Spießer Alfons

Ein Werbeträger auf heißem Pflaster

Freitag, 21. November 2014
In der vergangenen Woche wandte der Spießer sich an den Deutschen Werberat wegen einer Uhr. Diesmal wegen eines Pflasters!
Wir kennen verschiedene Arten von Pflastern. Da gibt es in der Apotheke sowohl das Wund- als auch das Rheumapflaster. Und mit unserem Auto fahren wir auf dem Straßenpflaster, während ein Überraschungs-Ei zum Trostpflaster werden kann für kleine Kinder.

Weniger bekannt dagegen dürfte das Schlankheitspflaster sein, das wir auf unsere Fußsohlen kleben sollen, damit es dort über Nacht die „Schwermetalle“ aus unserem Körper saugt, die schuld sind am Übergewicht – siehe die Anzeige: „Schlankmachendes Vital Pflaster“! Mit diesem Pflaster verlieren Übergewichtige „unweigerlich Kilo um Kilo – und das Nacht für Nacht!“ Kurzum: „Sie werden gesünder, viel schlanker und ausgeglichen sein.“

Dieses Pflaster zieht Schwermetalle aus dem Körper, ist vermutlich ein Magnetpflaster
© Unternehmen
Dieses Pflaster zieht Schwermetalle aus dem Körper, ist vermutlich ein Magnetpflaster
Und damit wir nicht denken sollen, das mit den „Schwermetallen“ wäre Humbug, kommt der Textdichter uns historisch, nämlich: „Unser Vital Pflaster Body Patch entspricht einer 4000 Jahre alten Entgiftungs-Technik aus Japan.“ Und der Texter verheißt: „Ein wahres Wundermittel gegen Übergewicht, aber auch gegen Schmerzen und Schlaflosigkeit.“ Außerdem: „Es werden mehr Kalorien verbrannt, als über die Nahrung aufgenommen werden können. Eine Gewichtsabnahme von bis zu 500 g täglich (!) findet unweigerlich statt.“

Spießer Alfons hat keinen blassen Schimmer, was 2000 Jahre vor Christi Geburt in Japan praktiziert wurde, aber wenn es in der deutschen Werbung steht, dann wird es wohl stimmen. Und Japaner sind ja alle schlank – mit Ausnahme der Sumo-Ringer, die sich mit viel Nahrung vollpflastern. Obwohl man mit dem Kauf des „Vital Pflasters“ nach Angaben des Herstellers auch noch Geld sparen kann – ein wahres Wunder! – hat Alfons eine noch bessere und vor allem preiswertere Methode gefunden, um das lästige Übergewicht mit einem Pflaster zu stoppen.

Diesbezüglich hat der Spießer ebenfalls eine Anzeige gestaltet, die er neben die Annonce mit dem Vital-Pflaster gestellt hat. Ihr seht: Ein Pflaster, das einfach über den Mund geklebt wird, reduziert die Kalorienaufnahme radikal. Und das ist keine Werbelüge. Außerdem ist dieses Pflaster sehr preiswert.

Ein Schlankheitspflaster, das allen Übergewichtigen die Pfunde nimmt - garantiert
© Spießer Alfons
Ein Schlankheitspflaster, das allen Übergewichtigen die Pfunde nimmt - garantiert
Aber mal im Ernst, liebe Lesergemeinde: Wie kann ein großer Verlag in einer seriösen Zeitschrift so einen Unfug als Anzeige veröffentlichen? Hat der Anzeigenleiter das „Vital Pflaster“ vielleicht an die eigene Stirn geklebt und dort positiv auf Wirksamkeit getestet? Oder geht es dem Verlag so schlecht, dass er jede Art von Reklame ungeprüft druckt, Hauptsache, der Kunde zahlt die Anzeigenrechnung im Voraus ...? Auf jeden Fall hat man vorsichtshalber gleich zweimal das Wörtchen „Anzeige“ oben drübergesetzt, damit bloß kein Leser denken soll, dass es sich hier um einen redaktionellen Beitrag handelt.

