Beacons sind die neuen Cookies

Drei Thesen zur Zukunft einer gehypten Technologie

Dienstag, 09. Juni 2015
Beacons könnten das nächste große Ding im Handel werden. Doch was steckt eigentlich hinter dem neuen Buzzword - und welche Chancen und Risiken gibt es? Boris Lücke, Geschäftsführer des Location-Based-Service-Anbieters Gettings, hat sich Gedanken gemacht.
Beacons – auf deutsch Leuchtfeuer – sind kleine Sender, die zunehmend im Einzelhandel zum Einsatz kommen und das Einkaufen, wie es bisher war, verändern werden. Welche Trends erwarten uns? In Zukunft machen Beacons zusammen mit einem Smartphone das Einkaufen im Laden so intelligent wie Cookies das Onlineshopping. Allerdings existieren auch Hürden. Die folgenden drei Thesen basieren auf den Erkenntnissen des Instituts für Electronic Commerce und Digitale Märkte der Ludwig-Maximilians-Universität München, den GETTINGS-eigenen Studien und Nutzererfahrungen.

1. Beacons verändern den Offlinekauf – wie Cookies es bereits im Onlinehandel getan haben

Cookies haben das Onlineshopping erst interessant gemacht. Durch sie erhalten User einen echten Mehrwert: beispielsweise Empfehlungen von Produkten, die für sie relevant sind oder Erinnerungen an einen noch nicht gekauften Warenkorb. Mit Beacons wird der POS im Zusammenspiel mit dem Smartphone und der zu erwartenden Smartwatch-Verbreitung erst richtig digital. Damit rüstet der Einzelhandel auf und könnte ein ähnlich smartes Einkaufserlebnis wie Onlinehändler bieten. Mit zunehmender Beacon-Anzahl sind immer leistungsfähigere Anwendungen denkbar. Denn sobald sich ein echtes Leuchtfeuer-Netz über beispielsweise Shoppingzentren spannt, können dem Käufer je nach Aufenthaltsort, seinen Wünschen und Bedürfnissen immer relevantere Services geboten werden. Aber genau das gilt es zu berücksichtigen: Denn 50 Prozent der Deutschen möchten einstellen können, über welche Angebote – zum Beispiel Bücher, Parfüm oder Technik – sie informiert werden.

2. Ein Drittel aller deutschen Einzelhändler nutzt 2017 Beacons – wenn Kunden sie lassen

Eine Studie geht davon aus, dass ein Drittel des Einzelhandels in den USA bis Ende 2016 mit Beacons ausgestattet sein wird. In Deutschland erwartet GETTINGS, dass diese Verbreitung Ende 2017 in Deutschland erreicht sein könnte.


Die Effektivität der Technologie hat sich beim GETTINGS Pilotprojekt in Düsseldorf 2014 bereits gezeigt: Coupons, via Beacon-Technologie aufs Smartphone ausgespielt, erhöhen Ladenbesuche von Konsumenten um 23 Prozent. Die Untersuchung ergab auch, dass sich die Aufenthaltsdauer der Endverbraucher am PoS verlängert, wenn sie eine Beacon-Nachricht mit Coupon erhalten: Sie steigert sich um 31 Prozent – verglichen mit Besuchern, die keine Nachricht erhielten.

Allerdings sind die Hürden noch groß: Die Technologie muss noch besser funktionieren und die Reichweite des Signals größer werden. Zudem muss die Nutzung der für Beacons wichtigen Technologie Bluetooth Low Energy durch die Endverbraucher noch zunehmen. Letztlich entscheidet der Kunde über den Mehrwert, den er über Beacons erhält. Bisher wollen nur 35 Prozent der Deutschen über jedes Angebot informiert werden, wenn sie an einem Ladengeschäft vorübergehen. Bei steigender Beacon-Dichte könnte daher eine Übersättigung des Kunden stattfinden. Es sind der Handel und entsprechende Dienstleister gefragt, kreative Anwendungen für das Shopping der Zukunft zu entwickeln und den Konsumenten einzubinden. Voraussetzung dafür ist die entsprechende Funktionalität in der notwendigen App. Erst sie bringt das digitale Shoppingerlebnis in den stationären Handel.

3. Beacons kuratieren den Einkauf und erhöhen den Umsatz im Einzelhandel

Die Beacon-Anwendungen von morgen bieten nicht nur intelligente Rabatte an, um Kunden zu gewinnen. Sie haben das Potenzial, zukünftig die Verkaufs- sowie Beratungsfläche digital zu vergrößern, und entlasten das Verkaufspersonal bei steigenden Umsätzen. Zwei Beispiele: Beim Besuch eines Supermarkts weist eine App automatisch auf aktuelle Angebote am Gemüsestand hin. Aber nicht nur das: Passende Rezepte, mit den entsprechend im Laden verfügbare Zutaten, bieten Hilfe bei der Menüauswahl und beraten beim weiteren Einkauf. Im Modegeschäft berät eine App, welche weitere Kleidung zur bereits rabattierten Hose passt und wo sie zu finden ist. Die über die Beacon-Technologie zukünftig mögliche Instore-Navigation leitet den Käufer durch den Laden und eine Anwendung kuratiert den Einkauf und verbessert das Shoppingerlebnis.
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