HORIZONT vor 9

Sieben Dinge, die Sie heute Morgen wissen sollten

© David Hein
Guten Morgen aus Frankfurt. Alle reden über Big Data, Big Brother und Vorratsspeicherung. Uns interessieren nicht Ihre Daten, sondern Ihr Interesse – für die wichtigsten Nachrichten zum Arbeitsbeginn. In diesem Sinne wünschen wir einen energischen Businesstag und ein erholsames Wochenende.

1. Lauschangriff reloaded. Jahrelang wurde darüber gestritten, doch nun kommt die Vorratsdatenspeicherung wieder zurück. Dem Thema gemäß ließen sich die Politiker von Orwells Neusprech aus 1984  inspirieren. "Speicherpflicht und Höchstspeicherfrist für Verkehrsdaten" nennt sich das Gesetz, das heute verabschiedet werden soll. Die Abstimmung im Bundestag soll gegen 9 Uhr stattfinden.




2. VW muss 8,5 Millionen Autos zurückholen. Mit der Entscheidung verpflichtet das Kraftfahrt-Bundesamt  den Konzern, die Manipulationssoftware aus den betroffenen Autos zu entfernen und Maßnahmen zu ergreifen, damit die Emissionsvorschriften eingehalten werden. In Deutschland sind davon 2,4 Millionen Autos betroffen. Interessant, wie VW in bestem PR-Deutsch die Aktion kommentiert: "Damit herrscht für die Kunden jetzt Klarheit bezüglich der weiteren uneingeschränkten Nutzung der Fahrzeuge."





3. Adblocker, die nächste Runde. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch beim Kampf gegen Adblocker musste der Digitaldachverband BVDW die Erfahrung machen, dass Hoffnung auf Unterstützung durch Politiker ziemlich überflüssig ist. Derweil konstatiert Scott Cunningham vom  Dachverband Interactive Advertising Bureau, dass die „Maximierung von Profit“ zur Missachtung von Nutzererlebnissen und dem Siegeszug von Adblockern geführt habe. Neue Prinzipien, unter anderem die Begrenzung von Dateigrößen, sollen laut AdAge künftig helfen, den Einsatz von Adblockern zu verringern.

4. Große Koalition gegen Apple. Nach einem Bericht von Recode schmieden Intel und Microsoft derzeit zusammen mit den Hardware-Herstellern Lenovo, HP und Dell eine Werbeallianz gegen den Erzrivalen Apple. Im Zentrum der Kampagne steht der Slogan „PC does what“, der mit Bewegtbild, Anzeigen und Online-Werbemitteln die Überlegenheit von  PCs kommunizieren soll.

5. Mega-Kampagne für Star Wars. Noch mindestens eine Nummer größer als  die Anti-Apple-Kampagne ist die Kommunikation für den „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“. Der Film startet im Dezember. Das Merchandising mit Plastikschwertern, sprechenden Yoda-Köpfen und hüfthohen Darth Vaders läuft bereits auf vollen Touren. Beobachter rechnen damit, dass der Film am Eröffnungswochenende annähernd 600 Millionen Dollar einspielt – und damit den 524-Millionen-Dollar-Rekord von „Jurassic Park“ einstellt. Wir rufen den „Star Wars“-Marketingstrategen zu: „Möge der RoI mit Euch sein!"

6. Wie BMW Luxus interpretiert. Kommende Woche steht der neue 7er BMW im Handel. Im HORIZONT-Interview verrät Marketingleiterin Stefanie Wurst, wie der Münchner Automobilhersteller Premium definiert: „Für uns ist zeitgemäßer Luxus Luxus, der sich nützlich macht.“

7. Wenn Werbung zum Retter wird. Sage und schreibe 80 Werbefilme hat  Starregisseur Wim Wenders („Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“) gedreht. Der 70-Jährige gibt offen zu: „Mancher Werbefilm hat mich gerettet.“ Und weiter: „Es steht einem für 30 Sekunden Film ein Kostenrahmen zur Verfügung, mit dem Sie beim Spielfilm zehn Minuten oder gar mehr drehen müssen.“ Die nächste Klage von Werbefilmproduktionen über sinkende Budgets wird man sich nach dem Wenders-Interview mit ganz anderen Augen ansehen.

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