Spießer Alfons

Heilmittelwerbegesetz und „Antlitzdiagnose“

Donnerstag, 25. Juni 2015
Träumt davon nicht jeder Marketing-Boss: Werbung, die der potenzielle Kunde selber bezahlt? Wie das geht, erfahrt Ihr im nachfolgenden Wortlaut!
Werbung schleicht mitunter auf wundersamen Wegen hin zum Konsumenten. Besonders für Produkte, die geheimnisvoll sind in ihrer Wirkungsweise. Wie zum Beispiel die berühmten Schüßler Salze, über deren Werbung Euch der Spießer schon mehrfach berichtet hat. Und wozu es heute aus gegebenem Anlass einen Nachschlag gibt.


Vor geraumer Zeit hatte der Spießer sich mal lustig gemacht über die Werbung der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) und deren Schüßler-Salze, weil in der Werbung nichts darüber gesagt wurde, wozu diese Salze denn wohl gut sein sollen, und weshalb der Spießer gemutmaßt hatte, dass man sie im Winter als Streusalz verwenden könnte. Woraufhin Dr. Wolfgang Kern, zuständig für Presseund Öffentlichkeitsarbeit Deutsche Homöopathie-Union, einen ironisch-süffisanten Brief an die HORIZONT-Chefredaktion geschickt hatte mit dem Hinweis: „Was Spießer Alfons als Witz in der Werbung darstellt, ist einfach eine Vorschrift im Heilmittelwerbegesetz. Danach dürfen Medikamente ohne Indikation wie z. B. Schüßler-Salze gar nicht mit Wirksamkeiten genannt werden. In einem Fachmagazin bzw. -portal für Werbung hätte man dies wohl wissen dürfen …“

Über die Wirkung von Magnesium!
© Unternehmen
Über die Wirkung von Magnesium!
Ja, hätte man. Doch als Spießer Alfons aufgrund der Reklamation zurückgefragt hatte, wieso denn auf der DHU-Online-Seite durchaus Wirksamkeiten von Schüßler-Salzen genannt wurden, da beendete der Pressemann seine diesbezügliche Öffentlichkeitsarbeit mit beredtem Schweigen.


Aktuell erscheint eine salzige Schüßler-Anzeige, wo nicht für Schüßler-Salze mit Wirksamkeit geworben wird, sondern der Leser erfährt: „Magnesium für leistungsfähige und entspannte Muskeln“. Aber, liebe Freunde der Werbung, bis hierhin lest Ihr nur die Einleitung zum eigentlichen Thema. Und das eigentliche Thema lautet: „Werbung für Schüßler-Salze, die der Konsument bezahlt“. Eine solche Werbeinszenierung geht wie folgt über die Bühne: Eine Apotheke macht für ihre Kunden eine Veranstaltungsreihe mit der Ankündigung: „Wissenswertes über die Schüßler-Salze“, und zwar im Rahmen eines „Arbeitskreises rund um die Biochemie“, wo alle vier Wochen die Salze des Arztes Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) behandelt werden.

Werbung für Schüßler-Salze auf der offiziellen Homepage der Stadt Ahrensburg!
© Ahrensburg.de
Werbung für Schüßler-Salze auf der offiziellen Homepage der Stadt Ahrensburg!
In der Ankündigung für den 13. Juli 2015 ist beispielsweise zu lesen: „In dem Arbeitskreis rund um die Biochemie wird monatlich ein Themenbereich behandelt und die Wirkungsweise der Schüßler Salze auf diese Weise immer wieder erläutert. Thema am heutigen Abend: ‚Antlitzdiagnose – Mineralstoffmangel im Gesicht erkennen‘. Referentin: Maria Lehrke, Heilpraktikerin und Mitglied im Biochemischen Verein Lübeck.“ Und: „Kosten: 4.50 für Nichtmitglieder, 2 für Mitglieder im Biochemischen Verein Lübeck.“

Würde das nun so im Werbetext einer Anzeige gedruckt stehen, dann wäre das nach den Vorschriften im Heilmittelwerbegesetz nicht gestattet, weil hier ja von „Wirkungsweise der Schüßler-Salze“ die Rede ist. Wie also verbreitet nun die Flora-Apotheke in Ahrensburg die Kunde an die Kunden? Haltet Euch fest, liebe Lesergemeinde: Die Mitteilung erfolgt regelmäßig auf der offiziellen Homepage der Stadt Ahrensburg und hier unter „Veranstaltungen“ unter der Obhut der Abteilung für „Kultur und Städtepartnerschaften“! Weshalb der Bürger Alfons folgsam alle Schüßler-Salze immer in seinem Kulturbeutel mit sich führt, um damit bei Besuchen in Partnerstädten sein Frühstücksei zu salzen.

