Ein Punkt für Toleranz

Warum die Allianz-Kampagne mit Steffi Jones so bemerkenswert ist

Donnerstag, 16. Oktober 2014
Steffi Jones ist die Hauptfigur in einer neuen TV-Kampagne der Allianz, in der es um das Thema Altersvorsorge geht. Jones, beim Deutschen Fußball-Bund für die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland zuständig, spricht darin offen über ihre Partnerin. Das ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert – und sehr mutig vom Kunden und seinem Testimonial.

Es ist zwar nur ein kleiner Satz in einem TV-Spot – aber es ist ein Satz mit großer Symbolwirkung: „Ich habe nicht auf den Traumprinzen gewartet. Ich hab’ mir 'ne Prinzessin geschnappt“, sagt Steffi Jones, während sie beschreibt, wie sie Widerstände in ihrem Leben erfolgreich überwunden hat. Der Zuschauer bekommt derweil kurz das Bild eines Plastik-Brautpaares auf einer Hochzeitstorte zu sehen – und eine herzhaft lachende Steffi Jones.

Zwar geht es in dem Spot darum, sich mit dem Thema Altersvorsorge nicht zu viel Zeit zu lassen. Dass Jones auch ihre „Prinzessin“ erwähnt – sie und ihre Freundin Nicole Parma heirateten in diesem Sommer – bleibt beim ersten Betrachten allerdings besonders hängen. Warum? Nun, in den Werbeblöcken kommt es selten vor, dass Homosexualität offen thematisiert wird. Schon gar nicht von Versicherungen, die sich mit mutigen und emotionalen Markenbotschaften häufig schwer tun. Die Allianz wagt es – und sie macht es sympathisch und unverkrampft. Insofern geht der erste Punkt an den Versicherungskonzern.

Der zweite Punkt geht ganz klar an Steffi Jones. Früher, als sie noch für Frankfurt und die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft auf dem Platz stand, trug sie den Spitznamen „Die Kaiserin“. Jones war Innenverteidigerin und hatte im Verein und in der DFB-Elf eine ähnlich exponierte Rolle wie „Kaiser“ Franz Beckenbauer bei den Männern. Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere organisierte Jones die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland – und trat auch in dieser Funktion in Beckenbauers Fußstapfen, der 2006 Organisator des „Sommermärchens“ war. Dafür zeichnete sie HORIZONT mit einem Sonderpreis bei den HORIZONT SPORTBUSINESS Awards 2011 aus. Heute ist sie Direktorin Frauen- und Mädchenfußball beim DFB und in dieser Eigenschaft für die Weiterentwicklung der Sportart in Deutschland zuständig.

Kurzum: Jones ist eine Lichtgestalt des deutschen Frauenfußballs. In der Allianz-Kampagne nutzt sie ihre Popularität und ihre Vorbildfunktion, um die Menschen nicht nur zu frühzeitiger Altersvorsorge zu animieren. Sie macht auch einen Punkt für Toleranz. Gerade im Fußball, wo Homosexualität nach wie vor ein Tabuthema ist, ist das ein mutiges und starkes Zeichen – und dadurch umso wichtiger. ire

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