Spießer Alfons

Medical Affair: Was der Doktor wohl empfiehlt?

Donnerstag, 21. Juli 2016
"Dieses Baumes Blatt, der von Osten / Meinem Garten anvertraut, / Gibt geheimen Sinn zu kosten, / Wie's den Wissenden erbaut." (Goethe: „Ginkgo Biloba“)
Über keinen Baum der Erde wurde und wird soviel berichtet und gedichtet wie über den Ginkgo, der auch Johann Wolfgang von Goethe zu einem Gedicht angeregt hat, in dem der Dichterfürst das Blatt dieses Baumes als Symbol der Freundschaft dargestellt hat. Der Ginkgo hat seine Wurzeln in China und ist heute auch in Europa verbreitet. Das Kuratorium „Baum des Jahres“ ernannte den Ginkgo zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden und wählte ihn zum Baum des Jahrtausends.


Über Geschichten und Mythen, die sich um den Ginkgo ranken, will Alfons an dieser Stelle nicht eingehen, weil das den Rahmen der spießigen Kolumne sprengen würde. Aber Ihr sollt wissen: Wenn der Spießer aus dem Fenster seines Büros schaut, dann blickt er auf einen Ginkgo in seinem Garten. Und warum hat Spießer Alfons so ein elefantöses Gedächtnis? Weil er tagtäglich Tebonin schluckt, ein Produkt aus den Blättern des Ginkgo, das ihm vor vielen Jahren mal eine Heilpraktikerin ans Hirn gelegt hat. Und damit kommt Alfons zum Thema seiner vor Euch liegenden Kolumne.

Unter der Überschrift „Im Kopf jung bleiben“ berichtet der „Ratgeber“ aus dem Verlag Gebr. Storck darüber, was der Mensch tun soll, um dem geistigen Abbau im Alter ein Schnippchen zu schlagen. Und ganz am Ende des Artikels kommt der Autor zum – richtig: Ginkgo! Wir lesen: „Weitere Unterstützung kommt aus der Natur. So können zum Beispiel Ginkgo-Präparate aus der Apotheke geistige Leistungseinbußen bis ins hohe Alter ausgleichen und mögliche Defizite vermindern. Extrakte aus Ginkgo-Blättern fördern die Durchblutung und die Anpassungsfähigkeit des Gehirns. So waren in einer Umfrage unter älteren Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung gut zwei Drittel der Teilnehmer überzeugt, dass die Einnahme von Ginkgo-Extrakt ihre geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Klinische Studien mit hochwertigen Spezialextrakten belegen, dass Ginkgo Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis messbar stärken kann.“
Ein Beitrag über den Kopf, womit das Ge-hirn gemeint ist. Und am Ende hört man die Nachtigall trapsen – wenn der eigene Kopf jung geblieben ist!
© HORIZONT
Ein Beitrag über den Kopf, womit das Ge-hirn gemeint ist. Und am Ende hört man die Nachtigall trapsen – wenn der eigene Kopf jung geblieben ist!
So weit, so gut. Und dann bekommt der Leser vom „Ratgeber“ auch noch eine  Hilfestellung: „Haben Sie Fragen? Rufen Sie an!“ Und zwar, „wenn Sie zum Beispiel wissen wollen, worauf Sie bei der Wahl eines Ginkgo-Präparates achten sollten, dann fragen Sie unseren Experten!“


Und wer ist dieser Experte vom „Ratgeber“? Wir lesen: „Dr. med. Martin Burkart beantwortet gerne alle Ihre Fragen.“ Und: „Der Anruf für Sie ist kostenlos!“
Ratgeber: Kundenzeitschrift aus der Apo-theke mit „Experten“ als Berater!
© HORIZONT
Ratgeber: Kundenzeitschrift aus der Apo-theke mit „Experten“ als Berater!
Wer ist dieser Mediziner, der hier als Experte antwortet? Der Spießer hat gegoogelt und gefunden: Dr. Martin Burkart ist Vice President Medical Affairs, und zwar bei der Dr. Wilmar Schwabe GmbH & Co. KG. Und weil Spießer Alfons ein langjähriger Tebonin-Konsument ist, lässt sein Gedächtnis ihn nicht im Stich: Die Dr. Wilmar Schwabe GmbH & Co KG ist Hersteller von Tebonin.

Ob der Herr Doktor bei seiner Telefonberatung auch Werbung macht für Tebonin, weiß Alfons natürlich nicht. Der Spießer fragt sich nur: Warum wurde der Doc zwar mit Namen, nicht aber mit der Firma vorgestellt, für die er tätig ist...?

Bei der Gestaltung einer Anzeige sind in aller Regel zwei Menschen beteiligt, als dieses sind der Grafiker und der Texter. Zuerst natürlich der Texter, denn schon in der Bibel steht geschrieben: „Am Anfang war das Wort“. Und danach kommt der Grafiker, der so gern behauptet, dass ein Bild mehr sagt als 1000 Worte – wobei das Gesagte nicht immer identisch sein muss mit dem, was der Werbungtreibende tatsächlich sagen möchte.

Manchmal ist das gedruckte Wort in der Werbung aber auch am Ende. So wie zum Beispiel in der Anzeige des Hosenherstellers der Marke Brax: Hier hat der Grafiker den Text so platziert, dass man ihn nur schwerlich lesen kann – siehe die Abbildung links!
Weiße Schrift in weißem Feld ist wie Salz im Zucker – Abbildung links.
© HORIZONT
Weiße Schrift in weißem Feld ist wie Salz im Zucker – Abbildung links.
Warum stellt ein Grafiker weiße Schrift in weißen Raum? Weil er glaubt, dass der Text nicht so wichtig ist? Oder weil er seinem Kollegen Texter damit anzeigen will, dass dessen Arbeitsleistung ihm persönlich missfällt?

Alfons hat selber Hand angelegt an die besagte Anzeige – siehe Abbildung rechts! Und der Spießer fragt die Hosenverkäufer der Marke Brax: Warum bezahlt Ihr für eine Anzeige, wenn die Gestaltung zu wünschen übrig lässt...?
Spießer Alfons zeigt, dass es auch anders geht –Abbildung rechts!
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Spießer Alfons zeigt, dass es auch anders geht –Abbildung rechts!
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