Google Drohung

„Das Verteufeln von Interstitials betrifft die gesamte Werbeindustrie“

Montag, 15. Juni 2015
„Interstitials are bad for users.” So äußerte sich kürzlich Maile Ohye, Developer Programs Tech Lead bei Google, auf der SMX Advanced. Die großflächigen Ads, die sich über den Content einer Website legen, sind Google ein Dorn im Auge. Zukünftig sollen Websites, die Interstitials einsetzen, in der mobilen und Desktop-Suche schlechter gerankt werden. Jörg Schneider, Deutschlandchef des auf digitale Cross-Screen-Lösungen spezialisierten Onlinevermarkters Undertone, hält davon naturgemäß gar nichts. Eine dahingehende Algorithmus-Änderung würde aus seiner Sicht die ganze Werbeindustrie empfindlich treffen.

Die Ankündigung, Webseiten, mobil und stationär, aufgrund von Interstitials abzuwerten, ist ein Eingriff in die Freiheit der Publisher bei der Steuerung ihres Webauftritts. Per se zu behaupten, Interstitials seien schlecht für den User, ist einfach falsch. Publisher und Vermarkter messen und verfolgen die User-Akzeptanz von allen Werbemitteln sehr genau.

„Per se zu behaupten, Interstitials seien schlecht für den User, ist einfach falsch.“
Jörg Schneider
Das Letzte, was sie wollen, ist es, User zu vergraulen oder Reichweite durch negative Effekte einzubüßen. Die meisten Publisher lassen Interstitials oder Layer in moderaten Dosen zu. Denn: User akzeptieren die großflächigen Werbemittel, agieren sogar damit, solange sie relevant und nicht störend sind. Das beweisen zahlreiche aktuelle Werbewirksamkeitsstudien von Vermarktern und Werbeanbietern.


Entscheidend für eine positive Resonanz der User sind drei Faktoren: die zielgenaue Platzierung der Formate, also Umfeld- und User-Targeting, für Relevanz; die ansprechende Kreation des Werbemittels und die richtige Dosierung der Einblendung beispielsweise über Frequency Capping. Für alle drei Faktoren sind die Publisher, deren Vermarkter und die Mediaagenturen zuständig. Ganz sicher nicht Google.

Für die Werbungtreibenden sind Interstitials ein wichtiges Branding-Format im Display-Bereich. Interstitials bieten den größten kreativen Raum für eine multimediale Ansprache des Users. Sie garantieren Aufmerksamkeit. Sie steigern die Interaktionsrate und beeinflussen Kaufabsicht, Kaufverhalten, persönliche Empfehlungen und Social Sharing positiv. Auch das ist nachgewiesen.


Besonders im mobilen Kanal (hier will Google ja zuerst die Regelung durchsetzen), wo es neben einfacher Banner-Werbung keine standardisierten Werbeformate gibt, sind Interstitials derzeit eine der wenigen Möglichkeiten für Marken, sichtbare, interessante und interaktive Werbung zu platzieren. Damit sind sie ein wichtiger Treiber für das Wachstum von mobilen Werbespendings, worauf die Werbeindustrie schon so lange wartet. Und das Wachstum des Mobile-Advertising-Markts bedeutet wiederum vielfältigere und bessere Werbeangebote für den User.

Mit dem Verteufeln von Interstitials wäre eine ganze Industrie betroffen, die ohnehin Monetarisierungsprobleme hat. Wenn es Google tatsächlich um die Userfreundlichkeit von Websites geht, bezieht der Quasi-Monopolist alle hier genannten Faktoren mit ein? Abgesehen davon: Die reine Existenz von Interstitials sagt doch absolut gar nichts über die Qualität und Userfreundlichkeit eines Web-Auftritts aus.

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