"Nonstop Streiks"

Warum Ryanair mit dem Lufthansa-Bashing ein Eigentor schießt

Montag, 09. November 2015
Ryanair will offenbar das neue Sixt werden: Nach dem VW-Skandal nimmt die Billig-Airline nun auch den Streik der Lufthansa-Flugbegleiter auf die Schippe. Auf seiner deutschen Facebook-Seite postete das Unternehmen drei Motive in Lufthansa-Optik, die mit dem Slogan "Nonstop You" spielen - und Ryanair gleichzeitig als billige Alternative empfehlen.
Knapp 1000 Lufthansa-Flüge fallen am Montag aus, weil die in der Gewerkschaft UFO organisierten Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen in den Tarifverhandlungen mit ihrem Arbeitgeber ein Zeichen setzen wollen. Strittig in der nun schon seit etwa 2 Jahren schwelenden Auseinandersetzung sind die komplexen Regelungen zu Betriebs- und Übergangsrenten von rund 19.000 Beschäftigten. Auch am Dienstag soll der Streik forgesetzt werden.


Ryanair nimmt das zum Anlass, um Werbung in eigener Sache zu machen - und der Lufthansa dabei ordentlich einen mitzugeben. Die bei Facebook geposteten Motive sollen entnervte Reisende zeigen, das eingefügte Logo "Nonstop Streiks" ist stark an das "Nonstop You"-Badge der Lufthansa angelehnt. Da es sich um den 14. Streik bei Deutschlands größter Airline in den vergangenen 20 Monaten handelt, gebe es nun 14 gute Gründe, mit Ryanair zu fliegen, legen die Motive nahe.

Ryanair: So macht sich der Billigflieger über die Lufthansa lustig


In der Tat muss die Lufthansa Ryanair fürchten. In diesem Jahr wird die irische Fluglinie ihre Passagierzahlen voraussichtlich auf 105 Millionen steigern. Zum Vergleich: Die Lufthansa verzeichnete im vergangenen Jahr 106 Millionen Passagiere. Auf den Preisdruck im Luftfahrtsektor und die zunehmende Konkurrenz durch Billig- und Golf-Airlines hat die Lufthansa bereits mit der Gründung der Low-Cost-Tochter Eurowings reagiert.

Umso selbstbewusster tritt Ryanair auf. Die aggressive Wachstumsstrategie der Airline geht mit einer intensivierten Marketingkommunikation einher. So leistet sich das Unternehmen mit Kenny Jacobs erstmals einen CMO - und der stimmte die deutsche Konkurrenz im HORIZONT-Interview kürzlich auf harte Zeiten ein: "Wir werden einen Preiskrieg in ganz Europa erleben und am intensivsten wird er hier in Deutschland toben", so Jacobs.


Das starke Wachstum und die Schadenfreude über den Arbeitskampf bei der Lufthansa laden zu einer selbstbewussten Kommunikation natürlich geradezu ein. Die Kampagne verliert allerdings ein wenig von ihrer Durchschlagskraft, wenn man sich die Situation der Teilhabe bei Ryanair ansieht: CEO Michael O'Leary ist kein Freund von Gewerkschaften. Erst kürzlich behauptete er, Arbeitnehmervertretungen seien nicht im Interesse der Belegschaft. Zwar gibt es eine Vereinigung namens Ryanair Pilot Group, die eigenen Angaben zufolge etwa 50 Prozent der Ryanair-Piloten vertritt - von O'Leary werden sie jedoch nicht akzeptiert. Und während die Lufthansa häufig mit ihren Piloten über Betriebsrenten streitet, sind viele Ryanair-Piloten noch nicht einmal bei dem Unternehmen angestellt, sondern werden von Personaldienstleistern beschäftigt.

Und so ist die Frage, ob Ryanair überhaupt berechtigt ist, sich über den schwerfälligen Konkurrenten zu erheben. Dort gibt es immerhin eine Arbeitnehmervertretung, die den Namen verdient. ire
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