Tal der Ahnungslosen reloaded

Warum dieser Mann erst jetzt bei der Ice Bucket Challenge mitmacht

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Die "Ice Bucket Challenge" ist schon ein paar Jahre alt - das weiß Fadi allerdings nicht
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Die "Ice Bucket Challenge" ist schon ein paar Jahre alt - das weiß Fadi allerdings nicht
Ob Ice Bucket Challenge, Harlem Shake oder Mannequin Challenge: Internet-Trends verbreiten sich heute dank Facebook, Twitter und Co in kürzester Zeit über den ganzen Erdball. Wer langsames Internet hat, wird dabei allerdings schnell abgehängt, wie diese schräge Kampagne aus dem Libanon zeigen soll.
Wir hatten sie alle in unserer Timeline: Die Videos, in denen sich sowohl prominente als auch komplett unbekannte Menschen kübelweise Eiswasser über die Köpfe schütteten. Die so genannte Ice Bucket Challenge, eine Spendenaktion gegen die Nervenkrankheit ALS, startete im Sommer 2014 und ging genauso viral wie bereits ein Jahr zuvor der "Harlem Shake". Dabei stellten Menschen zu der Musik des gleichnamigen, ein Jahr zuvor erschienenen Songs des DJs und Musikproduzenten Harry Rodrigues Tanzszenen, wobei sie flashmobartig allerlei zuckende Bewegungen in unterschiedlichen Umgebungen vollführten.


In einer abgelegenen Gegend des Libanon scheint man das allerdings nicht mitbekommen zu haben. Weil die Mobilfunk-Bandbreite dort so gering ist, bekommen Bauer Fadi und Fischer Farid B. erst jetzt mit, was sich vor einigen Jahren in den sozialen Netzwerken abspielte.
Unweigerlich wird man an das geflügelte Wort vom "Tal der Ahnungslosen" erinnert, eine Bezeichnung für Gegenden der ehemaligen DDR, wo aufgrund des schlechten TV- und UKW-Empfangs viele Informationen erst mit einiger Verzögerung ankamen. Wie "Adweek" einen Vertreter der verantwortlichen Agentur TBWA/Raad aus Dubai zitiert, handele es sich bei den Schauspielern tatsächlich um Menschen aus einer abgeschiedenen Gegend im Libanon.
So absurd die Kampagne auf den ersten Blick auch scheint - sie verfolgt ein wichtiges Anliegen. Schnelle Internetverbindungen sind nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive unabdingbar geworden, auch soziale Beziehungen und gesellschaftliche Bewegungen - man denke etwa an den "Arabischen Frühling" - speisen sich aus der Echtzeitkommunikation in sozialen Netzwerken.

Facebook macht Menschen aus Gegenden mit niedriger Bandbreite sogar ein eigenes Angebot: Facebook Lite ist eine abgespeckte Version der Facebook-App, die über deutlich weniger Funktionalitäten und ein rediziertes Design verfügt. Weltweit wird Facebook Lite inzwischen von 200 Millionen Menschen genutzt. Fadi und Farid B. gehören offensichtlich noch nicht dazu. ire
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