Branchenevent

Verliert die Dmexco den Blick auf den deutschen Markt?

Mittwoch, 07. September 2016
Die Dmexco wächst und wächst: Mit 50.000 angemeldeten Besuchern, 950 Ausstellern und über 500 Speakern bricht die Digitalmesse auch in diesem Jahr wieder Rekorde. Doch bringt die zunehmend internationale Perpektive hiesige Werbungtreibenden wirklich weiter? United-Internet-Media-Chef Rasmus Giese meldet in einem Gastkommentar für HORIZONT Zweifel an.

Die Macher der Dmexco haben einen ambitionierten Anspruch: Als Hotspot der globalen Internetwirtschaft zu gelten, als internationale Business-und Innnovationsplattform. Die Globalisierung des Werbemarkts durch das Internet in all seinen Facetten zeigt sich in Congress Hall, Debate Hall oder Experience Hall. Über 570 internationale "Top-Speaker" sind angekündigt, darunter die CEOs und CMOs weltweit agierender Unternehmen und Agenturnetzwerke sowie zahlreiche Stars der "Digital Economy". Ein Blick aus globaler Perspektive.



Der internationale Anspruch ist folgerichtig. Die Digitalisierung dringt nicht nur in alle Winkel unseres Alltags vor, sie kennt auch keine Grenzen. Insofern folgt dieser Ansatz einer inneren Logik. Er ist auch die Antwort auf Konkurrenz-Veranstaltungen – kürzlich haben beispielsweise die "Online Marketing Rockstars" die ersten Referenten für kommenden März verpflichtet, darunter einer der prominentesten Entwickler des Silicon Valley, Andrew Bosworth. Zum Münchner Start-up-Event "Bits & Pretzels" erwarten die Veranstalter Virgin-Gründer Richard Branson und Kevin Spacey.

Doch bringt diese Fülle an US-Acts die hiesigen Werbungtreibenden in der täglichen Arbeit auch weiter? Kennen die Silicon-Valley-Vertreter und Industrie-Promis überhaupt die lokalen Herausforderungen und Eigenarten des deutschen Marktes? Geht es um Show oder wirklich um "Pure Business", wie es im Dmexco-Motto heißt? Die Dmexco sollte ihre ursprüngliche Positionierung nicht komplett aus den Augen verlieren.


Sie ist einmal angetreten, den deutschen Werbungtreibenden den Weg durch das Dickicht der digitalen Werbung zu weisen. Damit ist sie groß geworden. Der Informationsbedarf in dieser Richtung ist in den letzten Jahren sicher nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Immer wieder zeigen Umfragen, dass die deutsche Werbewirtschaft angesichts der rasanten Digitalisierung nach Orientierung und konkreten Empfehlungen sucht. Diese muss ihnen die dmexco auch in Zukunft bieten können. Leider lassen sich lokale Anforderungen aber aus globaler Höhe nur schwer ausmachen.

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