Spießer Alfons

Echt tierisch: "Mode ist für Menschen da"

Donnerstag, 29. Oktober 2015
Was die Menschen für sich als "Mode" bezeichnen, nennen sie bei Affen den "Nachahmungstrieb". Womit Darwins Abstammungslehre bestätigt wird!
Immer wieder stößt der Spießer auf Werbeaussagen, die einfach umwerfend sind. Und zutreffend. Zum Beispiel, was der Modehersteller Adler bekündet und also lautend: "Mode ist für Menschen da" - siehe die Abbildung!
Und Wasser ist zum Waschen da!
© HORIZONT
Und Wasser ist zum Waschen da!
Donni, donni aber auch, wer hätte das vorher gewusst: "Mode ist für Menschen da"! Wenn der Konsument tatsächlich über diese Werbeaussage nachdenkt, dann muss er das einfach abnicken. Denn bei Tieren, wie zum Beispiel den Affen, spricht man nicht von Mode, sondern vom Nachahmungstrieb. Allerdings gibt es auch Mode für Tiere wie beispielsweise die affige Bekleidung für Modehunde. Diese wird allerdings ausschließlich von Zweibeinern gekauft.


Das Besondere bei Adler ist, dass die Mode dort bis Größe 50 angeboten wird. Aber genau diesen USP zeigt der Klamottenhändler nicht in seiner Anzeige, wo die abgebildeten Modelle eher bei Größe 38 liegen als bei 48, wenn Ihr Euch die Protagonistinnen in der abgebildeten Annonce einmal anschauen wollt!

"Mode ist für Menschen da." Werbung übrigens auch und selbst dann, wenn der Inhalt tierisch ist.


Und dann ist da noch eine weitere Mode-Anzeige, und zwar von Birkenstock. Wir sehen hier eine junge Frau mit modischer Schlumpf-Mütze. Diese Mütze gibt es aber nicht von Birkenstock, sondern von dort kommen die Stiefel der Frau "mit dem Original Birkenstock Fußbett".
Birkenstock im vergammelten Ambiente!
© HORIZONT
Birkenstock im vergammelten Ambiente!
Was den Spießer nachdenklich macht: Die Werbeagentur hat für das Shooting eine Location ausgesucht, die von der Armut ihrer Bewohner zeugt, wenn wir die Wand und die Tür dort betrachten. Das soll offenbar die Gefühlswelt der Birkenstock-Zielgruppe sein.

Und während die zerschlissenen Jeans der Frau zur zeitlosen Mode, bzw. zum Nachahmungstrieb gehören, ist der Spießer verwundert, dass die Schuhe wie neu ausschauen! Keine abgewetzte Stelle, kein Loch oder wenigstens etwas Dreck auf dem Leder!

Solche Schuhe passen nun wahrlich nicht in das gezeigte Birkenstock-Ambiente, genauso wenig wie das Make-up der Protagonistin!

Die dritte Mode-Anzeige wurde aufgegeben von Duette. Was Duette ist? Es ist "Das Original Wabenplissee". Und dieses ist nicht nur "doppelt", sondern "schützt" auch und ist "schöner". Darum freut sich die Frau im Bilde auch über ihren Duette-Pulli aus Wabenplissee, passend zum Pliccee-Rock.
Nicht nur Plissee-Rock, sondern auch - Pulli?
© HORIZONT
Nicht nur Plissee-Rock, sondern auch - Pulli?
Was der Spießer allerdings nicht kapiert, das ist die Darstellung eines Zahnprothesen-Modells rechts im Anzeigenbild.

Die Firma Meier-Brakenberg wirbt in einer Fachzeitschrift mit der Überschrift: "Rosas letzter Gang". Was beim unbefangenen Leser die Frage aufkommen lässt: Wer ist diese Rosa?

Ist Rosa vielleicht der Mann im roten Overall, der lieber eine Frau wäre, nämlich Rosa? Aber warum ist dieses dann sein letzter Gang, wurde er vielleicht gekündigt?
Wer vermutet, dass Rosa der Mann in Rot ist, der vermutet verkehrt, denn der Mann heißt gar nicht Rosa sondern er ist nur der Kadaver-Transporteur, der Rosa auf ihrem letzten Gang begleitet!
© HORIZONT
Wer vermutet, dass Rosa der Mann in Rot ist, der vermutet verkehrt, denn der Mann heißt gar nicht Rosa sondern er ist nur der Kadaver-Transporteur, der Rosa auf ihrem letzten Gang begleitet!
Natürlich kann es sich bei besagter Rosa auch um die verstorbene Hündin von Wolfgang Meier handeln, den Geschäftsführer der Firma Meier-Brakenberg. Und mit dem abgebildeten Fahrzeug wurde der Kadaver zum Tierfriedhof gefahren, weil man hierzulande keine Hunde isst wie zum Beispiel in Asien.

Scherz beiseite! Selbstverständlich weiß jeder Schweinepriester, dass es sich bei Rosa um eine Sau handeln soll. Die ist gestorben, und zwar eines natürlichen Todes durch ein Bolzenschussgerät. Und mit dem Fahrzeug, das den Markennamen "Porky’s Pick Up" trägt und "höchsten Komfort" für Rosa bietet, wurde durch "einfache Aufnahme des Tieres ohne Anstrengung" ein "kraftsparender, hygienischer Transport" erledigt, der eine "Erholung für den Rücken" ist.

Ruhe sanft, Rosa, die Du Deinen letzten Gang auf dem Rücken von "Porky’s Pick Up" angetreten hast! Und dem Firmenchef Meier wünscht der Spießer einen ganz besonders langen Gang aufs Firmen-Klo!

Sie muten wundersam an, die beiden Anzeigen mit der englischen Überschrift: "We believe in Design" – wenn Ihr Euch die blau-roten Darstellungen mal anschauen wollt, die in derselben Ausgabe eines Magazins erschienen sind!
Anbetung des Stuhles wegen Preisgestaltung?
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Anbetung des Stuhles wegen Preisgestaltung?
Der Herr links, der einen Plastikschemel anbetet, ist Oliver Elsner-Schmidt, Interior Designer Leptien 3 in Frankfurt am Main oder an der Oder. Was offenbar bedeutet, dass dieser Stuhl nicht nur mehrwertsteuerpflichtig ist, sondern auch der Kirchensteuer unterliegt. Und die Dame in der rechten Anzeige, die mit Stoffen schmust, ist Catherine Ramisch, Interior Designer Pesch in Köln am Rhein.

Irgendwie scheinen die beiden Werbefiguren einen Sprung im Design zu haben, denn die Anbetung eines Schemels und die gezeigte Liebe zu Stoffballen zeugt von Porzellan-Defizit.
Schmusen mit Stoff wegen Single-Dasein?
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Schmusen mit Stoff wegen Single-Dasein?
Und noch etwas: Gibt es auch einen Designer, der nicht an Design glaubt? Mehr noch: Gibt es in einem Möbelladen überhaupt ein Produkt, das kein Design hat? Nein, natürlich nicht. Es ist also absoluter Unfug, von Designer-Produkten zu reden, nur weil man die dann höher im Preis auszeichnet.
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