Spießer Alfons

Ein Wunderwasser, das wunderschön macht

Donnerstag, 11. Juni 2015
"Trinken Sie aus der Quelle und waschen Sie sich darin!", sagte die Jungfrau Maria zu Bernadette Soubirous anno 1858. Sie meinte damit das Wunderwasser aus Köln Lourdes!
Das wohl bekannteste Wunderwasser in Deutschland ist das Wasser aus der Kölner Glockengasse 4711. Der Hersteller preist es an mit den Werbeworten: „Die ausgewählten Inhaltsstoffe machen die wunderbar belebende Wirkung von 4711 Echt Kölnisch Wasser aus. So lassen Sie den Alltag, Stress und Müdigkeit hinter sich.“ Und dazu duftet es auch noch, das Wasser aus Köln, und zwar nach unserer lieben Oma. Seit einiger Zeit gibt es ein neues Wunderwasser mit der Nummer 4711. Und dieses Wunderwasser heißt auch so, nämlich „Wunderwasser“. Und es macht „wunderschön“, was wir einer diesbezüglichen Annonce entnehmen können – siehe die Abbildung!
Wunderwasser aus Lourdes? Nein, sondern aus Köln!
© Unternehmen
Wunderwasser aus Lourdes? Nein, sondern aus Köln!



Als Mann hat der Spießer zu der „Wunderwasser“-Werbung noch ein paar Fragen also lautend: Wirkt dieses Wasser auch Wunder bei Männern? Und: Muss man sich damit einreiben? Oder muss man das wundersame Wasser trinken? Und was bewirkt es – bekommt man davon wunderschöne Augen? Oder wunderschöne Haut, weil es die Falten aus dem Gesicht nimmt? Vielleicht macht das Wasser auch die Haare wunderschön genauso wie die Fingernägel? Ja, und womöglich sorgt das „Wunderwasser“ für eine freie Nase und für einen wunderschönen Atem und hilft gegen lästigen Schweißgeruch wie ein gutes Deo ...? „Wunder gibt es immer wieder“, hat schon die legendäre Katja Ebstein gesungen. Und 45 Jahre später haben wir ein neues Wunder vor uns, nämlich das „Wunderwasser“ der Marke 4711 aus Köln, wo es dermaleinst ja auch die wundersamen Heinzelmännchen gegeben hat.

Nicht besonders glaubwürdig empfand der Spießer übrigens die Meinung seines russischen Freundes, der steif und fest behauptet: „In der Flasche kann nur Wodka sein!“ Kein Mensch auf dieser Welt kann sein Alter bestimmen, das ist allein dem lieben Gott vorbehalten. Oder aber ... doch daran wollen wir besser nicht denken, denn Suizid ist kein Thema für die Werbung! Apropos Werbung: Die göttlichen Werber von Nivea zeigen an: „Mein Alter? Bestimme ich selbst.“ – siehe die Anzeige! Was will uns der Textdichter damit sagen? Wenn Ihr den Spießer fragt, dann antwortet Alfons: Die Frau spricht von ihrem Mann und meint: „Ich bestimme selbst, wer mein Alter ist.“
Ihr Alter? Der steht links im Bilde der Annonce!
© Unternehmen
Ihr Alter? Der steht links im Bilde der Annonce!



Ja, so ist das heute bei den emanzipierten Frauen: Kaum spielen sie in der Werbung eine Rolle, schon sind sie nicht mehr fremdbestimmt durch einen ständigen Begleiter.

Wusstet Ihr schon, liebe HORIZONT-Leserinnen, dass eine Gliss-Kur von Schwarzkopf „wirksam in 10 Haarschichten“ ist? Wenn Ihr Euch jetzt an den Kopf fasst, um zu überprüfen, in wie vielen Schichten Eure Haare auf dem Haupte liegen, dann seid Ihr falsch gebürstet. Denn es führt da noch ein Sternchen zum Quergedruckten am Rande, dem wir entnehmen: „5–10 Oberschichten der Haarfaser, kann je Haar variieren“.
Wann habt Ihr eigentlich zuletzt Eure Haarschichten gezählt?
© Unternehmen
Wann habt Ihr eigentlich zuletzt Eure Haarschichten gezählt?


Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Headline nicht allgemeingültig ist. Erst, wenn eine Frau das Produkt kauft und nach der Anwendung die Schichten ihrer Haare kontrolliert, kann sie feststellen, ob Schwarzkopf sein Werbeversprechen aus der Headline eingelöst hat oder nicht.

Woran erkennt man eigentlich gutes Brot? Laut Lidl erkennt man gutes Brot unter anderem „an guten Zutaten“ und „an einem guten Preis“. Und woran erkennt man gute Bademode? Spießer Alfons erkennt dieselben an dem, was drin steckt – siehe die Lidl-Anzeige! Aber erkennt man gute Bademode auch an einem guten Preis? Der Preis für Bademode von Lidl beginnt „ab 2.99“. Wobei nicht gesagt wird, um welche Währung es sich dabei handelt. Sollten Britische Pfund gemeint sein, dann ist der Preis besser, als wenn es Euro wären. Denn ein Badeanzug für 2,99 Euro würde bedeuten, dass hier nicht einmal der deutsche Mindestlohn fürs Nähen bezahlt worden ist. Und das ist ungut.
Woran erkennt man eigentlich einen guten Badeanzug?
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Woran erkennt man eigentlich einen guten Badeanzug?


Beim Klamottenhändler Takko gibt es Bikini-Tops für 6,99 das Stück, was vermutlich Euro sind. Und was die dazu passenden Höschen kosten, wird nicht verraten. Die versale Headline lautet: „Fruchtalarm am Strand: Mit den Styles kommt jeder auf den Geschmack.“

Was will uns der Textdichter mit diesen seinen Worten andeuten? „Fruchtalarm am Strand“? Sind damit vielleicht Meeresfrüchte gemeint? Und Alarm, weil auch Quallen darunter sind? Und schmecken die Meeresfrüchte nur, wenn man die Bikini-Teile von Takko beim Essen trägt oder anschaut ...?
Fruchtalarm? Was sind denn das für zwei alarmierende Früchtchen?
© Unternehmen
Fruchtalarm? Was sind denn das für zwei alarmierende Früchtchen?


Auf den dritten Blick erkennt aber sogar der Spießer, was Takko mit seiner Anzeige zum Ausdruck bringen möchte: Eine der beiden jungen Damen hat eine kleine Banane auf einem Spießchen in der Hand. Das ist der „Fruchtalarm“. Und mit den Bikinis von Takko schmeckt die Banane jedem Strandgänger. Und das ist ja wohl eine Alarmwerbung wert, oder?
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