Spiesser Alfons

Reisen Frauen denn mit leerem Koffer?

Donnerstag, 30. Juli 2015
Die sogenannten Slices of Life in den Bildern der Werbung sind nicht selten identisch mit den Bildern, die wir als Fata Morgana kennen!
Wie albern ist das denn?! Bei dieser Frage hat der Spießer eine Anzeige von Samsonite im Auge, wo ein Paar auf einem Motorroller fährt. Und die Dame auf dem Rücksitz hält einen Reisekoffer in der Hand unter dem Claim: "Travel lighter to go further".
In der Tat ein Schock: Was macht die Blondine mit dem Koffer auf dem Motorroller?
© Samsonite
In der Tat ein Schock: Was macht die Blondine mit dem Koffer auf dem Motorroller?
Mal ganz davon abgesehen, dass der erste Streifenwagen, dem das Pärchen begegnet, diesen Unfug stoppen wird, so fragt sich der spießige Leser: Reisen die beiden Protagonisten mit Leergepäck? Denn wäre dieser Koffer allein gefüllt mit dem, was eine Frau auf Reisen normalerweise so benötigt, dann hätte sie ihr Gepäckstück über kurz oder lang an die Straße abgegeben.


Nein, dieses Sujet, das die Leichtigkeit eines leeren Koffers demonstrieren soll, ist ausgemachter Quatsch. Und der Slogan: "Samsonite by your side" bezieht sich offenbar auf die fünf Schmetterlinge im Bilde, die aus einem Shop herbeigeflogen sind, nämlich aus dem Photoshop. Der einzige Lichtblick in dieser Anzeige – aus der Sicht des Spießers – ist die beinfreie Bekleidung der Blondine auf dem Sozius. Aber darum geht es hier ja gar nicht. Oder vielleicht doch ...?

Welche Farbe hat ein Jaguar? Wenn man an das Auto denkt, dann gibt es das in vielen Farben. Und der Jaguar als Kühlerfigur ist silberfarbig. Sieht jemand, der einen Jaguar fährt, schwarz? Diese Frage beschäftigte den Spießer, nachdem er einen Spot gesehen hat von Jaguar, wo ein Panther zu bestaunen ist. Der Film für den Jaguar XE trägt den Titel "There’s a new boss in town" – siehe Szenenfoto!
Hier wird mit einem Panther für ein Auto der Marke Jaguar geworben. Warum ...?
© Jaguar
Hier wird mit einem Panther für ein Auto der Marke Jaguar geworben. Warum ...?
Warum Panther statt Jaguar? Nun, wer "Brehms Tierleben" in Erinnerung hat, der weiß, dass der Panther ein Leopard oder Jaguar ist, der durch eine Laune der Natur eine andere Fellfarbe bekommen hat. Und der wissenschaftliche Name des Jaguars lautet: Panthera onca.


Warum aber ein schwarzes Branding statt des volkstümlich gelernten Farbmusters für den Jaguar, der in der Vorstellung des gemeinen Bürgers gefleckt ist? Ganz einfach: Die Werbung von Jaguar richtet sich nicht an den gemeinen Bürger. Und ein Boss läuft schließlich nicht im gefleckten Anzug durch die Gegend, sondern ein Boss trägt Panther-Schwarz.

Der Mann hinter dem Fragezeichen von IBM sieht reichlich verschroben aus. So, als würde er gerade seine Notdurft im Stehen verrichten. Und die Headline lautet: "Wenn Sie eine Frage stellen können, können Sie auch mit Watson Analytics arbeiten."

