Corporate Culture

5 Grundsätze für eine attraktive Unternehmenskultur

Freitag, 25. Mai 2018
Gehalt als Hauptkriterium für die Jobwahl war gestern. Freiräume, Gestaltungsmöglichkeiten und Flexibilität werden zunehmend zum Zünglein an der Waage, um gute Mitarbeiter zu finden und zu binden. Doch wie genau muss eine "Corporate Culture" in schnelllebigen Zeiten aussehen? Wo können Unternehmen die richtigen Akzente setzen, um fähige Köpfe zu gewinnen und ein leistungsstarkes Team zusammenstellen? Antworten auf diese Fragen liefert Judith Sterl, COO des zwei Jahre alten, nationalen Zeitungsvermarkters Score Media Group, in fünf praxisorientierten Tipps für einen erfolgreichen Kulturaufbau in Unternehmen.
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1. Veränderung zulassen, Fehler analysieren, fokussiert weitermachen

Agilität, Flexibilität und gemeinsame Verantwortung sind die Pfeiler einer modern gelebten Unternehmens- und Kommunikationskultur. Dies verlangt allem voran eine neue Grundeinstellung gegenüber Veränderungen und Fehlern. Veränderungen und Wandel sind dabei kein lästiges oder gar bedrohliches Übel, sondern vielmehr eine Möglichkeit und die Voraussetzung, Prozesse und Ergebnisse fortwährend zu verbessern. Fehler werden nicht als Scheitern angesehen, sondern als Chance für echte Innovationen und vor allem auch für nachhaltige Optimierungen. Denn: Wer sich in hoher Geschwindigkeit bewegt, muss immer damit rechnen, an der einen oder anderen Stelle anzuecken, sich zu irren und eben auch mal falsch abzubiegen. Wichtig ist, sich immer wieder an den übergeordneten Zielen zu orientieren, Lehren zu ziehen, diese Learnings auch mit anderen zu teilen und fokussiert weiterzumachen. Zugegeben: Eine offene Kommunikation ist, gerade wenn es um Projekte und Themen geht, bei denen nachjustiert werden muss, nicht immer einfach. Aber genau an diesem Punkt zeigt sich sehr deutlich, ob eine Kultur des Mitgestaltens und der gemeinsamen Verantwortung entstanden ist – oder eben (noch) nicht.

2. Direkt kommunizieren, Tools nutzen, Verantwortung teilen

Eine produktive Mitmachkultur braucht kurze Wege und eine offene, direkte Kommunikation über alle Ebenen hinweg und in alle Richtungen. Wenn auch persönliche Gespräche und Meetings für die Zusammenarbeit unverzichtbar sind, erleichtern dabei Tools wie absenc.io oder der Instant-Messaging-Dienst Slack den Alltag und das Zeitmanagement, gerade auch wenn es darum geht, sich über verschiedene Standorte schnell und fokussiert auszutauschen. Diese Art der Kommunikation braucht es auch im Management von Projekten, die je nach Aufgabenstellung und Zielsetzung in virtuellen Teams, d.h. in über die bestehenden Abteilungsgrenzen hinweg, individuell zusammengestellten Projektgruppen bearbeitet werden. Hier gibt es für jeden einzelnen sehr viel Raum, aber auch – das wird gerne einmal vergessen – die Pflicht und Verantwortung zum Mitgestalten und Ausfüllen dieses Raumes. Denn Freiheit kommt nicht ohne Verantwortung aus. 

3. Silos aufbrechen, Profile sich entwickeln lassen, beweglich bleiben

Die Mitarbeiter, die in ein solch dynamisches Umfeld passen, packen an, schauen nach links und rechts und denken nicht in Silos. Die Fähigkeit zum konstruktiven Austausch ist sehr wichtig –insbesondere bei Themen, die schlecht gelaufen sind. Denn daraus lernt man einfach am meisten – gerade, wenn man die bestmögliche Lösung für den Kunden sucht. Diese Arbeitsweise erfordert auch in Bezug auf individuelle Arbeitsplatzbeschreibungen ein neues Denken: Die Zeiten, in denen mit festen und starren Anforderungsprofilen die Themen im wahrsten Sinne des Wortes abgearbeitet werden, sind vorbei. Auch das ist erst einmal irritierend, aber in Gesprächen und später in der konkreten Projektarbeit ergeben sich oft ganz andere Themen, Profile, Bedürfnisse und auch Möglichkeiten, die beim Abhaken von bloßen Listen leicht übersehen werden. Nur so ist es möglich, die richtigen Köpfe zusammenzubringen, um genau die Synergien zu entfalten, die notwendig sind, um optimale Lösungen für individuelle Kundenbedürfnisse zu entwickeln. Das ist auf dem Reißbrett nicht erfolgreich planbar.

4. Rahmen schaffen, Eigenverantwortung fördern, Fokus auf das Ergebnis legen

Ein gutes Gehaltspaket, Smartphones und Notebooks (auch zur privaten Nutzung), kostenlose Getränke, frisches Obst und Gemüse – das ist zwar keine Selbstverständlichkeit und überrascht noch immer einige Bewerber, ist aber in einigen Branchen inzwischen fast Standard. All dies gehört neben Get-Togethers, Sommerfesten und Weihnachtsfeiern wie auch individuellen Trainings und Projektarbeit zur Corporate Culture 2.0. Doch damit ist es nicht getan: Es braucht heute ein Höchstmaß an Freiheiten, um exzellente Köpfe und besondere Kollegen zu gewinnen und zu halten. Flexible Rahmenbedingungen und eine moderne technische Infrastruktur, die beim Laptop und Smartphone beginnt und bis zu modernen Kommunikations-Tools und intelligentem Cloud-basierten Datenmanagement reicht, müssen bereitgestellt werden, um es Menschen zu ermöglichen, hervorragende Arbeit zu leisten und dabei Spaß zu haben. Und das eben auch in Teilzeit, nicht typischerweise am Schreibtisch im Büro und nicht nur klassisch zwischen 9 und 17 Uhr. Kurzum: Wo und wann gut gearbeitet wird, ist egal. Der Outcome muss stimmen. 

5. Unternehmenskultur als Prozess verstehen

Die Kultur eines Unternehmens kann nicht verordnet oder vorgegeben werden, sie ist kein abgeschlossenes Projekt mit einem klar definierten Anfang und Ende, sie ist vielmehr ein stetiger Entwicklungsprozess und ein lebendiges System – bei dem jeder einzelne gefordert ist. Das vielleicht größte Missverständnis dabei: Sie ist kein theoretisches Konstrukt und auch keine Einbahnstraße. Es ist nicht damit getan, Werte und Regeln zu definieren, schriftlich zu fixieren und so stehen zu lassen. Sie müssen konsequent gelebt und gepflegt werden – in sämtlichen Bereichen und von jedem einzelnen Kollegen. Denn nachhaltigen Wandel erreicht man nur, wenn den Worten auch Taten folgen. 

So viel zur Theorie. In der Praxis zeigt sich, dass auch diese schöne neue Arbeitswelt mit ihren Freiräumen, ihrer Flexibilität und ihrer geforderten Eigenverantwortung immer auch wieder zur persönlichen Herausforderung wird. Wer diese aber annimmt und sich darauf einlässt, diese neue Welt aktiv mitzugestalten, wird gewinnen – das gilt für Unternehmen wie auch für jeden Einzelnen. 




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