Runtastic-Kauf

Drei Gründe, warum Adidas ein gutes Geschäft macht

Donnerstag, 06. August 2015
220 Millionen Euro legt Adidas für die Fitness-App Runtastic auf den Tisch. Viel Geld aus Sicht der Sportartiklers, der soeben 3,9 Milliarden Euro Umsatz und 146 Millionen Euro Gewinn für das 2. Quartal 2015 gemeldet hat. Auch, wenn der Einstieg in diesen Markt recht spät erfolgt: Adidas gibt Geld aus, das gut angelegt sein dürfte. Drei Gründe sprechen dafür.

1. Adidas schließt zum Wettbewerb auf

Eines der größten Probleme von Adidas war zuletzt, dass sich die Konkurrenz - außer im Fußball-Geschäft - deutlich dynamischer zeigte. Nike ist im gesamten Sportartikelmarkt weit enteilt, und zumindest in den USA ist inzwischen auch Under Armour an den Deutschen vorbeigezogen. Die US-Marke schickt sich derzeit dazu an, Adidas auch im Heimatmarkt anzugreifen.


Der Digital-Bereich machte da keine Ausnahme: Bei Fitness-Apps bestimmt Nike bereits seit Jahren das Tempo. Die auf Läufer ausgerichtete Community Nike+ und auch das selbst für Sport-Muffel geeignete Nike Fuelband waren ihrerzeit viel beachtete Innovationen. Apple, über sein iPhone ohnehin schon fester Teil im Leben von Millionen Smartphone-Nutzern, bietet seinen Kunden seit dem Update auf iOS 8 ebenfalls die Möglichkeit, viele Vitalfunktionen per App zu überwachen. Und auch Under Armour hat die Zeichen der Zeit erkannt und im Frühjahr 2015 die weltweit von 65 Millionen Nutzern verwendete App My Fitness Pal seinem Connected Fitness Programm einverleibt.

2. Sport wird immer digitaler

Genauso wie Schweiß, blaue Flecken und Blasen an den Füßen gehören iPhone und Fitness-Tracker mittlerweile zum Sport dazu. Doch was wie eine Binsenweisheit klingt, ist selbst für global agierende Unternehmen eine knifflige Herausforderung: Wie gelingt es, für die sportlichen Aktivitäten der Konsumenten eine digitale Heimat zu schaffen, die sie gezielt von selbst ansteuern? Noch einmal: Hier ist Nike mit seinem Fuelband bereits vor einigen Jahren in neue Dimensionen vorgestoßen. Doch der Markt für digitale Sportprogramme ist nach wie vor da - und er ist groß. 70 Millionen Runtastic-Nutzer sind der beste Beweis.

Adidas betrieb mit dem Boost-Programm bereits eine Community, die durch Runtastic eine attraktive Ergänzung erfahren dürfte. Die App vereinigt den ganz persönlichen Nutzen mit der Möglichkeit, sich mit anderen zu messen. Wer selber aktiv Sport treibt weiß: Der Community-Gedanke ist dabei ein nicht zu unterschätzendes Moment. Man vergleicht sich, man misst sich, man feuert sich gegenseitig an. Wer's nicht glaubt, muss nur einmal (besonders nach Feierabend!) den Hashtag #Runtastic auf Twitter eingeben.


Und das ist noch nicht alles. Runtastic denkt digitalen Sport bereits weiter: Auf der Consumer Electronics Messe in Las Vegas stellten die Österreicher in diesem Jahr einer Erweiterung für die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift vor, die dem Anwender etwa beim Indoor-Sport unterstützen könnte. Im Hardware-Bereich ist das Unternehmen bereits mit dem Armband Orbit vertreten. Adidas, das mit dem Fitness-Arbeit Micoach ebenfalls bereits ein Wearable anbietet, dürfte durch den Runtastic-Kauf also nicht nur in Sachen Kundenbindung und -aktivierung profitieren, sondern auch beim Vertrieb neuer Produkte.

3. Adidas ist die bessere Heimat für Runtastic

Nichts gegen Springer. Die Berliner haben ein sehr gutes Händchen bewiesen, als sie Runtastic im Oktober 2013 übernahmen. Damals war das Unternehmen gerade einmal 22 Millionen Euro wert. Nun verkauft Springer seine Anteile für das Zehnfache.

Aber Weitblick reicht nicht, um eine Fitness-App ihr volles Potenzial ausschöpfen zu lassen. Sie muss auch irgendwie zum Kerngeschäft des Betreibers passen. Das war bei Springer, das seine Bindung an den (digitalen) Journalismus stets betont, nie der Fall. Seien wir ehrlich: Eine Sport-Community braucht ein dezidiert als Sport-Marke wahrgenommenes Dach, um auch bei den Nutzern Vertrauen hinzuzugewinnen. Schuhe, Kleidung und Fußbälle gewinnen Attraktivität, sobald Adidas draufsteht. Dasselbe könnte bei Runtastic passieren.

Vor allem bei der Internationalisierung - die Runtastic unter Adidas sicher angehen dürfte und auch muss - wird der Markenname des neuen Besitzers hilfreich sein. Dann könnte Runtastic auch weiter kräftig im Wert steigen - so wie in den vergangenen zwei Jahren. ire
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