Eine diesbezügliche Frage von Alfons an den Werbungtreibenden lautet: "Wadde hadde dudde da?" Und nach dieser Frage kann der Spießer laut IBM-Werbetext "mit IBM Watson Analytics versteckte Muster und Zusammenhänge sichtbar machen" und so "neue Erkenntnisse" für sein Unternehmen gewinnen? Irgendwie toll, oder!?
Warum solche Verrenkungen?
© IBM
Warum solche Verrenkungen?
Das nächste Thema ist die Doppeldeutigkeit in der deutschen Sprache. Und nie hätte der Spießer sich getraut, die Anzeige von Always aufzuspießen. Hätte – denn jetzt darf er sich trauen. Weil HORIZONT gerade über Ingeborg Trampe und ihren Pornoroman "Pussy Diary" berichtet hat (Zitat: "Werber sind Langweiler im Bett") und daraus Stellen zitiert, die Alfons in seiner spießigen Kolumne nie zu schreiben gewagt hätte! Jedenfalls nicht zu der Zeit, als Ingeborg Trampe noch stellvertretende Chefredakteurin von HORIZONT gewesen ist.

Aber zur Always-Annonce: Wir sehen dort zwei Frauen, die eine Vorliebe haben für die französische Liebe, was der Texter als "Blasenschwäche" bezeichnet und empfiehlt: "Lassen Sie sich nicht stoppen." – siehe die Abbildung!
Für was haben die Frauen eine Schwäche?
© Always
Für was haben die Frauen eine Schwäche?
Da kaum davon auszugehen ist, dass dieses eine Aufforderung sein soll, den Harndrang nicht zu stoppen, geht der Spießer davon aus, dass der (männliche) Texter ganz was anderes im Kopf gehabt hat und bei der Formulierung mit doppeldeutigem Wort einen zerebralen Orgasmus erlebt hat.

Nun ein Rebus, nämlich ein Bilderrätsel: Die Statue einer nackten Frau mit dem Wort: "Bonaveri" – was wollen uns die Werber damit andeuten?

Spießer Alfons weiß nicht, was Bonaveri ist. Vermutung: Wasser. So wie Bonaqua. Warum aber wird das in der Anzeige nicht gesagt? Weil jeder weiß, dass Bonaveri ein Wasser ist? Oder weil der Auftraggeber der Anzeige glaubt, dass die Schaltung ohnehin flüssiger als Wasser ist, nämlich überflüssig ...? Fragen über Fragen. Weiß jemand von Euch eine Antwort darauf?
Wasser macht schlank oder was ...?
© Bonaveri
Wasser macht schlank oder was ...?
Es ist schon merkwürdig, wie die Kommunikationsfachpresse arbeitet. Da berichten alle Titel seitenweise über das Reich von Hubert Burda und informieren über die verlegerischen Aktivitäten in Print und Internet weltweit, und sogar über die gesammelte Kunst des Verlegers wird berichtet, genauso wie über die beruflichen Aktivitäten seiner Gattin ...

... aber nirgendwo steht etwas zu lesen über das Weingut derer von Burda! (Oder hat der jüngste Sohn der Verlegerfamilie den badischen Weinberg gar nicht geerbt?)

Im Jahre 1969 schenkte Aenne Burda, die Mutter von Hubert, dem Spießer eine Flasche „Franzensberger“ – siehe die Abbildung! Die Ehrfurcht des Spießers vor dem Fessenbacher Spätburgunder vom Weingut Dr. Franz Burda war so groß, dass Alfons nie gewagt hat, den Korken zu ziehen, um diesen Rotwein zu genießen.
Burda: Im Wein liegt Wahrheit!
© Franzensberger
Burda: Im Wein liegt Wahrheit!
Natürlich wusste Spießer Alfons schon immer, dass alte Weine eine gute Kapitalanlage sind. Und der "Franzensberger" von 1967 dürfte heute zu vergleichen sein mit einem 1967er Domaines Barons de Rothschild Chateau Lafite Rothschild, Pauillac, wobei dieser französische Wein noch sehr viel häufiger angeboten wird als der 1967er "Franzensberger".

Bevor der Spießer mit dieser Rarität zu Ebay geht, wartet er auf die Gebote der HORIZONT-Leser.
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© Horizont
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