Was uns zusammenbringt

Coca-Cola und Heimat starten zum Jahrestag des Mauerfalls eine Haltungskampagne

In seiner Kampagne zum Jahrestag des Mauerfalls riskiert Coca-Cola einen tiefen Blick in die deutsche Seele
© Coca-Cola
In seiner Kampagne zum Jahrestag des Mauerfalls riskiert Coca-Cola einen tiefen Blick in die deutsche Seele
Positive Nachrichten haben aktuell kein sonderlich großes Publikum. Dagegen stemmt sich Coca-Cola zum Jahrestag des Mauerfalls mit einer Kampagne, die die Deutschen ermutigen soll, stärker das Gute zu sehen. Pikant daran: Die Kampagne kommt nicht von Coca-Colas Leadagentur Ogilvy, sondern von Heimat Berlin.

In dem Spot erinnert die Marke nicht nur an die aktuell vorhandenen positiven Trends, sondern auch an einen Klassiker der eigenen Markengeschichte. Denn zum Ausklang des Werbefilms klingt die Melodie aus dem 1971 geendeten Coca-Cola-Spot "Hilltop" an, in dem ein multi-ethnischer Chor junger Menschen singt: "I like to buy a world a coke". Entstanden war der Spot, als die Werbekreativen von McCann Erickson auf dem Flughafen Shannon Flughafen ungeplant zwischenlanden mussten und beobachteten, wie sich die wütenden Passagiere mit Coca-Cola entspannten. Die Idee für Coca-Cola als Symbol von Entspannung und Harmonie war geboren.


Im Spot "Was uns zusammenbringt" von Heimat zum Mauerfall am 9. November 1989 konzentriert sich das Storytelling allerdings deutlich konkreter darauf, was unter guten Nachrichten zu verstehen ist. Neben Szenen jener Nacht sind Bilder eines verliebten, internationalen Paares oder zufrieden schlummernde Neugeborene zu sehen. Vermeintlich pessimistischen Aussagen werden positive gegenübergestellt: Der geringen Zahl an Eheschließungen wird beispielsweise die "Ehe für alle" entgegengesetzt und damit die Möglichkeit für mehr Menschen, sich trauen zu lassen. Dass der Spot mit seinen Aussagen auf eine verbreitete populistische Stimmung antwortet, lässt das Voice-Over nur indirekt anklingen, mit Formulierungen wie "Manche glauben, wir wären so weit auseinander wie nie zuvor".

„Seit fast 90 Jahren stellt Coca-Cola seine Getränke in Deutschland her und hat viele historische Momente miterlebt. Als Wegbegleiter möchten wir den Menschen in Deutschland wieder vor Augen führen, was sie vereint.“
Michael Willeke
Für eine Massenmarke wie Coca-Cola, die ihre Kunden in allen Bevölkerungsgruppen finden muss, ist diese klare Stellungnahme nicht ohne Risiko. Trotzdem wirbt die Getränkemarke damit nicht nur online, sondern wird den exklusiv für Deutschland produzierten Film ab Ende der Kalenderwoche im Kino 44 und ab Ende der Kalenderwoche 45 im Fernsehen schalten.


Michael Willeke, Marketing Director bei Coca-Cola Deutschland, sieht in dem Film aber primär kein gesellschaftliches Statement, sondern ein Bekenntnis der Marke zum deutschen Markt: "Seit fast 90 Jahren stellt Coca-Cola seine Getränke in Deutschland her und hat viele historische Momente miterlebt. Als Wegbegleiter möchten wir den Menschen in Deutschland wieder vor Augen führen, was sie vereint." Aber Willeke unterstreicht auch, dass Toleranz, Respekt und Diversität seit jeher zu den Kernwerten des Unternehmens Coca-Cola gehören und sich das auch im Spot widerspiegle.

Welche Resonanz die Jahrestagskampagne auslöst, dürfte ganz besonders genau bei Coca-Colas Leadagentur Ogilvy in Frankfurt beobachtet werden. Bei dem Auftritt handelt es sich zwar offiziell nur um eine Projektarbeit. Aber Willeke hat erst dieses Jahr die Leitung von Coca-Cola Deutschland übernommen. Und es ist nicht unüblich, dass neu eingesetzte Marketingentscheider auch bei den Agenturbeziehungen eigene Akzente setzen wollen. cam

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