Spießer Alfons

Elefantöse Offerte für Dickhäutige

Donnerstag, 28. Juli 2016
Es gibt bildliche Metaphern in der Werbung, die sind echt für’n Arsch. Ob Frauen sich wohl vom Hinterteil eines Elefanten angesprochen fühlen ...?
In der Freien und Hansestadt Hamburg, wo die Elefanten im Tierpark Hagenbeck leben, sah der Spießer einen Anschlag auf die Rüsseltiere, und zwar einen Plakatanschlag. Wir sehen im Bilde das Hinterteil eines Dickhäuters und daneben den zarten Arsch einer jungen Frau. Und der Textdichter hat dazu vermerkt: „Deine Entscheidung“, nämlich „durchtrainiert in 20 Minuten“ – siehe die Abbildung!
Wie mag sich wohl eine Frau fühlen, deren Hinterteil mit dem Arsch einer Elefantenkuh verglichen wird ...?
© HORIZONT
Wie mag sich wohl eine Frau fühlen, deren Hinterteil mit dem Arsch einer Elefantenkuh verglichen wird ...?
Was will der Dichter damit sagen? Dass ein Elefant entscheiden kann, dass er innerhalb von 20 Minuten seinen Schwanz ablegt und einen faltenfreien Frauenpopo bekommt, wenn er in das besagte Fitness-Studio trampelt ...?

Es gibt bildhafte Vergleiche, die sind so passend wie ein Elefant im Porzellanladen.

Wir kennen diverse Rabatte. Mengenrabatte zum Beispiel. Und Treuerabatte. Wir bekommen Personalrabatte und Wiederverkäuferrabatte und manchmal auch einen Naturalrabatt. Und nun gibt es auch noch den „Maximalrabatt“ – wenn Ihr Euch bitte mal die Anzeige des Hamburger Juweliers Hansen anschauen wollt, der seinen Laden im Jahre 1814 eröffnet hat und im Jahre 2016 schließen will und deshalb „Luxus zum Maximalrabatt“ anbietet!
Der Juwelier bietet einen „Maximalrabatt“ an – allerdings nicht aus der Sicht des Kunden!
© HORIZONT
Der Juwelier bietet einen „Maximalrabatt“ an – allerdings nicht aus der Sicht des Kunden!
Was haben wir unter einem „Maximalrabatt“ zu verstehen? Nun, die Sichtweisen dürften hier zwischen Händler und Kunden höchst unterschiedlich sein. Der Händler, also der Juwelier, gibt „30% auf alles“. Was für ihn offenbar das Maximale an Rabatt bedeutet. Der Kunde indes ist gewöhnt an Rabatte, die 50% betragen oder gar 75%. Und würde man „Maximalrabatt“ wörtlich nehmen, dann beträgt dieser 100%, denn das wäre in der Tat das Maximale. Und dieser Rabatt wäre auf Goldwaren mit dem Stempel 999 sogar ein echtes Schnäppchen.

„sei ein superheld“, wird Kindern in einer Anzeige empfohlen. Und wie wird der Knabe ein „superheld“? Zum einen muss er sich ein Comic-Cape über die Schultern legen. So wie Superman. Und dann muss er crocs tragen, die Gummigaloschen. Aber nicht genug damit: Um ein „superheld“ zu werden, muss er seiner Lehrerin in der Schule auch zeigen, dass er sich nicht um die Regeln der Rechtschreibung kümmert und „superheld“ schreibt statt Superheld.
Mit Gummigaloschen wird man ein Superheld?
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Mit Gummigaloschen wird man ein Superheld?
Und was erkennen wir daraus? Wir erkennen: Der Texter dieser Anzeige ist offenbar so ein kleiner „superheld“, der die deutsche Sprache nur mangelhaft beherrscht. Denn sonst hätte er korrekt geschrieben: Sei ein Superheld!

Es ist eine klassische Annonce, so, wie unsere Großmütter sie kennen aus der Zeit, als die Werbung noch Reklame hieß. Überschrift: „Vinoperfekt das Lieblingsprodukt gegen Pigmentflecken für die Frauen“. Und für die Wirkung dieses „Lieblingsproduktes“ werden Prozentzahlen genannt aus einem Test, über den in kleiner Fußnote berichtet wird: „Multizentrische Studie in Europa in Stadtpraxen bei 60 Patienten und 9 Dermatologen, 3 Monate lang“. Und natürlich gibt es auch die berühmten Vorher-nachher-Bildchen, wie man sie früher aus Annoncen kannte, wo vorher abstehende Ohren nachher angelegt waren.
Rückblick auf die Zeit, als Werbung noch Reklame hieß!
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Rückblick auf die Zeit, als Werbung noch Reklame hieß!
Und wie kommt der Hersteller zur Aussage „Lieblingsprodukt gegen Pigmentflecken“? Ganz oben links steht groß: „Nr. 1“ mit der Erläuterung: „gegen Pigmentstörungen in den französischen Apotheken“.

Zwar ist dem Spießer nichts bekannt, dass es in den französischen Apotheken tatsächlich Pigmentstörungen gibt, aber immerhin ist es besser, dass das Produkt in französischen Apotheken die Nr. 1 ist und nicht etwa in den Apotheken von Kurdistan.

Will der Bürger keine Werbung in seinem Briefkasten haben, dann klebt er dort einen Sticker dran mit dem Hinweis: Keine Werbung! Und will der Mensch keine Werbung im TV, auf seinem PC oder Smartphone sehen, dann installiert er einen Adblocker.

Was bedeutet das für die Werbung treibende Wirtschaft? Spießer Alfons beantwortet diese Frage mit einem Gleichnis: Wenn eine Frau nicht schwanger werden will, dann schluckt sie einen Sper-mablocker, sprich die Anti-Baby-Pìlle. Das wird weder Alete noch Hipp oder Pampers gefallen, aber wer verhütet, der will einfach nicht ins Geschäft kommen mit den besagten Anbietern, basta, Ende, aus!
Wer Anti-Baby-Pillen schluckt, will keine Pampers!
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Wer Anti-Baby-Pillen schluckt, will keine Pampers!
Wollen Werbungtreibende wirklich die Zielgruppe „Werbeverweigerer“ ansprechen? Und falls ja, warum? Um sie zu ärgern? Oder um diese Leute aggressiv gegenüber Firmen und deren Produkte und Dienstleistungen zu machen? Wohl kaum. Und darum kann und soll ein Unternehmen auf Werbeverweigerer verzichten und seine Werbung lieber dort schalten, wo sie nicht weggeblockt wird, sondern willkommen ist. Zum Beispiel in Zeitungen und Zeitschriften. Genauso auf Plakatwänden und im Kino. Dort kann der Mensch dann zwar seine Augen schließen und sich die Ohren zuhalten, aber welcher normale Mensch macht das schon?! Und die unnormalen Menschen sind für Werbung ohnehin keine relevante Zielgruppe. Oder vielleicht doch ...?
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