#DeleteFacebook

Warum Dr. Oetker auf den Lösch-Gag besser verzichtet hätte

Freitag, 23. März 2018
Doktor Oetker Pizza hat im Zuge der Diskussion um #DeleteFacebook ein wenig Community-Entertainment betrieben und seine Facebook-Seite deaktiviert. Marken-Berater Michael Brandtner hält von derlei Gags allerdings gar nichts. Warum, erklärt der Partner der Beratungsgesellschaft Ries & Ries in einem Gastkommentar für HORIZONT Online.
Themenseiten zu diesem Artikel:

Im Zuge des aktuellen Datenskandals bei Facebook hatte der Twitter-Account von Dr. Oetker Pizza Deutschland mit dem Hinweis auf den Hashtag #DeleteFacebook für seine knapp 10.000 Follower eine interessante oder besser überraschende Ankündigung parat: "Für 1.000 Retweets löschen wir unsere Facebook-Seite. Ganz bestimmt."

Wie HORIZONT Online berichtete, war die Grenze schnell erreicht und die Facebook-Seite von Dr. Oetker Pizza Deutschland mit ihren 132.000 Abonnenten nicht mehr auffindbar. Nur glaubt wirklich ernsthaft jemand, dass Dr. Oetker Pizza auf diesen Kommunikationskanal dauerhaft verzichten will? So ist es auch nicht überraschend, dass eine Unternehmenssprecherin von Dr. Oetker gegenüber HORIZONT Online bereits bestätigte, dass es sich um eine Aktion "mit einem Augenzwinkern" handle.

Nur ist das nicht genau das, was sich viele vom Marketing erwarten? So gesehen ist es auch nicht verwunderlich, dass eine aktuelle Studie der GfK zeigt, dass vor allem auch Werber mit einem Glaubwürdigkeits- und Vertrauensproblem kämpfen. Nur 25 Prozent der Deutschen haben Vertrauen in Werbefachleute. So schneiden aktuell nur Versicherungsvertreter und Politiker noch schlechter ab.

Nur genau mit solchen Aktionen schadet sich das Marketing doppelt: auf der einen Seite bestätigt man gegenüber den Kunden, dass Marketing sowieso nur ein Gag ist. Auf der anderen Seite hebt das mit Sicherheit auch nicht das Image des Marketings innerhalb der Unternehmen und in der Welt des Managements.
Natürlich kann man Marken mit Provokationen und meinem "Augenzwinkern" bauen. Niemand beweist dies besser als True Fruits, die ihre Smoothie-Marktführerschaft in Deutschland hauptsächlich mit provokanten Produktnamen und provokanten Social-Media und Plakat-Aktionen bauten. Nur passt dies inklusive der rechtlichen Gratwanderung mit dem genutzten Marlboro-Design perfekt zur grundlegenden Positionierung und zum grundlegenden Kommunikationsstil der Marke.

Ganz anders bei Dr. Oetker! Eine der vertrauenswürdigsten Marken Deutschlands sollte im Sinne einer kohärenten Markenführung auf solche Gags verzichten. Zum Nutzen der Marke und zum Nutzen des Marketings in Summe.



stats