyle". Dazu sehen wir eine junge Dame auf einem Laufband und einen Löwen, der gerade dabei ist, der Läuferin ins Bein zu beißen. Überschrift: "Fit wär jetzt clever" – siehe die Abbildung!
Wer ist hier gemeint: Die Frau auf dem Laufband oder der Löwe dahinter...?
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Wer ist hier gemeint: Die Frau auf dem Laufband oder der Löwe dahinter...?
Was will uns der Werber mit dieser seiner Annonce sagen? Dass die Frau auf dem Laufband nicht fit (also nicht clever) ist, weil sie nicht von der Stelle kommt? Und was täte sie, wäre sie fit und clever? Vielleicht nicht auf dem Laufband laufen, sondern zickzack durch die Steppe? Oder eventuell bei "clever fit" im Fitnessstudio, weil es dort keine hungrigen Löwen gibt?

Oder – und das wäre naheliegend: Die Botschaft in der Headline meint gar nicht die Läuferin sondern den Löwen, weil der nicht fit ist, um sich clever auf das Laufband zu trauen? Oder was...?


Abendstimmung am Meer. Vier Frauen sitzen am Ufer im Sand, also dort, wo es noch kein Rauchverbot gibt. Ein Aschenbecher ist nicht zu erkennen. Und obwohl Rauchen tödlich sein kann, sind die Damen noch allesamt am Leben.
Quartett ohne Extras & alles inklusive: Sichtbares Zeugnis, dass Raucher unter sich bleiben!
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Quartett ohne Extras & alles inklusive: Sichtbares Zeugnis, dass Raucher unter sich bleiben!
Bemerkenswert aber ist die Headline: "Ohne Extras & alles inklusive", was der Spießer wie folgt interpretiert: Die Zigaretten enthalten keinerlei Zusatzstoffe, sind aber inklusive Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid.

Vielleicht ist mit "alles inklusive" aber auch gemeint, dass der Preis der Packung inklusive Tabak und Papier ist? Oder gehört das Papier zu den Extras...?

Natürlich könnte mit der Headline auch zum Ausdruck gebracht werden, dass die Damen im Bilde so emanzipiert sind, dass sie ohne Extras (sprich: Männer) sind, weil sie alles inklusive haben.

Immer diese Ungewissheit in der Zigaretten-Reklame!
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