Thema Nahrungsaufnahme. Hier liegt Alfons eine Anzeige von McDonald’s vor und ein Päckchen Schwarzbrot von Harry. Zu beiden Angeboten hat der spießige Konsument Anmerkungen. Zuerst mal McDonald’s. Dort gibt es „nur für kurze Zeit“ drei Cheeseburger, und zwar zum Preise von 1, 2, und 3 Euro. Und wenn Ihr das Bild betrachtet, dann werdet Ihr dem Spießer zustimmen: Wer großen Hunger hat, wird nicht den größten Cheeseburger für 3 Euro kaufen, sondern dreimal den kleinsten für je 1 Euro. Dann bekommt er sichtbar mehr für dasselbe Geld.

Spießiger Tipp: Besser 3x den für 1 Euro
© Unternehmen
Spießiger Tipp: Besser 3x den für 1 Euro
Im Supermarkt dagegen gibt es von Harry „Das volle Korn mit Keim und Randschicht“. Auf der Cellophanhülle klebt ein Sticker mit dem Hinweis: „Dieses Brot demnächst neu! Voll Korn Urtyp. Mit dem puren Roggen-Geschmack“. Was sagt uns das …? Es sagt uns, dass das Brot offensichtlich nicht gut ist. Denn warum sonst sollte der Hersteller es verändern, wenn nicht zum besseren Geschmack, nämlich dem „puren Roggen-Geschmack“?! Also lassen wir aufgeweckten Konsumenten doch das minderwertige Brot im Regal liegen, bis es trocken wird, und nehmen eine andere Sorte, und zwar so lange, bis das Harry-Brot demnächst in besserem Zustand in den Supermarkt kommt! Ob die Bäckerei das mit ihrem Aufkleber beabsichtigt hat …?

Dieses frische Brot ist heute schon alt
© Unternehmen
Dieses frische Brot ist heute schon alt
Und noch etwas: Harry schreibt seit eh und je „Schinken“ auf die Verpackung, obwohl der Inhalt doch gar kein Schinken ist, sondern Brot. Soll das vielleicht bedeuten, dass der Käufer dieses Brot nur mit Schinken belegen soll und nicht etwa mit Käse oder gar Nutella? Wer kann hier sachdienliche Angaben machen …?

In seiner 2.022. Folge hat Spießer Alfons eine Hornbach Anzeige, wo wir eine Frau sehen, die eine Babywiege gebaut hat, zu seinem „Liebling der Woche“ gekürt. Und nun ist wieder eine Hornbach-Anzeige erschienen. Diesmal hat eine Frau ein Urinal an die Wand montiert. „Sag es mit Deinem Projekt“, steht darunter. Und was sagt sie mit ihrem Projekt? Sie sagt: „Ich bin so emanzipiert, dass ich im Stehen pinkeln will!“

Ist das hier wirklich ein stilles Örtchen?
© Unternehmen
Ist das hier wirklich ein stilles Örtchen?
Aber mal im Ernst: Irgendwie sollte Produktwerbung doch ein bisschen realistisch sein, um den potenziellen Kunden zu überzeugen. Und kann sich jemand von Euch vorstellen, dass seine Frau es fertigbringt, eine Wasserleitung in die Wand zu verlegen und ein Urinal zu montieren inklusive der Kacheln ...? Auch, wenn Hornbach einen speziellen „Women-at-Work-Abend“ veranstaltet, so ist die Urinal-Montage doch wohl eher ein utopisches Unterfangen, oder?

Außerdem: Ist es wirklich ein Klo, in dem das Projekt durchgezogen wurde? Die angedeutete Raumgröße lässt eher an die Unisex-Toilette in der Werbeagentur Heimat denken als an ein stilles Örtchen in der heimischen Wohnung. Fazit: Wenn frau es mit ihrem Projekt sagen soll, dann bitte nachvollziehbar!
stats