Flop der Woche

Till Brönner für Eduard Dressler - ein Anzug, der nicht sitzt

Freitag, 01. August 2014
"Ein gutes Outfit ist schon ein bisschen wie guter Jazz" - irgendwie möchte man Till Brönner ja recht geben, wenn man den Trompeter in edler Klamotte im aktuellen Kampagnenfilm von Eduard Dressler so sieht: Mondäner Schwarz-Weiß-Look, gediegene Jazzmusik im Hintergrund, der verträumte Blick vom Balkon über Los Angeles. So weit, so stimmig. Würde der Einminüter mit dem furchtbaren Voice-over von Brönner selbst nicht so unheimlich dick auftragen.


Till Brönner ist im zweiten Jahr Testimonial für die Herrenmodemarke Eduard Dressler und das Gesicht der in diesem August startenden Imagekampagne (Kreation: Orca, Hamburg). "Brönner passt perfekt zu uns. Wir teilen die Passion für einen kultivierten Lebensstil", so Dieter Reinert, Managing Director von Eduard Dressler, fast schon überschwänglich. Und weiter: "Till Brönner ist ein Connaisseur der Extraklasse".



Das Problem ist nur, dass die Vermittlung dieser scheinbar perfekten Beziehung zwischen Musiker und Marke misslingt. Der Kardinalfehler: Brönner hält selbst als Voice-over her und wirkt mit seiner verschlafenen und merkwürdig betonten Erzählweise eher albern, als dass er die Kampagnenbotschaft pointiert vermitteln könnte. Statt "lässiger Eleganz" und einer "authentischen Ausstrahlung" des Testimonials, wie das Unternehmen in einer Mitteilung verspricht, liefert der Spot Binsenweisheiten am Fließband ("Das Leben ist einfach zu kurz für schlecht sitzende Anzüge") und einen Tick zu viel Selbstverliebtheit.

Den Anspruch, "ganz nah an den Musiker heran" zu gehen, verfehlt der Clip, schlichtweg weil das Endergbnis in seiner abgedroschenen, zu oft (und dabei meist besser) gesehenen Machart kaum ernstzunehmen ist. Schade für Eduard Dressler ist das vor allem deshalb, weil ein schweigsamer Till Brönner eine gar nicht so schlechte Figur als Aushilfsmodel abgibt, wie auch ein Blick auf die Website der Marke beweist. tt
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