Marco Saal
Lasziver Online-Spot

Wenn der Spargel als Phallus-Symbol versagt

Ach, du schöne Spargelzeit! Nach den strengen Wintermonaten dürfte die Mehrheit der Deutschen die wahrscheinlich noch verschnupfte Nase endgültig voll haben von Minusgraden, Eiskratzen und Sonnenentzug. Dass Unilever Food Solutions schon jetzt die Vorfreude auf die Spargelsaison schürt, ist daher sicher nicht die schlechteste Idee. Bei dem Werbespot für die Lukull Sauce Hollandaise sind den Werbeverantwortlichen aber offenbar die Gäule durchgegangen.
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Unilever Food Solutions / Lukull - Gib mir mehr Spargel

Dass die Spargelzeit gewissermaßen auch die Zeit der Frühlingsgefühle ist, wissen wir spätestens seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die Comedian Harmonists mit dem Song "Veronika, der Lenz ist da" große Erfolge feierten. Nichts Neues also. Neu ist allerdings die Art und Weise, wie Unilever Food Solutions das Thema inszeniert. Dezente erotische Anspielungen sucht man in dem plumpen Werbefilm jedenfalls vergeblich. Stattdessen setzen der Konsumgüterriese und seine Agentur Track auf eine Mixtur aus Sex-Sells-Mechanik und Holzhammer-Methode, die ihresgleichen sucht. 


Es scheint so, als hätte sich Unilever bei dem mit harten Techno-Beats unterlegten 80-Sekünder von Erotik-Startups wie Amorelie und Eis.de inspirieren lassen. Auch in den von Lukas Lindemann Rosinski (Amorelie) und Jung von Matt (Eis.de) kreierten Kampagnen wimmelt es von nackter Haut und erotischen Anspielungen. Was den Unterschied macht, ist die Markenpositionierung und die Zielgruppe. Die hippen Erotik-Startups buhlen um junge Leute, die sich von derlei sexuellen Anspielungen sicher angesprochen fühlen. 

Und Unilever? Der Konsumgüterriese will - so steht es in der Pressemitteilung und so wird auch die Mediastrategie ausgerichtet sein - mit der Kampagne vor allem Profiköche erreichen! Dabei handelt es sich bekanntlich um Menschen, die so etwas Banales wie eine Sauce Hollandaise wahrscheinlich auch nachts um zwei mit drei Promille im Blut aus dem Ärmel schütteln. Und die vor allem sich und ihren Beruf ernst nehmen. Wer so tickt, dürfte sich von dem Werbefilm, in dem die Zunft von einem notgeilen Bleichgesicht auf Ecstasy und einem tätowierten Spargeltarzan vertreten wird, alles andere als angesprochen fühlen. Mehr noch: Wer wirklich professionell kocht, dürfte sich angesichts dieser billigen Effekthascherei sogar ziemlich verarscht vorkommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass so jemand dann zu einer Fertigsauce greift, die er ohnehin schnell selbst zaubern kann, dürfte gegen Null gehen. mas

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