Angriff auf DM, Rossmann & Co

3 Gründe, warum Amazon bei Drogeriekunden punkten wird

Mittwoch, 31. Mai 2017
Den deutschen Einzelhändlern schlottern die Knie. Grund ist - mal wieder - Amazon. Der US-Riese, der den hiesigen Händlern mit dem Start seines Lebensmittel-Versanddienstes Amazon Fresh derzeit ohnehin die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, will jetzt auch noch auf breiterer Front im Drogeriemarkt angreifen. Die Ängste sind nicht ganz unberechtigt. Denn vieles spricht dafür, dass Amazon den Platzhirschen DM, Rossmann und Müller ordentlich weh tun kann.
Dass Amazon das Zeug zum Disruptor hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Man denke nur an den Vorstoß im Markt für Video-Streaming: Dank der Milliardenbeträge, die der Konzern seit Jahren in seine Eigenproduktionen unter der Marke Amazon Originals investiert, ist Amazon auch in Deutschland zu einem ernst zu nehmenden Absender für Bewegtbild-Inhalte geworden, wie der jüngste Erfolg der Schweighöfer-Serie "You Are Wanted" belegt.


Nun will sich Amazon also den Drogeriemarkt vornehmen. Nach Informationen der "Lebensmittelzeitung" will der US-Konzern Ende des Jahres europaweit ein Basissortiment an Eigenmarken einführen - neben Windeln und anderen Tissue-Kategorien will Amazon dem Bericht zufolge auch Babynahrung und Körperpflege-Produkte anbieten. Die Chancen von Amazon in diesem Segment stehen gleich aus mehreren Gründen nicht schlecht.

1.

Die Online-Schläfrigkeit der Platzhirsche

Der wichtigste Grund ist zugleich auch der naheliegendste: Wenn es ums Online-Shoppen geht, ist Amazon seinen vorwiegend stationär geprägten deutschen Wettbewerbern wie DM, Rossmann oder Müller naturgermäß meilenweit voraus. Wie groß die Kluft ist, zeigt der Umstand, dass sich die mit einem Umsatz in Höhe von gut 7 Milliarden Euro größte deutsche Drogeriekette DM erst 2015 dazu durchringen konnte, einen eigenen Online-Shop zu eröffnen. Auch wenn der Versand von Hygieneartikeln aus betriebswirtschaftlicher Sicht erst ab einem bestimmten Warenwert Sinn macht und das Online-Geschäft für die Unternehmen daher seine Tücken hat: Mit der Lebens- und Shopping-Realität insbesondere junger, online-affiner Zielgruppen, die sich den Gang zum stationären Laden gern mal sparen, hat das nicht mehr viel zu tun. Für diese stetig anwachsende Kundengruppe dürfte der US-Konzern daher eine attraktive Adresse sein. Zumal es nicht unwahrscheinlich ist, dass sie sich dort ohnehin bereits mit diversen Alltagsprodukten eindecken und der Konzern den Verbrauchern mit seinem Kundenbindungsprogramm Amazon Prime sowie der virtuellen Vorratskammer Amazon Pantry gute Argumente liefert, den Einkaufskorb auch noch um Hygieneprodukte zu ergänzen. Für Amazon wäre dies der Idealfall: Denn ein prall gefüllter Einkaufskorb mit einem auch aus wirtschaftlicher Sicht gesunden Produkt-Mix dürfte es dem Konzern massiv erleichtern, das Geschäft rentabel zu betreiben. 


2.

Windeln auf Amazon sind inzwischen gelernt

Dass Amazon mit seinem Vorstoß im Drogeriegeschäft bei seinen Kunden offene Türen einrennt, dafür sprechen auch die bisherigen Erfahrungen des Konzerns in diesem Segment. Denn Drogerieartikel bekannter Marken wie Pampers, Oral-B oder Durex gibt es auf der Plattform freilich schon seit Jahren. Erkenntnisse über die Nachfrage liefert jetzt eine aktuelle Analyse von Metoda: Laut dem E-Commerce-Marktforscher, der im Frühjahr 2017 das Geschäft in der Hauptkategorie "Drogerie & Körperpflege" sowie 16 Unterkategorien im Detail untersucht hat, hat Amazon in Deutschland im Zeitraum 24. Februar bis 23. April mit Drogerieartikeln annähernd 119,3 Millionen Euro umgesetzt. Laut Metoda kommt Amazon damit im umkämpften Drogeriesegment bereits jetzt auf einen Marktanteil  von rund vier Prozent. Eine Position, auf der man aufbauen kann - und die zeigt, dass die Deutschen durchaus gewillt sind, Pflegeprodukte auf der Plattform zu kaufen. 

3.

Enormer Vertrauensvorschuss für Amazon

Dass die deutschen Verbraucher keinerlei Vorbehalte gegenüber Drogerieprodukten aus dem Hause Amazon haben dürften, dafür sprechen auch aktuelle Marken- und Imagerankings. Denn Amazon ist nicht nur die weltweit wertvollste Retail-Brand, wie kürzlich der Marktforscher Kantar Millward Brown verkündete. Eine repräsentative Umfrage der Marken- und Strategieberatung Prophet hat im Januar 2017 das erstaunliche Ergebnis zutage gefördert, dass Amazon für die deutschen Verbraucher sogar die relevanteste Marke überhaupt ist - noch vor Apple und Google. Auch in der Reader´s Digest-Studie "Trusted Brands 2017" der vertrauenswürdigsten Handelsunternehmen landet Amazon mit 7 Prozent der Nennungen auf einem hervorragenden dritten Platz - vor Aldi (6 Prozent) und Lidl (4 Prozent). Nur Rewe und Edeka stehen mit jeweils 9 Prozent der Nennungen besser da. Dass der wichtigste Konkurrent im Drogeriemarkt - DM - es in dem Ranking gerade mal auf Rang 12 und Rossmann auf Rang 27 schafft, zeigt, dass Amazon über einen enormen Vertrauensvorschuss verfügt. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Amazon nicht auch im Drogeriesegment davon profitieren würde. mas
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