André Kempers Abschiedskampagne

Opel Astra - Quantensprung oder Größenwahn?

Montag, 07. September 2015
Opel setzt zum großen Sprung an - und übertrumpft mit seinem neuen Astra selbst luxuriöse Premium-Schlitten von Mercedes, BMW und Jaguar. Diese von Werberikone André Kemper und Scholz & Friends erdachte Story ist seit Sonntagabend in den deutschen Werbeblöcken zu bestaunen. Auch wenn sich die Frage aufdrängt, ob hier nicht der Wunsch Vater des Gedankens war und die Rüsselsheimer jetzt komplett größenwahnsinnig geworden sind: Die Chancen, dass Opel mit der Kampagne in der Zielgruppe punktet, stehen ziemlich gut.
Jetzt mal ehrlich: Wer würde schon darauf wetten, dass ausgerechnet Opel Marken wie Mercedes, BMW, Audi, Volvo und Jaguar in puncto Ausstattung das Wasser abgräbt und den Premiumherstellern die Kunden abspenstig macht? Richtig, so gut wie niemand! 
Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn es ist stark anzunehmen, dass die Kampagne eines ganz sicher nicht soll: Fahrer von Mercedes, BMW oder Jaguar zu Astra-Fahrern machen. Sonst würde Opel die Fahrer von Premium-Fahrzeugen in den Commercials wohl kaum als versnobte Schnösel darstellen und sie durch den Kakao ziehen. 
Genau wie bei der mehrfach preisgekrönten "Umparken im Kopf"-Kampagne dürfte es auch bei dieser Kampagne in erster Linie darum gehen, das vor einigen Jahren noch ziemlich ramponierte Image der Marke mit dem Blitz weiter aufzupolieren und so die von vielen Automarken umworbene Kernzielgruppe - den Mittelstand - wieder für Opel zu gewinnen.
Dass Opel und der unmittelbar vor einem Wechsel zur neuen Mercedes-Agentur Antoni stehende André Kemper bei der Astra-Kampagne nicht vor einem Vergleich mit der Luxusklasse zurückschrecken ist mutig, aber legitim. Schließlich ist das Stilmittel der kreativen Überzeichnung in der Werbung erlaubt - und erfreut sich großer Beliebtheit.
Der springende Punkt aber ist: Die von Tempomedia gemeinsam mit den Regisseuren Pierre Winther und Alex Feil produzierten TV-Spots, die durch Printanzeigen, Out-Of-Home-Motive und Display Ads flankiert werden, sind einfach gut gemacht. Mal abgesehen davon, dass der Sprung des Astra über fünf Fahrzeuge hinweg ein spektakuläres Markenstatement ist und am gestrigen Sonntagabend im Roadblock auf allen großen Privatsendern ganz sicher nicht seine Wirkung verfehlt hat: Auch die Geschichten, die Opel und die betreuende Agentur Scholz & Friends ab Oktober in zunächst fünf weiteren TV-Spots erzählen, sind pointiert, gut umgesetzt und nicht zuletzt dank der prominenten Markenbotschafter Jürgen Klopp und Bettina Zimmermann witzig erzählt.
Das Wichtigste aber: Die Commercials bringen die Kernbotschaft der Marke direkt auf den Punkt. Und die lautet: Wer in seinem Auto auf erstklassige Ausstattung wie ein LED Matrixlicht, Wellness-Massagesitze, oder einen W-Lan-Hotspot nicht verzichten will, muss keinen Mercedes fahren. Da ist man mit dem neuen Opel Astra, der nach der Einführung auf der IAA am 15. September für 17.260 Euro aufwärts zu haben ist, sehr gut bedient. Und genau darauf kommt es Opel an. mas



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