Flop der Woche

Wie ein Dating-Anbieter mit Beinahe-Selbstmorden baden geht

Freitag, 22. August 2014
Dass es einige dumme Wege zu sterben gibt, haben Metro Melbourne und ihre Agentur McCann mit dem Mega-Hit "Dumb Ways To Die" eindrucksvoll bewiesen - und zwar anhand ebenso kreativer wie witziger Beispiele. Da will die deutsche Online-Partnervermittlung "Let's go love" doch in nichts nachstehen und kreiert ihre ganz eigene Version unnützer Selbstmorde. Komisch ist das auch - aber leider eher unfreiwillig.
Man sieht es den Spots der Partnerbörse, die vermutlich inhouse bei der Mutterfirma Enterkom GmbH entstanden sind, an: so richtig viel Budget steckt nicht darin. Weshalb es auch trotz guter Kontakte zur Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 nur dazu reicht, die 20-sekündigen Commercials zu nachtschlafender Zeit zu schalten. Aber das soll dem Start-up hier nicht zum Verhängnis gemacht werden.




Was die Werbung zum Flop macht, ist vor allem ihre Story. Allen Spots gemein ist der mies gezeichnete Protagonist, der - darauf weisen Brille und Kopfbedeckung hin - offenbar einen Nerd ohne Erfolg bei Frauen darstellen soll. In allen Commercials versucht er sich deshalb umzubringen; mal sitzt er in der Badewanne und hält einen angeschlossenen Haartrockner in der Hand, mal stürzt er sich von einem Hochhaus und wiederum ein anderes Mal legt er sich kurz vor dem heranrauschenden Zug auf die Eisenbahnschienen.


Doch halt: Die Rettung naht! Sein Handy meldet sich und signalisiert eine eingegangene Flirtnachricht bei "Let's go love". Die kommentiert der Protagonist mit einem schrillen "Geil"-Schrei. Interessanterweise muss es sich dabei um ein Smartphone der neuesten Generation handeln, das nicht nur im Sturzflug, sondern auch beim geplanten Badewannen-Suizid einfach aus der Hosentasche (...) gezaubert werden kann. Aber die technischen Details sollen hier nicht interessieren.

Die hanebüchene Botschaft der Partnervermittlung lautet: "Jetzt anmelden, bevor es zu spät ist" - und in zwei von drei Fällen ist es zu spät, denn der Nerd kommt trotzdem ums Leben. Der Fön fällt, der Zug kommt zu früh, nur beim freien Fall kann er sich gerade noch so an einer Laterne festhalten.

Offenbar zielt "Let's go love" auf die Zielgruppe verzweifelt Suchender ab und betont, anders als etwa die Konkurrenz rund um Parship, Friendscout24 oder Elitepartner, die negativen Folgen des Nicht-Datens. Ob das im engen Marktsegment der richtige Weg ist, sei dahingestellt. Der witzigste ist es jedenfalls nicht. Vielleicht sollte sich "Let's go love" mal ein Beispiel an der Dating-Spot-Kultur in Großbritannien nehmen:

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