Space Hippie

Nikes Antwort auf den Klimawandel ist ein Schuh aus Müll

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Nachhaltiges Design: Der "Space Hippie" von Nike
© Nike
Nachhaltiges Design: Der "Space Hippie" von Nike
Design-Revolution bei Nike: Der amerikanische Sportartikel-Hersteller hat ein Schuh-Modell vorgestellt, das von der Materialauswahl über die Herstellungsmethoden bis zur Verpackung unter Berücksichtigung der Umweltauswirkungen entstanden ist. "Space Hippie" soll dadurch der Nike-Schuh mit der niedrigsten CO2-Bilanz aller Zeiten sein. 
Die Oberfläche des Modells besteht aus bis zu 90 Prozent wiederaufbereiteten Materials, darunter Plastikflaschen, T-Shirts und Garnfetzen. Für das Dämpfungssystem in der Sohle werden Fabrikabfälle aus der Produktion des Laufschuhs Vaporfly 4% verwendet, wodurch nur etwa halb so viel CO2 verbraucht wird bei der Herstellung einer konventionellen Nike-Dämpfung.


Der "Space Hippie", den es in insgesamt vier Ausführungen gibt, soll aber nicht nur ein Stück Nachhaltigkeit für die Füße sein. Nike möchte auch Designliebhabern etwas bieten. "Das Space Hippie-Produkt präsentiert sich als ein Artefakt der Zukunft. Es ist Avantgarde; es ist rebellisch optimistisch", sagt John Hoke, Chief Design Officer von Nike.

Space Hippie sei aber auch eine Idee, so Hoke. "Es geht darum, herauszufinden, wie man das Beste aus dem wenigsten Material, der geringsten Energie und dem niedrigsten Kohlenstoffausstoß macht." Diese Suche nach einem besseren Morgen könnte Nike auch zu dem Namen für den Schuh inspiriert haben. In der Star-Trek-Folge "Der Weg nach Eden" aus dem Jahr 1969 nimmt die Crew der Enterprise eine Hippie-ähnliche Gruppe an Bord, die auf der Suche nach einer Art mythischem Paradies namens Eden ist.
Im Space Hippie manifestiert sich damit eine völlig neue Denkweise bei Nike, über die Herstellung von Produkten nachzudenken. Künftig werde der Lebenszyklus von Produkten kreisförmig verlaufen, glaubt Seana Hannah, VP Sustainable Innovation bei Nike. "Wir müssen über den gesamten Prozess nachdenken: wie wir etwas entwerfen, wie wir etwas herstellen, wie wir etwas verwenden, wie wir etwas wiederverwenden und wie wir bei jedem Schritt Abfall vermeiden."


Von dieser Haltung ist auch die Team-Kollektion der US-Olympioniken geprägt, die Nike zusammen mit dem Space Hippie vorgestellt hat. Die Bekleidung wird aus 100 Prozent recycelten Kunststoffmaterialien gefertigt, die aus Nikes Grind-Programm gewonnen werden. Dabei verarbeitet das Unternehmen Abfälle aus der Produktion, Ladenhüter oder getragene Sneaker. 
So werden die US-Olympioniken bei den Spielen 2020 in Tokio antreten
© Nike
So werden die US-Olympioniken bei den Spielen 2020 in Tokio antreten
Die vier Versionen des Space Hippie sollen noch in diesem Frühling auf den Markt kommen. Nike-Nutzer können das Modell in der Sneakers-App bestellen, damit erhalten auch deutsche Konsumenten Zugriff darauf. Außerdem wird der Schuh in den Flagship-Stores "House of Innovation" und bei ausgewählten Händlern verfügbar sein. Konkrete Preise will ein Nike-Sprecher auf Nachfrage nicht nennen.

Die Konkurrenz schläft beim Thema Nachhaltigkeit allerdings nicht: Adidas hat gemeinsam mit der Organisation Parley for the Oceans bereits im Jahr 2016 einen Laufschuh auf den Markt gebracht, dessen Obermaterial aus alten Plastikflaschen gefertigt wird. 2018 verkauften die Herzogenauracher fünf Millionen Paar, für das vergangene Jahr lautete das Ziel bereits 11 Millionen. Aus der Zusammenarbeit mit Parley for the Oceans entstand auch eine Trainingskollektion, die zu mindestens 75 % aus recyceltem Plastikmüll besteht, aber über die gleichen Funktionalitäten verfügen soll wie konventionelle Trainingskleidung.
„Es geht darum, herauszufinden, wie man das Beste aus dem geringsten Material, der geringsten Energie und dem geringsten Kohlenstoff macht.“
John Hoke, Nike
Das Engagement der Marke mit dem Swoosh dürfte aber noch einen weiteren Hintergrund haben: Wie Adidas hat auch Nike die "Climate Protection Charter for the Fashion Industry" unterzeichnet. Darin bekennen sich die teilnehmenden Firmen zu dem Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren und bis 2050 gänzlich eliminiert zu haben. Space Hippie dürfte ein Teil zum Umsetzung dieser Strategie sein. ire
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