Reinhold Tscherwitschke hat geschrieben. Reinhold Tscherwitschke ist Geschäftsführer von Chromorange Photostock. Und nach eigenem Bekunden ist Reinhold Tscherwitschke der „Autor“ eines Fotos, auf dem mehrere Maß Bier auf einem Tresen stehen. Das Foto mit den Maß Bier auf dem Tresen hatte das Hamburger Abendblatt abgebildet, und zwar online. Darunter die Bildunterschrift: „Auf einem Tresen stehen mehrere Maß Bier“. Und dazu der Vermerk: „Foto: picture alliance“.

Darüber hat ein lokaler Blogger sich lustig gemacht. Er lobte die Redaktion, weil diese ihre Leser ausdrücklich darüber informiert hat, dass auf dem Tresen mehrere Maß Bier stehen. „Denn“, so der Blogger, „es hätten ja auch mehrere Uringläser sein können, die dort überschäumen.“ Und damit der Leser des Blogs das mit eigenen Augen erkennt, hat der Blogger nicht nur den Text der Zeitung zitiert, sondern damit auch das Foto, und zwar innerhalb des Original-Artikels von der Online-Seite, den der Blogger noch einmal in Gänze auseinandergenommen hat.

Was bereits im September 2014 passiert war – siehe die Abbildung! Und im Juni 2015 kommt der oben erwähnte Reinhold Tscherwitschke vom Chromorange Photostock und schreibt an den Blogger: „Sehr geehrte Damen und Herren, unsere Recherchen haben ergeben, dass Sie auf der unterhalb aufgelisteten Webseite ein urheberrechtlich geschütztes Foto in einer unerlaubten oder unlizenzierten Nutzung ohne unsere Zustimmung verwenden. Wir geben Ihnen hiermit die einmalige Gelegenheit, das verwendete Foto nachträglich zu lizenzieren. Sollten wir binnen 14 Tagen keine Reaktion Ihrerseits oder Zahlungseingang auf unserem Konto verbuchen können, behalten wir uns vor, zusätzlich Beseitigungs-, Unterlassungsund Schadenersatzansprüche geltend zu machen.“

Das Foto links am Rande soll € 641,70 kosten!
Das Foto links am Rande soll € 641,70 kosten!
Danach folgt die Auflistung: 310 Euro plus Mehrwertsteuer. Dazu weitere 310 Euro ohne Mehrwertsteuer weil: „fehlender Bildquellennachweis“. Macht summa summarum nach Reinhold Tscherwitschke = 641,70 . Dazu sein vorsichtiger Hinweis: „Sollten Sie eine Nutzung ohne unser Wissen besitzen, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung.“ So, und nun, Reinhold Tscherwitschke, sind die mehrere Maß Bier auf dem Tresen auch noch in HORIZONT abgebildet. Kommt nun eine weitere Rechnung von Ihnen ...?

Die Kinder der Elche sind selber welche. Das ist bekannt. Und daran muss Spießer Alfons immer denken, wenn ein Obermufti aus einer Werbe- beziehungsweise Mediaagentur in den Medien das Wort ergreift, um zu verkünden, was die Agenturen alles falsch machen. Nein, natürlich nicht die eigene, sondern immer bloß die anderen. Liebe Lesergemeinde, wenn Spießer Alfons den Stein der Weisen gefunden hätte, dann würde er hübsch damit arbeiten, statt seinen Wettbewerbern zu berichten, wo diese den Stein der Weisen ebenfalls finden, damit sie sich den auch holen und damit arbeiten können.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Alfons nie in einer Werbeagentur gearbeitet hat. Und wenn ihn jemand gefragt hat, warum er das nicht gewollt hat, dann hat der Spießer immer erklärt: „Statt in eine Werbeagentur bin ich lieber in einen Zirkus gegangen, denn dort reden die Clowns wenigstens nicht so viel.“

Früher haben die Frauen vor Glück geschrien, wenn der Paketbote ihnen die Klamotten von Zalando gebracht hat. Und was machen die Frauen heute? Sie schreien vor Frucht. Jedenfalls sollen sie das tun, wenn es nach dem Willen von Frankenbrunnen geht, dem größten Mineralbrunnen im Bayernland – siehe die Abbildung! Dass eine Frau vor Glück schreien soll, kann der Spießer nachvollziehen, denn Alfons erfährt das höchstselbst, wenn eine Frau ihn sieht. Aber vor Frucht? Warum, um alles in der Welt, sollen Konsumenten vor Frucht schreien?

Und warum kotzt das Zebra ...?
© Unternehmen
Und warum kotzt das Zebra ...?
Beim Betrachten des Anschlags auf die Verbraucher kam dem Spießer folgende Idee: Könnte das furchterregende bunte Zebra, das dort offensichtlich gerade kotzt, gemeint sein mit der Headline, in der ein Druckfehler steckt, weil dort das u irrtümlich hinter das r gerutscht ist ...?
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