#TurkishAirlinesHelpSomalia

Wie Social-Media-Star Jerome Jarre eine weltweite Hilfsaktion für Somalia initiierte

Jerome Jarre überbringt seinen Followern die frohe Botschaft
© twitter.com/jeromejarre
Jerome Jarre überbringt seinen Followern die frohe Botschaft
Diese Kampagne steht unter dem Motto: The Power of Social Media. Der französische Social-Media-Star Jerome Jarre hat Turkish Airlines via Twitter dazu aufgerufen, Hilfsgüter in das von einer Hungersnot geplagten Somalia zu bringen. Warum Turkish Airlines? Die Fluglinie fliegt als einzige ausländische Airline in das Land im Osten Afrikas. Das Ergebnis übertrifft alle Erwartungen.
Bereits seit Monaten wird Somalia von einer schweren Dürre heimgesucht. Rund die Hälfte der Bevölkerung, über sechs Millionen Menschen, ist wegen der deswegen ausfallenden Ernte vom Hungertod bedroht - und auf humanitäre Hilfe angewiesen. UN-Generalsekretär António Guterres richtete im Februar daher einen Appell an die internationale Gemeinschaft: Um die drohende humanitäre Katastrophe in Somalia und weiteren bedrohten Ländern wie dem Südsudan, Nigeria und Jemen abzuwenden, würden bis Ende März vier Milliarden Euro benötigt. Bislang sind jedoch gerade einmal zehn Prozent davon zusammengekommen.



In den Medien dominieren gleichwohl andere Themen. Der französische Social-Media-Star Jerome Jarre wollte nicht länger tatenlos zusehen: Mit dem - zugegeben etwas populistischen - Aufruf "Die Mainstream-Presse will nicht berichten" rief er seine insgesamt mehr als fünf Millionen Follower auf Twitter, Facebook und Instagram dazu auf, sich für Somalia zu engagieren. Und nicht nur seine Social-Media-Fans: Auch Unternehmen nimmt Jarre in die Pflicht.

Eines davon: Turkish Airlines. Die türkische Fluggesellschaft ist die einzige internationale Airline, die Somalias Hauptstadt Mogadischu anfliegt - und das sogar täglich. "Was wäre, wenn wir ein Flugzeug finden, es mit Nahrung und Wasser beladen und nach Somalia fliegen", fragt Jarre in seinem Video. Das ginge mit einer Maschine von Turkish Airlines. Um das Unternehmen zum Handeln zu bringen, schlug Jarre die millionenfache Verwendung des Hashtags #TurkishAirlinesHelpSomalia vor.
Um die Reichweite der Kaympagne zu erhöhen, holte Jarre einige Kollegen ins Boot, die ihre Social-Media-Follower ebenfalls über die Kampagne informierten, darunter der Youtuber Juanpa Zurita, der mehr als 8 Millionen Fans auf Instagram und über 4 Millionen Subscriber bei Youtube hat. Gemeinsam etablierten sie den zweiten Kampagnen-Hashtag #LoveArmyforSomalia. Für zusätzliche virale Verbreitung sorgte die Tatsache, dass Schauspiel-Star Ben Stiller ("Verrückt nach Mary", "Nachts im Museum") und Social-Media-Guru Casey Neistat auf Jarres Aufruf aufmerksam wurden und ihn unterstützten: 
Aufgrund der großen Reichweite des Hashtags bekam auch Turkish Airlines selbst schnell von der Kampagne mit. Zwei Tage nach Jarres erstem Video sagte das Unternehmen zu, innerhalb von sechs Monaten insgesamt 200 Tonnen Hilfsgüter nach Somalia zu fliegen. Das erste Flugzeug ist bereits abgehoben. Turkish Airlines promotete den Start mit einem Video auf Facebook, Twitter und Youtube. Am Steuer saß Kapitän Hakan Turgut, der auch ein Grußwort an die Zuschauer richtet. Der in Australien geborene Pilot ist so etwas wie ein internationales Aushängeschild der Airline und war schon in mehreren Dokumentationen über Turkish Airlines zu sehen. 
Teil der Kampagne ist auch eine Spendenaktion auf Gofundme.com. Als Ziel wurden 2 Millionen Dollar ausgegeben - diese Summe wurde bereits jetzt überschritten. Ben Stillers Wohltätigkeitsorganisation Stiller Foundation hat sich bereit erklärt, die Sammlung und Verwaltung der gesammelten Gelder zu übernehmen. Wie Jarre in einem neuen Video erklärte, soll die erste Million für Nahrung aufgewendet werden, der Rest für Wasser. Um das Spendenvolumen in die Höhe zu treiben, nominieren sich Jarre und seine Freunde gegenseitig zum Spenden. Dabei kommen weitere Prominente mit ins Boot, wie etwa Star-Quarterback Colin Kaepernick von den San Francisco 49ers.
Neben der unbestreitbar positiven Tatsache, dass mit der Kampagne den Menschen in Somalia etwas Hilfe zukommt, profitiert natürlich in erster Linie Turkish Airlines. Das Unternehmen bekam zuletzt zu spüren, dass die Türkei aufgrund von Terroranschlägen, dem Putschversuch im vergangenen Jahr und dem fortgesetzten Ausnahmezustand international für wenig positive Schlagzeilen sorgt. Darunter leidet der Tourismus - und damit auch das Geschäft von Turkish Airlines. Mit der Hilfsaktion kann die Fluggesellschaft ihr Image als verlässlicher Premium-Carrier und zugleich als verantwortungsbewusstes Unternehmen stärken.

Wie aus dem Umfeld von Turkish Airlines zu hören ist, wuchs die Kampagne rein organisch. Umsetzungs-Agenturen sollen jedenfalls nicht involviert gewesen sein. ire
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