Explodierende Akkus

Wie der Skandal um das Galaxy Note7 die Marke Samsung beschädigt

Montag, 12. September 2016
Innovationen und Highlight-Produkte in Rekordgeschwindigkeit - das ist verkürzt gesagt das, was Technologiemarken heute leisten müssen, um im immer härter geführten Wettstreit um Kunden und Marktanteile nicht unterzugehen. Dass selbst die ganz Großen der Branche unter dieser Last bisweilen zusammenbrechen, zeigt aktuell der Skandal um die explodierenden Akkus in Samsungs neuem Flaggschiffmodel Galaxy Note 7. Mal abgesehen davon, dass die Kosten für die Rückruf- und Umtauschaktion immens sind - der Schaden für die Marke dürfte noch weitaus schwerer wiegen.
Eigentlich hatte Samsung zuletzt Oberwasser. Im weltweiten Smartphone-Ranking des Marktforschers Gartner deklassierte der südkoreanische Konzern im 1. Quartal mit 81 Millionen verkauften Geräten seinen Intimfeind Apple (51 Millionen verkaufte iPhones) und alle weiteren Wettbewerber deutlich. Angesichts der zuletzt eher schwachen Bilanz von Apple hätte Samsung nun die einmalige Gelegenheit gehabt, dem kalifornischen iKonzern richtig weh zu tun. Immerhin wurde das Galaxy Note 7 in der von Wieden + Kennedy Portland entwickelten Kampagne und auf der Website als das erste Smartphone positioniert, das "groß denkt" und mit dem sich "Großes erreichen lässt". Doch daraus wird vorerst nichts. Denn "groß" ist nur der Scherbenhaufen, vor dem Samsung nun steht. Und Apple-Chef Tim Cook dürfte sich heimlich ins Fäustchen lachen.


Dass dies so ist, hat schlicht mit der Tragweite des aktuellen Skandals zu tun. Der Rückruf und Umtausch von 2,5 Millionen Galaxy-Note7-Geräten ist nicht nur lausig teuer (Experten beziffern die Kosten auf etwa 1,2 Milliarden Euro). Vor allem das Image der Marke, die sich auf ihrer deutschen Website als "innovativ", "zuverlässig" und "verantwortungsbewusst" beschreibt, wird massiv leiden. Wundern darf sich darüber niemand. Denn wenn bei einem 850 Euro teuren Smartphone, das die meisten Verbraucher häufig am Ohr oder zumindest am Körper haben, die Gefahr besteht, dass dieses in Flammen aufgeht oder sogar explodiert, dann ist das für eine Premium-Marke wirklich der Worst Case. Die Dauer der Umtauschaktion - Experten rechnen mit mehreren Monaten - , die öffentlichkeitswirksame Warnung der US-Luftverkehrsaufsicht FAA vor dem Galaxy Note 7 und die zahlreichen Negativschlagzeilen dürften ebenfalls dafür sorgen, dass das Vertrauen der Konsumenten in die Marke Samsung den Bach runter geht. 

Das Schlamassel mit den defekten Akkus dürfte sich nicht zuletzt auch auf die Entwicklung des Markenwerts und die Position in den einschlägigen Rankings auswirken. Im Interbrand-Ranking der "Best Global Brands", das diesen Herbst wieder erscheint, dürfte Vorjahresprimus Apple zwar ebenfalls Federn lassen. Dass Samsung, damals auf Rang 7, diesmal Boden gegenüber Apple gut macht, ist spätestens seit dem Akku-GAU mehr als unwahrscheinlich. mas
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