Google

Die pragmatische Sicht der Werbungtreibenden

Freitag, 26. September 2014
Kein Tag vergeht, an dem in der Marketing- und Medienwelt nicht über Google diskutiert wird. Leise bis gar keine Töne gaben bislang die Werbungtreibenden von sich, die mit ihren drohenden Budgetshifts von Brick zu Click erst den Stein des Anstoßes darstellen. Dabei sind die Unternehmen durchaus redselig, wenn man sie denn direkt auf Google anspricht. Das Gesagte allerdings wird nicht jedem gefallen.
Erst vor drei Wochen sagte Nestlés Media- und Digitalchefin Tina Beuchler über den Argwohn gegenüber Google: "Es geht nicht ums Gefallen, sondern um die besten Ergebnisse." Ein direkter Draht der Kunden zu Google sei unerlässlich, um technische Entwicklungen zu verstehen und werblich schnell auf Veränderungen reagieren zu können. "Es gibt für uns keinen Grund, das anders zu beurteilen." Anders als wie? Rein pragmatisch.


Die Kunden begegnen Google weder emotional noch politisch, sie verfolgen einen "renditebewussten Technik-Pragmatismus", wie ihn HORIZONT-Autor Roland Pimpl auch bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann beobachtet. Noch deutlicher macht dies Thorsten Müller im aktuellen HORIZONT-Interview. "Wir suchen nach Mitteln und Wegen, die unser Business besser machen. Google und auch Facebook sind in der Lage, uns welche aufzuzeigen" – klare Worte des Mediachefs von Reckitt Benckiser, einem der Top 10 FMCG-Werber. Google und Co liefern das nötige "Rüstzeug", um Marketinginvestments zu rechtfertigen – auch intern: "Sie stellen enorme Ressourcen bereit und eignen sich ein branchenspezifisches Know-how an, das ich von vielen Vermarktern vermisse."

Solange die Kunden über den Budgeteinsatz selbst entscheiden, fühlen sie sich vom Kraken Google lediglich umarmt, nicht umschlungen. Es wird spannend zu beobachten sein, wie lange die Liebesbemühungen um die FMCG-Riesen anhalten und was aus der Liaison werden kann. Die meisten Konzerne sind noch keine Big Spender im Netz – zu groß ist der Druck aufs Geschäft, zu gut noch die Performance von TV. Aber eines ist klar: Irgendwann will Google Geld, nicht nur Fürsprecher. mh
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