Ice Bucket Challenge

Warum die Kampagne Micaela Schäfer und Co nicht verdient hat

Dienstag, 26. August 2014
Auf diese Gelegenheit hat Micaela Schäfer wahrscheinlich seit Wochen gewartet. Und als sie kam, ließ sie sich nicht lange bitten. Ein Video, das Schäfer unter anderem via Facebook bekannt macht, zeigt das vollbusige Redcoon-Testimonial splitterfasernackt bei der Teilnahme an der Ice Bucket Challenge. Das Video der 30-jährigen Ex-Dschungelcamperin ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die der eigentlich gemeinnützigen Kampagne endgültig einen schalen Beigeschmack verleiht. Leider.
Dass die gemeinnützige Ice Bucket Challenge eine geniale Idee war, ist keine Frage: Die Kampagne, die auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam machen und Spenden sammeln soll, hat laut der ALS Association inzwischen fast 80 Millionen US-Dollar an Spenden eingebracht. Im Vorjahr waren lediglich 2,5 Millionen US-Dollar zusammengekommen. Damit dürfte die Ice Bucket Challenge zu den erfolgreichsten Fundraising-Kampagnen überhaupt gehören.

Doch sind all die C-Promis, die sich einen Kübel mit Eiswasser über den Kopf schütten und das nachher mit selbstgedrehten Videos auf Facebook, Youtube und Co dokumentieren, tatsächlich das, was Corey Griffin, der kürzlich auf tragische Weise verstorbene Erfinder der Ice Bucket Challenge, und die ALS Association im Sinne hatten? Ganz sicher nicht! Auch wenn die Teilnehmer bisweilen sehr kreativ waren: Bei vielen Promis, die inzwischen mitgemacht haben, hat man den Eindruck, als gehe es ihnen einzig allein darum, sich selbst zu inszenieren. Um Werbung in eigener Sache. Um die nächste Rolle. Den nächsten Werbevertrag. Micaela Schäfer ist da nur eines von vielen Beispielen. Die Auftritte von Verona Pooth und Helene Fischer (siehe Videos) sind auch nicht besser.

Dass das ganze einen sehr ernsthaften Hintergrund hat, dass es um eine ernsthafte Erkrankung geht - und vor allem darum, den Betroffenen zu helfen, geht dabei sprichwörtlich unter. Die Krankheit wird oft mit keinem Wort erwähnt. Besonders traurig ist, dass die Deutschen im Gegensatz zu den Amerikanern offenbar nicht sehr spendabel sind. Wie eine Sprecherin der Charité gegenüber HORIZONT mitteilt, sind hierzulande trotz einer Vielzahl von Spendern erst 20.000 Euro zusammengekommen. Das ist wohl nicht im Sinne der Erfinder. Also, liebe Promis: Wenn Ihr schon mitmacht, dann aber bitte die Spendierhose anziehen! mas


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