Spießer Alfons

Frühlingsgefühle in der Unterhose

Donnerstag, 25. Februar 2016
Warum man Werbetexte genauer lesen sollte, erfahrt Ihr anhand einer Anzeige von Vernel, wo etwas anderes steht, als der flüchtige Leser glauben könnte!

Unglaublich! Aber es steht in einer Anzeige von Henkel gedruckt: „Das Gefühl eines frischen Frühlingstags. 8 Wochen lang.“ Und dieses Gefühl bekommt angeblich eine Frau, die ihre Wäsche mit Vernel weichgespült hat. Der Spießer wiederholt: Wer seine Klamotten mit Vernel gespült hat, der kann sie danach 8 Wochen lang tragen und hat innerhalb dieser zwei Monate täglich das Gefühl, einen frischen Frühling in seiner Wäsche zu haben – sogar ohne Deo-Spray! Und das ist laut Werbeangaben „ein Gefühl zum Verlieben“.



Wer das nicht glaubt, der wird von Spießer Alfons bestätigt. Richtig ist nämlich, dass in der Vernel-Anzeige nicht steht: „Gefühl eines frischen Frühlingstages“, sondern: „Frühlingstags“ ist dort gedruckt. Und Tags, das wissen wir, sind die Auszeichnungen eines Datenbestandes mit zusätzlichen Informationen. Womit es sich im Falle von Vernel offenbar um Datenbestände handelt, die über ein zusätzliches Gefühl von Frühling informieren, und zwar 8 Wochen lang täglich.
Hier kriegen Frauen was in die Wäsche, nämlich Frühlingsgefühle!
© Unternehmen
Hier kriegen Frauen was in die Wäsche, nämlich Frühlingsgefühle!
Versteht Ihr das, liebe HORIZONT-Leser? Nein? Spießer Alfons auch nicht. Aber wir müssen ja auch nicht alles verstehen, was die Werbedichter uns erzählen!

Und damit kommt der Spießer zum Kleingedruckten. Das steht quer am Rande der Anzeige hinter einem Sternchen. Worauf sich dieses Sternchen bezieht, ist allerdings nicht so leicht zu erkennen, denn man findet es nicht etwa in der Headline, sondern auf der abgebildeten Flasche. Und der Text lautet folgendermaßen: „*Nach 8 Wochen Lagerung der Textilien im Schrank. Frische-Perlen-Effekt.“


Hieraus resultiert des Spießers Empfehlung: Wer darüber hinaus auch noch acht Wochen lang einen frischen Frühlingsduft in seiner Toilette haben möchte, der sollte Vernel durch die Klobrille kippen und das WC-Becken acht Wochen lang nicht benutzen!

Dass alle Menschen auch Verbraucher sein müssen, ist logisch, denn wer nicht verbraucht, der stirbt. Doch wenn ein Werbungtreibender schreibt: „Zähne sind Verbrauchern lieb und ‚teuer‘“, dann fragt sich der spießige Anzeigenleser: Wird hier der Verbrauch von Zähnen angesprochen, oder warum ist dort speziell von „Verbrauchern“ die Rede, wenn es um die Zähne geht?
Diese Anzeige richtet sich an die Verbraucher von Zähnen oder was?
© Unternehmen
Diese Anzeige richtet sich an die Verbraucher von Zähnen oder was?
Natürlich hätte der Textdichter auch schreiben können: „Unsere Zähne sind uns lieb und ‚teuer‘“, aber das hat er nicht getan.

Außerdem formulierte der Konsumpoet wie folgt: „Eine innovative Zahncreme mit künstlichem Zahnschmelz verdrängt herkömmliche Zahnpasten.“ Und das mutet recht wundersam an. Denn „Zahnpasten“ gab es schon vor Biorepair nur noch sehr wenige im Regal, weil die meisten Hersteller ihre Produkte bereits vor langer Zeit neu deklariert haben, nämlich als Zahncremes.

Fazit: Wenn diese neue Zahncreme also nach eigenen Werbeworten „herkömmliche Zahnpasten“ verdrängt, dann verdrängt sie damit genauso herkömmliche Schuhpasten, denn die heißen heute ebenfalls Schuhcremes. Genauso wie wir auch von Crème de la Crème reden und nur im italienischen Restaurant von Pasta de la Pasta.

Es gibt viel Werbung, die Käse ist. Manchmal ist das auch Werbung für Käse. Wie beispielsweise die Annonce für „Käse aus der Schweiz“ – siehe die Abbildung!
Der Werbungtreibende fabriziert Käse, warum sollten die Werber das nicht tun?!
© Unternehmen
Der Werbungtreibende fabriziert Käse, warum sollten die Werber das nicht tun?!
„Ein Stück vom Glück“, verkündet der Textdichter. Und die Models im Vordergrund machen vor lauter Glück ein Selfie vor den verschneiten Schweizer Bergen. Der Käse im Vordergrund kommt dabei nicht aufs Bild, weil er ganz offensichtlich nicht zum Glück der beiden Protagonisten beiträgt.

Warum das ein „perfekter Moment für einzigartigen Genuss“ von Käse sein soll, wird für Spießer Alfons allerdings sofort klar, denn das lässt sich ablesen von den Lippen der beiden Darsteller, die ihrem Handy gerade ein freundliches „Cheese!“ zurufen.

Spießer Alfons liebt Lakritze. Und ganz besonders die Bonbons von Villosa, nämlich Sallos, und diese in der Geschmacksrichtung „X-TREME“.

Nun sah Alfons kürzlich ein Plakat von und mit Sallos, und der Spießer glaubte, seinen Augen nicht mehr trauen zu können. Denn was er dort erblickte, das passte nicht so recht zusammen!

Auf dem Plakat ist nämlich ein männlicher Oberkörper zu sehen. Nackt und muskulös. Und mit ausgeprägten Brüsten. Daneben steht: „Probier mich!“ – wenn Ihr Euch die Abbildung bitte mal anschauen wollt, liebe Lesergemeinde!
Nächtliches Handyfoto des Spießers (nein, kein Selfie!) von einem Plakat, das hinter Gittern platziert wurde, um Frauen davon abzuhalten!
© Unternehmen
Nächtliches Handyfoto des Spießers (nein, kein Selfie!) von einem Plakat, das hinter Gittern platziert wurde, um Frauen davon abzuhalten!
Damit nun nicht alle Frauen zum Probieren gegen die Plakatwand rennen, war ein Gitterzaun darum gebaut worden. Und der spießige Sallos-Konsument hat sich gefragt: „Haben meine Bonbons womöglich anabole Wirkung? Was meint: Sorgen Sallos X-TREME vielleicht für eine positive Stickstoffbilanz in meinem Körper und damit für eine muskelaufbaufreundliche Stoffwechsellage ...? Bis heute hat der Spießer nichts davon gespürt, aber warum sollte Alfons den Plakatanschlag auf den Konsumenten nicht für bare Münze nehmen und deshalb weiterhin seine geliebten Lakritz-Bonbons lutschen ...?! 
Blick in die Schreibtischschublade des Spießers: Anabolika oder was ...?
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Blick in die Schreibtischschublade des Spießers: Anabolika oder was ...?

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