Anzeigen-Tool

Warum Snapchat mit dem Snap Publisher zum Gegenschlag ausholen könnte

Mittwoch, 26. Juli 2017
Der Hype um Snapchat ist in den vergangenen Wochen abgeflaut. Doch mit dem Launch des neues Advertiser-Tools Snap Publisher könnte sich das Unternehmen wieder stärker in den Köpfen der Marketer verankern, meint Sascha Klein, Director Content Marketing & Social Media bei Leo Burnett Deutschland. In seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online erklärt er, warum Snapchat sich auch langfristig auf der Social-Media-Landkarte in Deutschland verankern wird.

Facebook hat es getan - und das auf einem sehr beeindruckenden Niveau: Die Zuckerberg-Plattform konnte den Hype um Snapchat im deutschen Marketing-Universum minimieren, wenn nicht sogar stoppen: In guter alter Copycat-Marnier wurden Kern-Funktionalitäten in die eigene Umgebung implementiert und stellenweise noch ein wenig verbessert. Der Börsengang von Snap Inc. traf ebenfalls nicht die Erwartungen. Die Folge: Marketer stellen Snapchat derzeit auf den Prüfstand und hinterfragen sowohl die Rolle als auch die Perspektive des Kanals.


Schaut man jedoch auf die Historie der hiesigen Mitbewerber, so war der Gang an die Börse für die meisten Social-Media-Plattformen kein einfacher. Die Erwartungen zum Start wurden oft nicht der tatsächlichen Performance gerecht. Selbst Facebook hatte beim Börsengang damit zu kämpfen, in Ansätzen entmystifiziert zu werden. Prüft man den Verlauf des Aktienindex’ eben dieser Plattform, ist ein Aufwärtstrend immer dann zu erkennen, wenn Plattformen ihre Media-Möglichkeiten ausweiten. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Snapchat aka Snap Inc. nachzieht oder sogar zum Gegenschlag ausholt.

Nachdem Snap Ads (Video-Ads zwischen Stories, Deep-Linking & Autofill Ads) bereits Anfang Juni vorgestellt wurden, rollt nun ein weiteres Feature für Advertiser aus, der Snap Publisher.  Der Publisher ist eine neue Funktionalität des Snapchat Ad Managers und bündelt die Erstellung, Veröffentlichung und Verwaltung von Werbemitteln über ein Tool. Dabei können horizontale Videos in ein vertikales Format konvertiert, sowie Elemente wie Schrift, Bild oder Animationen in das Werbemittel integriert werden. Zusätzlich kann man über den Manager auch externe Links in Werbemittel implementieren. Sehr hilfreich sind dabei die Vorschläge des Publishers in Form von Vorlagen, die auf Learnings der Plattform basieren.

Trotz allem behält sich Snap jedoch vor, die Werbemittel vor der Veröffentlichung qualitativ zu prüfen, denn die Snap Ads werden in einem Auktionsverfahren angeboten. Schlechte Performance führt zu höheren Auktionspreisen für Marketer. Demnach haben plattformgerechtere, relevantere Werbemittel mit besserer Performance auch eine bessere Chance auf geringere Spendings.

Es bleibt spannend, wie sich Snapchat / Snap Inc. in den kommenden Wochen und Monaten auch für Werbetreibende entwickeln wird. Die Werbemöglichkeiten öffnen zumindest einige Türen, um in den Köpfen der Marketer wieder präsenter zu sein. Denn die Eigenschaften der Plattform sind nach wie vor unique: hohe Authentizität, eine junge, werberelevante Zielgruppe, die man auf anderen Plattformen schwieriger erreicht sowie ein hoher Grad an aktiven Nutzern. Wenn sich zu eben diesen Eigenschaften noch passende Media-Möglichkeiten gesellen und die Innovationslust der Plattform für beispielsweise Wearables oder auch Funktionalitäten wie Maps nicht abbricht, bin ich mir sicher, dass sich Snapchat auch langfristig auf der Social-Media-Landkarte in Deutschland verankern wird, denn im Grunde hat man jetzt erst richtig begonnen.

Marketer sollten jetzt umdenken: Weg von einer Plattformdiskussion, bei der jede einzelne ihre eigenständige Daseinsberechtigung in verschiedenen Settings besitzt ­– hin zum Vergleich der mobilen Mediennutzung gegenüber den klassischen Medien. Denn obwohl man sich in deutschen Marketing-Abteilungen bewusst ist, dass mobile Plattformen im Marketing-Mix eine immer wichtigere Rolle spielen, fällt auf eben diese Sparte nur ein geringer Anteil der Werbespendings ab. Diese Verteilung wird sich verändern, sobald die Umsetzungsqualität steigt. Davon werden vor allem mobile Plattformen profitieren. Und dazu gehören eben Facebook und auch Snapchat.

stats