Galaxy S6 Kampagne von 1&1

Der peinliche Traum vom Apple-Kult

Dienstag, 10. März 2015
Die Dauerfehde zwischen Apple und Samsung hat in den vergangenen Jahren auch in der Werbung für reichlich Wirbel gesorgt. Zu den Highlights gehören sicher die Warteschlangen-Spots von Samsung, in denen sich der koreanische Elektronik-Riese immer wieder gerne über die vor Apple-Läden campierenden iPhone- und iPad-Fans lustig macht. Jetzt schaltet 1&1 einen TV-Spot für das Galaxy S6, in dem ausgerechnet eine lange Warteschlange vor einem Samsung-Shop zu sehen ist. Aus strategischer Sicht ist das denkbar unglücklich.
Man kennt die Bilder: Der Wunsch vieler Gadget-Freaks, ein neues iPhone, iPad oder bald die Apple Watch gleich am Tag des Verkausstarts in den Händen halten zu können, verwandelt Fußgängerzonen bisweilen in Campingplätze - und sorgt für lange Warteschlangen und tumultartige Szenen.

Auch wenn man das albern finden kann - der springende Punkt ist: Dieses Phänomen ist bislang ausschließlich vor Apple-Läden aufgetreten - und wird auch mit dem kalifornischen Konzern in Verbindung gebracht. Und zwar so sehr, dass sich Samsung in seinen hämischen Anti-Apple-Spots gar nicht genötigt sah zu erklären, wer da gerade verspottet wird. Wer eine solche Warteschlange sieht, denkt offenbar automatisch an Apple. Dass das Phänomen der Warteschlange nun auf einmal auf Samsung übertragen wird, kann man daher auch nur als werblichen Fehlgriff bezeichnen. Vor dem Hintergrund, dass vor Samsung-Läden bislang keine Massenansammlungen wartender Galaxy-Fans ausgemacht wurden, wirkt der Spot beinahe wie Wunschdenken. Als wäre Samsung neidisch auf Apple. Und nicht nur das: Samsung wird in gewisser Weise Opfer seiner eigenen Persiflage. Denn in den Warteschlangen-Spots wurde auch das Phänomen an sich durch den Kakao gezogen. Was man wissen muss ist, dass nicht Samsung selbst, sondern 1&1 der Absender des Commercials ist. Der DSL- und Mobilfunkanbieter aus dem Hause United Internet macht, wie es in der Telekommunikatrionsbranche üblich ist, Werbung für das Endgerät eines Herstellers, um damit Neukunden zu gewinnen. In diesem Fall wirbt 1&1 in dem von Jung von Matt/next entwickelten Spot damit, dass sich Verbraucher das Galaxy S6 direkt nach Hause liefern lassen können - und sich lästige Warteschlangen damit ersparen können. Dass 1&1 den Mehrwert des eigenen Lieferdienstes in den Mittelpunkt stellt, ist natürlich legitim. Anders als Wettbewerber O2, der kürzlich als erster Anbieter einen eigenen TV-Spot für Apple entwickeln durfte, macht 1&1 als Partner allerdings keinen guten Job. Denn während O2 in dem Spot für Apple die Werbestrategie des iKonzerns berücksichtigte und den Partner damit gut aussehen ließ, hat 1&1 in dem Galaxy-Spot offenbar nur an sich gedacht - und die Werbestrategie der Herstellermarke unter den Tisch fallen lassen. Der Marke Samsung hat 1&1 damit jedenfalls keinen Gefallen getan. mas
stats