Spießer Alfons

Ein Werbewort wie Wischiwaschi

Donnerstag, 15. Oktober 2015
Wie ernsthaft werden Werbetexte gelesen – vom Absender wie vom Empfänger? Der Spießer zweifelt an der Bedeutung des Wortes im doppelten Sinne!
Wenn wir eine Anzeige erblicken, dann denken wir, dass die Absender der Werbebotschaft sich etwas dabei gedacht haben, als sie Bild und Wort gestaltet und das Inserat geschaltet haben. Denn will der Werbungtreibende die Konsumenten in seine Arme treiben, dann muss er ihnen schon etwas erzählen, was Lieschen Müller und Gottlieb Schulze dazu bewegt, in den Regalen des Handels nach den Produkten zu greifen, die der Hersteller ihnen in seiner Werbung empfiehlt, und nicht nach den Angeboten von Wettbewerbern.


Nach dieser Vorrede werfen wir einen Blick auf die nebenstehende Persil-Anzeige, die überschrieben ist: "Wäscht Jacke wie Hose" – siehe die Abbildung! Was will uns der Textdichter damit sagen? Wenn Ihr den Spießer fragt: Persil wäscht Jacke wie Hose.
Was meint: Wäscht unerheblich!
© HORIZONT
Was meint: Wäscht unerheblich!
Ist das nicht eine echte Innovation?! Kannten wir bis dato doch nur Waschmittel, die entweder die Jacke gewaschen haben oder die Hose. Weshalb die Waschfrau eine Trommel ihrer Waschmaschine allein mit Jacken und die andere mit Hosen gefüllt hat und für jede Ladung ein anderes Waschmittel in die Maschine füllen musste.

Damit ist nun Schluss dank Persil Color Gel! Dieses Wundermittel ist nicht etwa für eine bunt gefüllte Waschmaschine, sondern man lese und staune: "Für einen bunt gefüllten Kleiderschrank" ist "Persil Color mit Kalt-Aktiv-Leuchtkraft-Formel", womit man vermutlich eine elektrische Innenbeleuchtung des Kleiderschrankes sparen kann.


Aber im Ernst: "Jacke wie Hose" ist natürlich eine Redewendung und meint: einerlei, unerheblich, kein Unterschied. Das wiederum würde bedeuten: Persil wäscht unerheblich, ohne Unterschied. Ist es das, was der Werbetexter mit dieser seiner Phrase zur Kenntnis bringen will...?

Aber es kommt noch bunter! In einer weiteren Persil-Anzeige sehen wir zwei Erwachsene und zwei Kinder mit farbigen Klamotten. Und Persil Color Gel wird angepriesen, dass man für "1000 Lieblingsfarben" nur "1 Waschmittel" benötigt, offensichtlich das Abgebildete mit der "Kalt-Aktiv-Leuchtkraft-Formel".
"1000 Lieblingsfarben" und sogar Weiß! Warum gibt’s dann noch ein anderes Persil?
© HORIZONT
"1000 Lieblingsfarben" und sogar Weiß! Warum gibt’s dann noch ein anderes Persil?
Die 1000 Farben, die dort angezeigt werden, finden wir namentlich nicht einzeln aufgeführt, sodass wir nicht mit Sicherheit wissen, ob unsere persönliche Lieblingsfarbe auch dabei ist. Was den Spießer allerdings echt verwundert: Es werden dort vorwiegend einfarbige Kleidungstücke gezeigt mit einer Ausnahme: Ein Pulli ist rotweiß gestreift. Und eine Hose hat keine Farbe, sondern sie ist weiß – wenn Ihr Euch das bitte mal selber vor Augen führen wollt, liebe Lesergemeinde!

Nun ist Spießer Alfons kein Waschexperte, weshalb er sich fragt: Wenn nicht nur Bunt-, sondern auch Weißwäsche mit einem einzigen Waschmittel gewaschen werden kann...

...warum schreibt der Texter dann nicht einfach: "1 Waschmittel für alle Klamotten"? Und dann könnte Henkel seine Persil-Waschmittel-Range bis auf dieses eine Produkt verkleinern, denn da weiß man dann ja, was man hat.

Aber um das Thema zu beenden: Ein Waschmittel und viele Lieblingsfarben gab es bereits zuvor von Persil, wenn Ihr Euch die Anzeige mal anschauen wollt, wo die Wäsche an der Leine hängt! Diese Anzeige stammt aus England und ist im Rahmen einer Kampagne vor 22 Jahren erschienen (Werbeagentur: J. Walter Thompson, London). Würde man in die Anzeige eine Plastikflasche mit Persil Color Gel stellen, dann könnte man die alte Kampagne durchaus für Germany recyceln.
"1000 Lieblingsfarben. 1. Waschmittel." Diese Anzeige stammt aus England. Und aus dem Jahre 1993, als es Persil Color Gel noch gar nicht gab!
© HORIZONT
"1000 Lieblingsfarben. 1. Waschmittel." Diese Anzeige stammt aus England. Und aus dem Jahre 1993, als es Persil Color Gel noch gar nicht gab!
Der von Spießer Alfons geschätzte Karikaturist "P. Gay", alias Peter Gaymann, hat sich etwas Neues einfallen lassen, und zwar die Comic-Anzeige. Alfons entdeckte das Inserat vor Kurzem in der "Brigitte", und zwar in der beliebten Rubrik "DIE PAAR PROBLEME" – siehe die Abbildung!
Comic-Advertising von Peter Gaymann: Aperol Spritz!
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Comic-Advertising von Peter Gaymann: Aperol Spritz!
Die Campari Deutschland GmbH wird sich riesig gefreut haben, diese Werbung für Aperol Spritz in "Brigitte" zu finden, für die vermutlich weder Honorar noch Schaltkosten angefallen sind. Spritzige Werbung auf nass also.

Falls noch nicht geschehen, Herr Marketingleiter: Ein Karton Aperol Spritz für Peter Gaymann müsste hier ja wohl drin sein, oder...?!

Postskriptum: Und weil Alfons die Werbung an dieser Stelle noch verlängert, darf zugleich ein Fläschchen für den Spießer auf den Versandweg gebracht werden. Denn auch Alfons hat eine Frau.
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