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Die Themen in Woche 48

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Sie kennen den berühmten Satz, der dem alten Henry Ford zugeschrieben wird: "Die Hälfte meiner Werbeausgaben ist rausgeschmissenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte." Das war vor ungefähr hundert Jahren. Und heute? Heute ist alles anders. Es gibt wissenschaftlich fundierte Marktforschung, Psychologen und Hirnforscher liefern Erkenntnisse über die Wirkung der Werbung, die Praktiker des Marketings haben ihre Erfahrungswerte gesammelt, Big Data und Künstliche Intelligenz machen den Kunden zum bestens bekannten Wesen. Trotzdem ist die Frage nach der Wirkung der Werbung auch heute wieder ein Topthema der Branche. Warum eigentlich? Ist hundert Jahre nach Henry Ford in Wahrheit gar nicht alles anders als damals? Der Verdacht, dass nicht jeder Werbe-Euro seinen ROI-Zweck erfüllt, sitzt jedenfalls auch im Jahr 2020 tief.


Die Teilnehmer des Swiss Talk
© HORIZONT
Die Teilnehmer des Swiss Talk
Am Mittwoch hat mein Kollege Beat Hürlimann für HORIZONT Swiss einen Digital Talk zum Thema Werbewirkung moderiert, fast 200 Schweizer Marketiers waren zugeschaltet. Studien wurden vorgestellt, Cases präsentiert, hochinteressanter Stoff. Natürlich ist in der Schweiz nicht alles anders als in Deutschland: Die

Werbewirkungs-Studien der TV-Vermarkter kommen auch hier zu dem Ergebnis, dass TV als Werbemedium schlechthin unverzichtbar ist, Facebooks Studien legen nahe, dass Facebook-Werbung nicht von ungefähr so erfolgreich ist ... Was aber in der Schweiz anders ist als in Deutschland: Die Vertreter der Mediengattungen stehen sich nicht so unversöhnlich gegenüber, ihre Rhetorik ist der Sprache der Diplomatie entlehnt, während man in Deutschland mit Kriegsparolen ins Wettbewerbsfeld zieht. Meine Prognose: Wenn die seit vielen Jahren schwelende Debatte über eine gemeinsame Währung, mit deren Hilfe die Wirkung unterschiedlicher Werbeinvestitionen vergleichbar wird, doch noch ein sinnvolles Ergebnis hervorbringen sollte, dann eher in der Schweiz als in Deutschland.


© p&a
Auch in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe spielt die Werbewirkung eine besondere Rolle. In einem Report zum Thema wirft Jürgen Scharrer aus Anlass des Content Gipfels der Group M einen kritischen Blick auf den Stand der Forschung und stellt die Grundsatzfrage: Braucht die Branche immer mehr Informationen und Daten und KI?

Oder einen beherzten Befreiungsschlag von komplizierten Ansätzen, die am Ende ja doch kaum Eingang in die Mediaplanung finden? Jetzt im E-Paper lesen

Tiemo Wölken sitzt für die SPD im Europäischen Parlament
© Tiemo Wölken
Tiemo Wölken sitzt für die SPD im Europäischen Parlament
Apropos Grundsatzfragen: „Kampf ums Targeting“ lautet unsere Schlagzeile auf der Titelseite, dabei geht es wirklich ans Eingemachte. Denn während die Digitalcommunity ihre Tools und Tricks, den Konsumenten zu verfolgen - mindestens bis in sein Wohnzimmer, gern auch ins Schlafzimmer -, immer weiter perfektioniert, hat

auf der politischen Ebene längst eine andere Diskussion begonnen: Dürfen die das? Das Ende des Cookie-Zeitalters ist bereits eingeläutet, aber die Debatte geht viel weiter. Ingo Rentz hat mit Timo Wölken gesprochen, den Namen haben Sie sicher noch nie gehört. Wölken ist Abgeordneter im EU-Parlament, Sozialdemokrat, und er hat einen sogenannten Initiativbericht verfasst, der demnächst in der Kommission diskutiert wird. Es geht vordergründig um den Digital Service Act, der eigentlich dazu gedacht ist, die Macht der großen Plattformbetreiber enzuschränken. Aber Wölken will mehr: Personalisiertte Werbung soll grundsätzlich verboten werden, aus Gründen des Datenschutzes. Das ist eine politische Bombe. Niemand weiß, ob sie hochgeht. Falls ja, fangen wir wieder bei Henry Ford an. Jetzt im E-Paper lesen

Bei der US-Wahl lagen die Demoskopen erneut daneben
© imago images / ZUMA Wire
Bei der US-Wahl lagen die Demoskopen erneut daneben
Und sonst in dieser Ausgabe: Sabine Hedewig-Mohr geht der Frage nach, ob die Demoskopen bei der US-Wahl (wieder) versagt haben. Das wäre eine bedenkliche Erkenntnis nicht nur für die Meinungs-, sondern auch für die Marktforschung. Aber lesen Sie selbst. Jetzt im E-Paper lesen

Ich wünsche Ihnen wie immer eine inspirierende Lektüre, kommen Sie gut durch die Adventszeit. Und nicht vergessen: Im Frühjahr gibt es Sonne, Wärme und einen Impfstoff. Bleiben Sie gesund,  

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