Purer Luxus

Warum der WM-Pokal exklusiv in Louis Vuitton reist

Freitag, 11. Juli 2014
Jetzt mal ehrlich: WM-Pokal müsste man sein! Vor dem Turnier wäre man in der ganzen Welt herumgekommen, in 267 Tagen durch 88 Länder gereist und hätte dabei knapp 150.000 Kilometer zurückgelegt - mehr als dreimal so viel wie der Erdumfang. Klar, dass der Pokal bei dieser Hammertour nicht in der Holz-, sondern in der Luxusklasse reist. Die Fifa hat für die Strapazen einen eigenen und hochoffiziellen Premiumsponsor an Land gezogen: Louis Vuitton ist Hersteller des "Official Trophy Travel Case". HORIZONT.NET berichtet augenzwinkend vom Lotterleben des WM-Pokals.
Seit 2010 reist die Trophäe ganz offiziell in der First Class. Dass man nun auch über diese Art der Sponsorenschaft Bescheid weiß, dafür sorgt Louis Vuitton höchstselbst. Auf Seite 5 der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat das französische Luxusunternehmen gestern eine ganzseitige Anzeige geschaltet und sich das 21.750 Euro kosten lassen - zumindest ist das laut Mediadaten der aktuelle Bruttopreis für eine 1/1-Anzeige in der "FAZ". "Sieger reisen in Louis Vuitton", heißt es in der Anzeige. Ein eigener Koffer also für 6,2 Kilogramm Metall!


Keine Frage: Als Pokal hat man es auch nicht immer einfach. Spätestens nach einem Finale wird man vor allen Seiten angetatscht, befingert, ja manchmal sogar abgeknutscht. Das ist nicht jedermanns Sache. Ein Lied davon singen kann der DFB-Pokal, der schon so manches Mal in Schwierigkeiten gebracht wurde. Zum Gefahrenpotenzial gehört unter anderem die unliebsame Bekanntschaft mit dem Boden (vergleiche: Aussauer, Rudi) und ob es eine Auszeichnung ist, neben Franck Ribéry im Bett schlafen zu dürfen, sei auch einmal dahingestellt.

Die Seite 5 der "FAZ": Louis Vuitton grüßt die Sieger
Die Seite 5 der "FAZ": Louis Vuitton grüßt die Sieger
Natürlich ist es da angemessen, wenigstens den WM-Pokal zu schützen und ihm auf seinen Reisen in einer edlen Box unterzubringen. Ihm quasi ein goldenes Dach über dem Kopf zu bieten. Die deutsche Nationalmannschaft reist ja schließlich auch in Hugo Boss. Nicht zuletzt wegen des materiellen Werts, der dank der steigenden Goldpreise von Turnier zu Turnier größer wird. Aktuell ist der Cup 114.800 Euro wert, hat das Fachmedium "Goldreporter" dieser Tage ausgerechnet. Im Vergleich zur ersten Verleihung 1974 eine Versechsfachung der Materialkosten! Vom ideellen Wert natürlich ganz zu schweigen.


Übrigens schützt die braun-goldene Box, hergestellt im historischen Louis-Vuitton-Workshop in Asnières-sur-Seine, auch vor Diebstahl. Der Trophäen-Vorgänger, der Coupe Jules-Rimet, wurde - nachdem er nach dem dritten WM-Titel 1970 in den Besitz des brasilianischen Fußballverbandes übergegangen war - vor rund 30 Jahren gestohlen und gilt seitdem als verschollen. Der aktuelle Cup bleibt deshalb stets in der Obhut der Fifa, der Siegerverband erhält lediglich eine Kopie.

Das Original bekommt seinen großen Auftritt dann am Sonntag in Rio de Janeiro, wo er nach Abpfiff entweder in die Hände von Philipp Lahm oder von Lionel Messi wandern wird. Bei allem Respekt vor den beiden Kapitänen, vor dem Spiel wird die Trophäe noch eine ganz andere Bekanntschaft machen. Nämlich mit seiner Präsentatorin Giselle Bündchen. Das deutsch-brasilianische Topmodel, gleichzeitig Werbebotschafterin von Louis Vuitton, ist also sozusagen das "+1" des goldenen Hauptdarstellers. Ach ja, WM-Pokal müsste man sein ... fam
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