Mobilcom-Debitel

Werbung am Rande des Hörsturzes

Mittwoch, 25. November 2015
Spätestens mit der Beerdigung des legendären Zalando-Schreis Anfang 2014 hätte eigentlich klar sein müssen: Die Verbraucher finden es inzwischen ziemlich uncool, von Werbungtreibenden angebrüllt zu werden. Mobilcom-Debitel tut es trotzdem - und hat dafür sogar eigens ein Murmeltier "verpflichtet". Dabei herausgekommen ist ein Werbespot, den man nur als noch nie dagewesene Attacke auf die Ohren der Zuhörer bezeichnen kann.
Der von Grabarz & Partner entwickelte Werbespot für Mobilcom-Debitel basiert auf einem Youtube-Video, dessen Held - wie könnte es auch anders sein - ein Tier, genauer gesagt ein Murmeltier ist. Dass es der 12 Sekunden lange Clip auf der Google-Plattform inzwischen auf 31.000 Klicks gebracht hat, liegt daran, dass das Murmeltier tatsächlich einen Schrei ausstößt - wobei der Ton natürlich nachbearbeitet wurde.


Aus dieser ohne Zweifel lustigen Szene will Mobilcom-Debitel nun seinen eigenen Viralhit kreieren. Das Murmeltier, das es mit seinem beeindruckenden Schrei nun auch in den 24-sekündigen Online-Spot der Freenet-Tochter geschafft hat, sei "ein weltweit bekannter Star, der perfekt zu unserer Marke passt – sozusagen das Murmeltier mit der höchsten Digitalkompetenz“, lässt sich Marketingchefin Kerstin Köder in einer wohl nicht ganz ernst gemeinten Pressemitteilung zitieren, in der sogar das Murmeltier zu Wort kommt („Die Geschichte des Spots hat mich auf Anhieb begeistert.")

Ob die in vielen Fällen erfolgversprechende Strategie, Social-Media-Hypes für Werbung in eigener Sache zu nutzen, in diesem Fall aufgeht, darf aber bezweifelt werden. Und zwar schon deshalb, weil 31.000 Klicks auf Youtube noch lange kein Hype sind. Noch wichtiger aber ist: Der Spot von Mobilcom-Debitel ist vielleicht beim ersten Mal amüsant - zumindest die ersten Sekunden. Ein zweites oder drittes Mal wird sich das aber niemand antun wollen. Und dass ein solcher Spot auch nur im Ansatz eine Marken- oder Produktbotschaft nachhaltig transportieren kann, ist fast undenkbar, geht sie im Gebrüll doch zwangsläufig unter.


Fest steht, dass der 
Werbespot für Mobilcom-Debitel so ziemlich das Gegenteil von dem ist, was von der Konkurrenz derzeit zu sehen ist.

Beispiel Telekom: Die Bonner geben sich seit gut einem Jahr gemeinsam mit ihrer Stammagentur DDB die größte Mühe, um ihre Content-Marketing-Offensive rund um die Familie Heins mit immer neuen Geschichten zum Fliegen zu bringen. Vor allem die gerade gestartete Weihnachtskampagne ist alles andere als aufdringlich. In dem aktuellen TV-Spot ruft der Konzern seine Kunden sogar dazu auf, die Telekom-Produkte an Weihnachten nicht zu nutzen.

Beispiel Vodafone: Der Düsseldorfer Konzern setzte mithilfe von Kai Wiesingers Websoap "Der Lack ist ab" in diesem Jahr ebenfalls auf die Kraft des Storytelling, bevor in der aktuellen, von Jung von Matt entwickelten Werbeoffensive die neue Tarifwelt Red One in den Fokus rückte.

Beispiel O2: Die Telefónica-Tochter, bei der Anfang 2016 der Wechsel von VCCP zu Kolle Rebbe ansteht, ist mit Nachdruck dabei, ihr Image als Service- und Dienstleistungsmarke auszubauen und wirbt seit Monaten mit den O2-Gurus um das Vertrauen der Verbraucher. 

Alle genannten Telko-Marken haben eines gemeinsam: Auch wenn sie natürlich ebenfalls günstige Angebotspakete schnüren - ein marktschreierisches Anpreisen von Produkten sucht man in den TV- und Onlinespots vergeblich. Was freilich nicht bedeutet, dass dies der einzig richtige Weg ist. Ob sich Mobilcom-Debitel aber mit dem schreienden Murmeltier, das auch keinerlei Bezug zur aktuellen Weihnachtskampagne mit dem Motto "Costa gans wenig" hat, einen Gefallen tut, ist äußerst unwahrscheinlich. Denn wenn beim Verbraucher etwas hängenbleibt, dann doch nur, dass bei Mobilcom-Debitel am lautesten gebrüllt wird. Im Vergleich zu den Service- und Qualitätsversprechen der Konkurrenz ist das ein schlechtes Argument. mas
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