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Was das Daydream-Headset für die Zukunft von VR bedeutet

Donnerstag, 19. Mai 2016
"Noch eine VR-Brille!" werden viele gedacht haben, als Google sein Daydream-Headset auf der Entwicklerkonferenz präsentierte. Doch das neue Projekt ist mehr als nur eine schickere Version des Google Cardboard. Mit Daydream schafft Google effektiv eine Plattform, mit der weitere Smartphone-Hersteller auf den VR-Zug aufspringen können, ohne selbst in die Entwicklung und Vermarktung eines eigenen Endgeräts investieren zu müssen. Damit wird virtuelle Realität massentauglich.
Viel ist es nicht, was Google auf seiner Entwicklerkonferenz schon konkret über Daydream sagen konnte. Vom Design des Headsets gibt es nur ein paar Skizzen. Konkrete Partner aus der Smartphonebranche kann das Unternehmen ebenfalls nicht nennen und auch ein konkreter Verkaufsstart ist derzeit Theorie.


Doch entscheidend sind folgende Eckpunkte: Google definiert Benchmarks für Smartphones, ab welcher Leistung sie "Daydream ready" sind. Damit schafft der Suchmaschinenriese faktisch ein Gütesiegel für Smartphone-Hersteller und zeigt, auf welchen Endgeräten VR-Inhalte konsumiert werden können. Außerdem wird das Headset nicht auf die Modelle eines bestimmten Smartphone-Herstellers beschränkt sein.

Virtuelle Realität ist damit, anders als bei Samsungs Gear VR, nicht mehr ein modellgebundenes Zusatzangebot, sondern hat nun die Chance, sich endgültig als selbstständiger Medienkanal zu etablieren. Und letztlich bietet Daydream die erste Lösung für ein VR-Erlebnis der Mittelklasse.
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Inhalte werden auf dieser Plattform sicher nicht in der Qualität von Highend-Geräten wie Oculus Rift und HTC Vice erlebbar sein. Aber dank des Controllers wird Daydream deutlich mehr Nutzungsoptionen als beispielsweise die Samsung Gear VR bieten. Wenn Daydream wie von Google angekündigt tatsächlich 2017 marktreif ist, wird das den Zukunftsmarkt der virtuellen Realität nachhaltig verändern.

Die bisherigen Wachstumsprognosen sind obsolet

Die Trendforscher sind sich zwar durchweg einig, dass die Abverkaufszahlen für VR-Headsets rasant steigen. Aber Daydream eröffnet eine besonders lukrative neue Modellnische im Markt. Käufer wären nicht mehr auf Bewegtbild-Content oder simpel zu steuernde Spiele beschränkt, sondern könnten schon vergleichweise komplexe Angebote virtueller Realität nutzen. Und das zu einem Preis, der deutlich unter den vierstelligen Summen liegen wird, die für ein einsatzfähiges, computerbasiertes Highend-Gerät zu veranschlagen sind. Nicht zu unterschätzen ist dabei, dass bei der smartphonebasierten Lösung von Daydream der Installationsaufwand sehr überschaubar und damit besonders Anfänger-freundlich wäre.


Bei der Markteinführung dürfte helfen, dass Google als Android-Entwickler über eine erhebliche Marktmacht im Mobilkfunkgeschäft verfügt. Smartphone-Hersteller wüssten, dass alle Daydream-Entwicklungen langfristig mit dem Betriebssystem kompatibel sind. Entwickler von VR-Apps können im Google Playstore auf ein entsprechend großes Kundenpotenzial hoffen.

Ein Krieg der Appstores ist unvermeidlich

Schon jetzt zeichnet sich eine Frontstellung zwischen dem Oculus Appstore und den Angeboten von Google ab. Noch sieht keine der beiden Seiten angesichts der hohen Wachstumspotenziale im Gesamtmarkt die Notwendigkeit zum expliziten Verdrängungswettbewerb. Aber klar ist schon jetzt, dass beide Gruppen versuchen, mit exklusivem Content potenzielle Nutzer ins eigene Ökosystem zu nutzen.

Auf der einen Seite stehen Facebook als Plattform für 360-Grad-Videos, Oculus als Premium-VR-Anbieter und Samsung als Exklusivpartner für den Massenmarkt. Google kontert mit Youtube für VR- und 360-Grad-Inhalte, Cardboard als Angebot für VR-Einsteiger und Daydream für höherwertige VR-Erlebnisse. Völlig offen ist derzeit, welche Rolle die HTC Vive und die Contentplattform Steam spielen werden. Denkbar wäre, dass HTC und Steam sich als VR-Plattform für unabhängige Entwickler und Medienmarken positionieren, die sich nicht in Abhängigkeit zu Facebook oder Google begeben wollen.

Das Fenster für ein Apple-Produkt schließt sich

Der Erfolg, den Samsung aktuell mit seiner Gear VR feiert, zeigt, dass virtuelle Realität von Smartphone-Käufern als echter Unterhaltungsmehrwert empfunden wird. Mit Google Daydream wäre dieser Mehrwert künftig potenziell für jede Smartphonemarke verfügbar. Damit würde Apple ab 2017 endgültig wie der Wettbewerber aussehen, der den Schuss nicht gehört hat. Noch ist der Vorsprung der VR-Pioniere durchaus einholbar. Das Projekt Google Daydream zeigt ja nicht zuletzt, dass es im Segment der Smartphone-basierten VR-Headsets für den Massenmarkt durchaus noch Bedarf an schlauen Designlösungen gibt. Und elegantes Produktdesign mit einem Mehrwert für die Nutzer ist nach wie vor die Kernkompetenz von Apple.

Aber die Gelegenheit wird sich der Kultmarke aus Cupertino nicht unbegrenzt bieten. Zudem stellt sich im Moment eher der Eindruck ein, dass Apple das Thema VR immer noch nicht ernst nimmt. CEO Tim Cook scheint noch auch Themen wie Wearables und das geheimnisumwitterte Autoprojekt fokussiert. Mit dem Kauf des deutschen Unternehmens Metaio zeigt Apple zudem, dass es eher an Mixed-Reality-Konzepte wie Microsofts Hololens glaubt. Die Gefahr wird damit immer größer , dass die Ära der virtuellen Realität ohne Apple stattfindet. cam
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