Storytelling par excellence

So großartig wirbt Apple für das iPhone XR

Die Kamera des iPhone XR sorgt für Irrititationen
© Apple
Die Kamera des iPhone XR sorgt für Irrititationen
Die Zeiten, als sich Apple-Fans den Verkaufsstart eines neuen iPhone-Modells noch rot im Kalender anmarkerten und für ein solches Gerät mitunter tagelang Schlange standen, sind bekanntlich längst vorbei. "Zu viel Geld für zu wenige neue Features", lautet allzu oft die Begründung derjenigen, die sich eben nicht mehr das brandneue iPhone zulegen, weil es das alte ja auch noch tut. Den implizierten Vorwurf, die neuen iPhone-Modelle seien wenig innovativ, will Apple nun aus der Welt schaffen. Mit einer Kampagne, die eigentlich nur ein neues Kamera-Feature des iPhone XR und XS bewirbt. Der es aber dennoch gelingt, aus einer "Kleinigkeit" eine großartige Werbestory zu machen.
"It´s storytelling, stupid!" - diese Abwandlung des legendären Wahlkampf-Slogans von Bill Clinton aus dem Jahr 1992 ("It´s the economy, stupid!) bringt ziemlich genau auf den Punkt, wovon die Apple-Werbestrategie der letzten Jahre geprägt war: Nämlich gut erzählten, emotionalen Geschichten, die jedem von uns passieren könnten und die daher nicht einfach so im täglichen Werbegewitter untergehen. Die am Ende aber dennoch etwas für Marke und Produkt tun, weil sie - quasi durch die Hintertür - nämlich doch für das Produkt werben, das in den Geschichten jeweils eine elementare Rolle spielt.


In der jüngsten Kampagne für das iPhone X geht es um die sogenannte Bokeh-Funktion der integrierten Kamera, mit der man - zum Beispiel im Hintergrund eines Fotos - eine optische Unschärfe erzeugen kann, wodurch das eigentliche Motiv noch stärker in den Vordergrund rückt. Hobby- und Profifotografen werden jetzt gähnen, schließlich ist dieser Effekt mit digitalen Spiegelreflexkameras längst möglich. Apple gelingt es aber, ein bislang Fotografen vorbehaltenes Feature massentauglich zu machen - mit seinem iPhone XR und einer Geschichte, die das Zeug zum Viralhit hat. 

Die Hauptrolle in dem TV-Spot spielen zwei Mütter, die das tun, was Mütter überall auf der Welt ständig tun. Nämlich sich gegenseitig Schnappschüsse ihrer Kinder zeigen, während diese im Garten friedlich zusammen spielen. Doch plötzlich mündet die eigentlich harmonische Szene in einer beinahe kriegerischen Auseinandersetzung. Schuld ist das iPhone XR - genauer gesagt die Bokeh-Funktion der Kamera. Denn die wurde doch tatsächlich benutzt, um eines der Kinder im Hintergrund des Fotos unkenntlich zu machen. "Did you bokeh my child?", fragt die sichtlich irritierte Mutter ihre Bis-Dato-Freundin, um wenig später noch nachzulegen. "Why do you hate Jacob?". 


Der Spot überzeugt vor allem deshalb, weil die Story authentisch ist und jeder so handeln würde wie die beschuldigte Mutter. Die beeilt sich, den Vorwurf zu entkräften, indem sie beteuert, dass das "unabsichtlich" geschehen sei und zum Beweis vorführt, wie einfach sich dieser Effekt mit dem iPhone XR an- und wieder abstellen lässt. Auch wenn die eingschnappte Mutter in dem Spot das letzte Wort hat ("I would never bokeh your child"): Das Commercial dürfte seine Wirkung nicht verfehlen. mas
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