Flop der Woche

Wie die Windel-Werbung eines Republikaners in die Hose geht

Freitag, 08. August 2014
In Deutschland ist Wahlwerbung im TV in der Regel eine hoch professionalisierte Angelegenheit. Anders in den USA, wo jeder Kommunalkandidat je nach Budget und eigenem Anspruch mehr oder weniger gelungene Spots produziert. Einen besonders originellen hat nun der Republikaner Don Oehlrich vorgelegt. Er will sich im November für Florida ins US-Repräsentantenhaus wählen lassen - und vergleicht seine Mitbewerber im Vorfeld schon einmal mit schmutzigen Windeln. Und das im Land der Political Correctness!
Natürlich muss man Oehlrich, Mitglied beim Waffenverband NRA und Trainer einer Mädchen-Lacrosse-Mannschaft, zugutehalten: Er muss sich wie die meisten seiner Parteifreunde und Kontrahenten selbst um das Fundraising kümmern und hat daher sicherlich keinen herausragenden Marketingetat zur Verfügung. Die amateurhafte Kameraführung und Schnitttechnik sei also an dieser Stelle entschuldigt. Aber bei diesen Restriktionen ist klar: Umso mehr kommt es auf die richtige Idee an.




Nur: die hat Oehlrich leider nicht. Politiker wurden schon mit vielem verglichen, aber bislang noch nicht mit dreckigen Windeln. "Politiker und Windeln sind sich ziemlich ähnlich. Wenn sie frisch sind, erfüllen sie ihren Zweck. aber wenn du ihnen erlaubst, zu lange herumzusitzen, wird es eine Schweinerei und niemand kann es mehr ändern", sagt er in seinem Spot und man möchte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, oder zumindest sich den Mund zuhalten, wenn er eine braun-grüne Suppe über die zuvor blütenweiße Windel schüttet. Wie viel Wert man im Hause Oehlrich auf die Bildbearbeitung legt, zeigt dann noch der (Achtung Ironie) sensationelle Schnitt hin zum Mülleimer, wo die Windel alsbald landet.


Man will sich gar nicht vorstellen, wie der Politiker auf die Windel-Analogie gestoßen ist. Oehlrich hat zwei erwachsene Töchter, möglicherweise ist er gerade Großvater geworden. Also vielleicht. Ganz eventuell. Hoffentlich. Andere Gedankengänge sollen an dieser Stelle besser mal außenvor bleiben.

Eines muss man ihm dann doch lassen: Bei allen Schwächen in den Kategorien Craft und Casting wird er mit der Windel-Werbung doch zum Gesprächsthema. Gleichzeitig bietet der Spot seinen Kontrahenten aber auch genügend Angriffsfläche. Und weil vergleichende Werbung in den USA (und gerade in der amerikanischen Politik) eher die Regel als die Ausnahme ist, dürfte eine Antwort nicht lange auf sich warten lassen. Man darf also gespannt sein. Amtsinhaber John Mica (ebenfalls Republikaner) wird sich den unorthodoxen Wahlmethoden seines Herausforderes sicher nicht kampflos ergeben.

Von echten Exkrementen war die Spotrequisite übrigens weit entfernt, sagte Oehlrich gegenüber "Business Insider". Denn davon hätte er sich übergeben müssen. Stattdessen enthielt das Gebräu unter anderem Black Beans, Maisstärke und Kaffeesatz. Wohl bekomm's! fam
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