Flop der Woche

Warum sich eine Anti-Wettkampagne in Singapur als WM-Eigentor entpuppt

Freitag, 11. Juli 2014
Deutschland steht am Sonntag im WM-Finale gegen Argentinien, die Euphorie rund um Jogis Jungs ist nach dem historischen 7:1 gegen Brasilien riesengroß. Vor vier Wochen noch hatte kaum einer der DFB-Elf solch ein Turnier zugetraut - auch nicht der National Council on Problem Gambling aus Singapur. Dessen Anti-Wettkampagne ist zwar aus kreativer Sicht tadellos, könnte sich nun aber als Eigentor entpuppen.
Medien rund um den Globus lieben die verrückten Fußball-Wettgeschichten - sei es der 7:1-Tipp eines Kindergartenkinds vor dem WM-Halbfinale gegen Brasilien oder die erfolgreiche Wette des Norwegers, der auf eine Beißattacke von Luis Suárez gesetzt hat. Das ist allerdings nur die eine Seite der Medaille: Allzu oft gehen Wetten verloren und bringen Menschen in Schwierigkeiten, warnt etwa der National Council on Problem Gambling.


Um für ihr Anliegen zu trommeln, hat die Charity-Organisation im Vorfeld der WM gemeinsam mit der Agentur Goodfellas aus Singapur einen - das steht außer Frage - gut gemachten Spot (Produktion: Two Oceans) geschaltet, in dem fünf fußballbegeisterte Jungs über das anstehende Turnier in Brasilien diskutieren. Einer baut auf Argentinien, ein anderer favorisiert Brasilien. Nur der kleine Andy hofft auf Deutschland - weil sein Vater das Sparbuch des Jungen auf einen Triumph von Jogi Löws Elf gesetzt hat.

Dass der National Council ausgerechnet das DFB-Team für die Pointe auswählte, zeigt, wie gering die deutschen Chancen eingeschätzt wurden. Der Tenor des Spots: Oft sind es Unschuldige, die unter den Folgen von Wettsucht leiden. Diese Botschaft kommt mit heutigem Wissensstand jedoch nicht an und verkehrt sich stattdessen ins Gegenteil. Erst recht, wenn Deutschland Argentinien im Finale am Sonntag schlagen sollte: Statt die Ersparnisse verzockt zu haben, würde Andys Vater dann wohl im Geld schwimmen. fam
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