Politik und Social Media

Die fünf größten Fehler deutscher Politiker auf Instagram

Mittwoch, 02. August 2017
Politiker und Social Media: Das bedeutet üblicherweise erstmal Twitter und Facebook. Aber ausgerechnet Instagram, eine der beliebtesten und wachstumsstärksten Social-Plattformen, wird von Deutschlands Spitzenpolitikern sträflich vernachlässigt. Mit teilweise unbeholfenen Auftritten vergeuden sie dort ein enormes und vor allem junges Wählerpotenzial, meint David Eicher, Geschäftsführer von Territory Webguerillas, in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online.

Zu den unwidersprochenen Binsenweisheiten gehört: Der diesjährige Wahlkampf wird digital wie nie und digitale Kompetenz – insbesondere im Social Web – gehört zu den absoluten Must-haves dieser Tage. Die Realität auf den Social-Media-Plattformen zeichnet jedoch ein anderes Bild: Insbesondere Deutschlands Spitzenpolitiker tun sich mit ihrem eigenen Appell nach Veränderung selbst schwer. Und hiermit meine ich weniger einzelne Entgleisungen wie etwa die von CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der denjenigen, die sich mit drei Minijobs über Wasser halten müssen, per Tweet empfiehlt, doch mal was Ordentliches zu lernen.


5. "Bilder reichen doch schon": Bewegtbild völlig ignorieren

Bilder über Bilder – und die noch in möglichst staatsmännischer Pose: so lautet scheinbar die einheitliche Strategie deutscher Politiker. Videos oder gar GIFs einbinden? Fast undenkbar! Ist ja schon genug Aufwand, ein hübsches Bild zu produzieren und dazu noch diese ganzen Hashtags! Betrachtet man aber die Accounts der Politiker hierzulande, drängt sich der Wunsch nach etwas Bewegtbild-Content aber geradezu auf. So zeigt die Bundeskanzlerin zum Beispiel mit der früheren Ingenieurin Maren Heinzerling, wie sich die Zentrifugalkraft auswirkt – als Standbild. Nein, das ist kein Witz. Natürlich sieht das nett aus – deutlich eindrucksvoller wäre aber nun mal ein kurzes Video gewesen.
„Logisch, dass der mächtigsten Frau der Welt die Zeit fehlt, mit dem Selfie-Stick ihr Leben zu dokumentieren. Aber es ein bisschen mehr Menscheln lassen und weniger Staatstragendes würde der Präsenz schon sehr gut tun.“
David Eicher, Territory Webguerillas
Auch die bei den Instagram-Nutzern so beliebte Story-Funktion kommt bei Politikern kaum zum Einsatz. Außer mal wieder bei Christian Lindner. Er ist ja sowieso auf Instagram sehr aktiv. Aber er ging sogar noch einen Schritt weiter: Auf einem eigens eingerichteten Account (@CL24seven) bekamen seine Follower mit zahlreichen Posts und einer eigenen Instagram-Story Einblicke in seinen Arbeitsalltag. Sozusagen 24 Stunden im Leben eines Christian Lindner. Ein Format, das man so sonst nur vom Privatfernsehen kennt! Und das bestimmt auch nicht zu jedem Politiker passt.

Trotzdem: Lindners Social-Media-Engagement und Posts sind ein Spiegel der FDP-Leitlinie. Schließlich stehen die Freien Demokraten wie keine andere Partei für die Digitalisierung. Für diesen Zweck ist Instagram also perfekt. Besonders die Instagram-Stories sind ein ideales Mittel, um die Follower einfach mal kurz hinter die Kulissen blicken lassen. Noch dazu werden sie auf der Explore-Seite angezeigt und sorgen im besten Fall dann auch noch für deutlich mehr Reichweite.

Fazit:

Natürlich kann auch die Ablehnung sozialer Medien authentisch sein. Allerdings ist diese "Social Abstinence" gerade für Menschen, die derart in der Öffentlichkeit stehen wie Politiker und entsprechend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung Bürgernähe zeigen müssen, eher kontraproduktiv. Auch wenn Dialoge im Social Web nicht immer sachlich und "politisch-genehm" verlaufen, sollten Politiker keine Angst haben, den Schritt hierhin zu wagen.

Noch dazu sollten sie soziale Medien als Chance verstehen, sich auch mal von ihrer menschlichen Seite zu zeigen. Das bedeutet nicht, ständig allzu private Einblicke in sein Leben zu gewähren, Kind und Kegel vor die Kamera zu zerren und den ganzen Tag per Selfie zu dokumentieren, sondern vielmehr sein Thema und seinen eigenen Content-Stil zu finden.

Was ich hiermit meine: Manchmal ist es gut so, sich als Person etwas zurückzunehmen, die Community nicht ständig mit digitalen Selbstportraits zu langweilen. Stattdessen einfach nur zu zeigen, wofür man sich als Mensch begeistert oder über Themen zu sprechen, die nicht im Wahlprogramm stehen, einem aber persönlich sehr wichtig sind. Denn gerade dieser Stilbruch zum sonst zurückhaltenden Auftreten in der Offline-Welt macht den Menschen hinter dem Parteivertreter sympathisch und nahbar.

Und natürlich besonders wichtig: Auch Politiker dürfen, nein, sie müssen sich treu bleiben. Der Community nicht einfältig nach dem Mund reden, für die eigene Meinung stehen, eben Haltung zeigen. Denn jeder Politiker braucht heutzutage mehr denn je Ecken und Kanten. Im Übrigen unterscheiden sie sich da nicht von Marken.



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