Costa Fastgarnix

Mobilcom-Debitel und das Spiel mit dem Grexit-Feuer

Dienstag, 07. Juli 2015
Das klare "Nein" beim "Greferendum" wurde am Sonntagabend von den Gegnern des EU-Sparpakets ausgiebig gefeiert. Bilder von Griechen im Freudentaumel dürften auf absehbare Zeit allerdings eine absolute Ausnahme bleiben, denn das Land steuert mehr denn je auf eine ungewisse Zukunft zu. Wer feiernde Griechen sehen will, muss sich schon die Werbung von Mobilcom-Debitel ansehen. Das Unternehmen hält - Krise hin oder her - an seiner Kampagne mit dem skurrilen Testimonial Costa Fastgarnix fest. Eine Gratwanderung. 

Der Geist von Hellas ist in den von Stammbetreuer Grabarz & Partner entwickelten Spots allgegenwärtig. Antike Säulen, Sirtaki-Melodien und natürlich der griechische Sunnyboy Costa Fastgarnix, der dank der günstigen Angebote des Mobilfunkanbieters zum Powershoppen aufruft. 



Unter normalen Umständen wäre gegen die TV- und Radio-Spots mit dem immer gut aufgelegten Costa rein gar nichts einzuwenden. Die Idee, das Testimonial einer Abverkaufskampagne, bei der es um Kosten geht, Costa zu taufen, ist ja durchaus nachvollziehbar. Doch die Situation in Griechenland ist nach dem Referendum eine andere als noch zum Kampagnenstart Mitte Juni. Das Land ist faktisch pleite, die Banken bleiben geschlossen. Und den Griechen stehen harte Zeiten bevor: Und zwar nicht, weil Paypal, Apple und Amazon keine Zahlungen mehr von griechischen Nutzern akzeptieren und die dann nicht mehr fröhlich neue iPhones oder andere Luxusartikel shoppen können. Sondern weil viele Griechen wahrscheinlich noch nicht einmal wissen, wie sie in den kommenden Wochen und Monaten Lebensmittel oder Medikamente bezahlen sollen. Immerhin denken die EU-Kommission und die Bundesregierung bereits über humanitäre Hilfe nach.

Ihr kennt ihn bereits: Costa Fastgarnix aus Griechenland. Seht hier, wie er zum ersten Mal deutschen Boden betritt!

Posted by Mobilcom-Debitel on Donnerstag, 2. Juli 2015
Auch wenn Mobilcom-Debitel betont, niemandes Gefühle verletzen zu wollen: Die TV-Spots mit dem Verramscher Costa Fastgarnix gerade jetzt zu schalten, da Griechenland möglicherweise bald selbst vor dem Ausverkauf steht, zeugt nicht von einem besonders ausgeprägten Fingerspitzengefühl seitens der Verantwortlichen. Dass sich das Unternehmen auf dünnem Eis bewegt, zeigen auch manche Kommentare auf Facebook. "Ich finde einen Griechen mit Costa fast garnix im deutschen Fernsehen zu präsentieren geschmacklos", schreibt einer der Kommentatoren auf der Facebook-Seite von Mobilcom-Debitel. Und da ist er nicht der einzige. mas

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