Philips

Jürgen Klopp und die merkwürdig einschläfernde Kabinenansprache

Donnerstag, 08. Oktober 2015
Jürgen Klopp ist dieser Tage mal wieder in aller Munde. Der Grund: Der im Sommer von Borussia Dortmund geschiedene Fußballtrainer steht laut Medienberichten kurz vor einem Engagement beim englischen Traditionsklub FC Liverpool. In den deutschen Werbeblöcken ist der 48-Jährige aufgrund seiner Testimonial-Engagements ohnehin weiter präsent. Der jüngste Auftritt von Klopp für die Rasierer von Philips ist allerdings ziemlich daneben gegangen.
In dieser Woche hat die Elektronikmarke eine neue Online-Kampagne gestartet, in der der prominente Markenbotschafter mal wieder die Hauptrolle spielt. Klopp soll dabei in einem mehrstuftigen Auftritt die Rasierer der 5000er und 7000er Serie von Philips bewerben. Und die verantwortliche Kreativagentur Since Today aus Wien hat sich dazu ein Setting ausgedacht, das der Trainer nicht nur gut kennt, sondern auch am liebsten hat: Der Spot spielt in der Mannschaftskabine eines Fußballstadions und "Kloppo" hält eine Ansprache an sein Team. So weit, so gut.


Doch das Problem ist, dass die 35 Sekunden nicht halten können, was die Überschrift des Clips "Jürgen Klopp wieder voll in seinem Element" verspricht. Denn der Meistercoach setzt zwar tatsächlich zur Kabinenansprache vor fünf merkwürdig altmodisch gekleideten "Sportlern" an und versucht ihnen zu erklären, was den Faktor Erfolg ausmacht. Allerdings ist sein Vortrag im schlabberigen roten Trainingsanzug viel eher einschläfernd, als motivierend - und passt damit so gar nicht zu dem Bild, das der gemeine Deutsche von Klopp im Sinn hat.
Hinzu kommt, dass die lieblos aufgesagten Plattitüden in ihrer Doppeldeutigkeit ("Erfolg kommt, wenn man seinen Stil gefunden hat und seiner Linie konsequent treu bleibt") so vorhersehbar sind, dass der Zuschauer schon nach Sekunden weiß, worauf der Spot hinausläuft. Und siehe da: Nachdem die Mannschaft artig den Ausführungen des Protagonisten gelauscht hat, verschwindet sie im Waschraum, greift geschlossen zum Rasierapparat und wird von Klopp mit den lobenden Worten "Jungs, geht doch" bedacht.

Philips und Since Today haben bei der Entwicklung des Online-Commercials vor allem eines versäumt: Wie kein anderer deutscher Trainer steht Klopp für Leidenschaft und emotionale Ausbrüche, die auch ein nicht unwesentlicher Teil seines Coachings und im Umgang mit der Mannschaft gewesen sein dürften. Warum bildet der Spot diese authentische Seite von Klopp dann nicht ab - wenn man sich doch schon im passenden Setting befindet? Und so bleibt der Eindruck, dass Philips seinen Protagonisten hier eher so inszeniert, wie er eben nicht ist. Es wird Zeit, dass man "Kloppo" mal wieder an der Seitenlinie sieht - oder zumindest solche schauspielerischen Glanzleistungen, wie er sie einst improvisiert bei "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" zeigte. tt

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