Pokémon Go

Warum das Nintendo-Game die Werbung verändern wird

Mittwoch, 13. Juli 2016
Der Hype um Pokémon Go ist erstaunlich. Die ganze Welt redet von Nintendos erstem Smartphone-Spiel. Doch was ist das Erfolgsgeheimnis von Pokémon Go? Frank Behrendt, Senior Advisor bei Fischer Appelt, hat das neue Kult-Spiel mit seinem Neffen und dessen Austauschschüler aus USA gespielt und hatte Spaß!

Eigentlich müssten die Eltern der Welt dem Entwickler-Genie John Hanke ein Denkmal setzen: Er bringt die zuvor an der Konsole im miefigen Jugendzimmer herumdaddelnden  Kids wieder dahin, wo Eltern sie am liebsten haben wollen: Nach draußen.



Der Mann hinter der US-Entwicklerschmiede Niantic Labs hat für den Suchmaschinengiganten Google auf dem Feld der digitalen Geografie schon Meilensteine gesetzt, indem er Earth und Maps ersann. Jetzt also Pokémon Go. Nun sind die Comic Kreaturen nicht neu, schon die Vorgänger der heutigen Spiele-Generation kannten sie - zunächst allerdings weniger digital. Auf den Schulhöfen der Welt waren die Sammelkarten im Einsatz, an Glurak, das Lieblings-Pokémon meiner großen Tochter, erinnere ich mich heute noch. Und der alte Bekannte ist auch jetzt wieder dabei.

Die kleinen Taschenmonster sind allerdings jetzt auf dem Smartphone unterwegs und sorgen für einen globalen Hype. Die Aktie des Computerspiele-Anbieters Nintendo schoss um sagenhafte 60 Prozent in die Höhe, weil das Spiel so oft heruntergeladen wird, dass es Serverprobleme gibt. Was fasziniert so an Pokémon Go? Es ist die Vermischung von Fiktion und Realität. Gejagt werden digitale Bösewichte nicht mehr nur daheim in einem geschlossenen am Computer erzeugten Raum, sondern die echte Umgebung der City wird mit einbezogen. Kamera und Augmented-Reality-Feature machen es möglich. Und so traf ich am Kölner Dom Kids, die mit gezücktem Smartphone auf der Domplatte herumstolperten, um einen aufs Display produzierten Fiesling - der sich im realen Schatten des Kölschen Wahrzeichens versteckt hatte - einzufangen. Ältere Passanten zuckten irritiert zusammen, als die Jugendlichen kollektiv laut aufkreischten, als sie einen Habitak oder Ratzfatz eingefangen hatten. Ein weiterer Reiz für die Spielgemeinde: Man trifft Spielpartner nicht nur digital, sondern auch real. Die gute alte Schnitzeljagd lässt grüßen.


Eines ist klar: Die Art des Spiels ermöglicht dem Anbieter eine detaillierte Datensammlung, denn wer mit dem Smartphone Pokebälle in Serie rund um seinen Aufenthaltsort wirft, der hinterlässt eindeutige Spuren. Und deshalb warnen auch bereits die Datenschützer. Den Erfolg des Spiels werden sie nicht aufhalten. Und auch nicht die weitere Entwicklung. Denn es ist offensichtlich, dass die Schöpfung von Digital-Superhirn Hanke der Werbung neuen Typs ungeahnte Möglichkeiten bietet. Zum Beispiel wenn sich etwa Schiggy in einem bestimmten Schnellrestaurant versteckt. Datenschutzprobleme, neue hinterlistige Werbung? Die Diskussionen darüber werden zunehmen und wir werden sie führen müssen.

Aber wo Risiken sind, gibt es immer auch Chancen: Diese Art von Spiel bietet schließlich auch die Perspektive, die computerspielende Stubenhockergeneration 4.0 wieder an die Kultur heranzuführen. Denn wenn sich ein Alpollo im Louvre versteckt, kann man die Pracht dieses Bauwerkes nach erfolgreicher Jagd auch ganz real erkunden. Ich habe Pokémon Go gestern mit meinem Teenie-Neffen und seinem Gast-Austauschschüler aus USA gespielt. Er hatte das Spiel in der Heimat schon ganz legal erworben, bei uns kommt es erst noch offiziell auf den Markt. Das Spielen hat wirklich Spaß gemacht. Im Anschluss habe ich mit den Jungs im Café Reichard am Dom Eis gegessen. Ganz in Ruhe, denn dort hatte sich ausnahmsweise gerade kein Pokémon verschanzt.

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