Star Wars Rogue One

Die herzzerreißende Geschichte eines kleinen Stormtroopers

Ein kleines Mädchen mit Sturmtruppen-Helm berührt in dieser philippinischen Kampagne zu "Rogue One"
© Globe
Ein kleines Mädchen mit Sturmtruppen-Helm berührt in dieser philippinischen Kampagne zu "Rogue One"
Kann man jemandem böse sein, der äußerst unterhaltend, aber leider auf der falschen Basis argumentiert? Im Fall des Star-Wars-Spots des philippinischen Telekomunternehmens Globe würde das wohl selbst der grausamste Sith-Lord nicht übers Herz bringen. Zu sehen ist die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich sogar beim Zähneputzen nicht von ihrem Sturmtruppenhelm trennen will. Ihr Grund dafür wird erst am Ende des Spots verständlich und rührt zu Tränen.

Die von Publicis Jimenez Basic kreierte Kampagne macht fast alles richtig: Der Betrachter ist von Anfang an von der kleinen Sturmtrupplerin fasziniert, wenn sie mit dem Helm auf dem Kopf zur Schule geht, einer alten Frau über die Straße hilft und mit ihrem Bruder spielt. Fans der Sternensaga werden besonders die kleinen Details schätzen, die die kleine Protagonistin als Hardcorefans auszeichnen. So hat sie ihr Fahrrad mit Holzelementen zum Speedglider der Sturmtruppen umgerüstet und ihr Kinderzimmer komplett mit Star-Wars-Devotionalien ausgestattet.

Wer sich die volle Wirkung des Spots sichern will, sollte sich spätestens jetzt das Video ansehen. Denn das Kernproblem des Auftritts lässt sich nicht diskutieren, ohne das Ende der Geschichte zu verraten. Als die Protagonistin am nächsten Tag in die Schule kommt, tragen alle ihre Klassenkameraden ebenfalls einen Sturmtruppen-Helm, um ihre Solidarität zu bekunden.


Derart unterstützt, hat das Mädchen nun endlich genug Mut, um ihren Helm in der Öffentlichkeit abzunehmen und öffentlich dazu zu stehen, dass sie permanent eine Atemmaske für zusätzlichen Sauerstoff tragen muss. Die Enthüllung verknüpft perfekt den Werbefilm von Globe unter dem Hashtag #CreateCourage mit dem neuen "Star Wars"-Film: Ähnlich wie die Rebellen in dem Film den Mut finden, um gegen das übermächtige Imperium zu kämpfen, muss auch der kleine Star-Wars-Fan den Mut finden, gegen seine Krankheit zu kämpfen. Globe verstärkt diese Botschaft noch durch eine Social-Media-Kampagne, bei der Online-Nutzer auf Facebook oder Twitter ein Profilfoto mit Sturmtruppenhelm posten sollen. Außerdem unterstützt Globe auch eine Spendenkampagne zur Renovierung  der pediatrischen Abteilung des Philippine General Hospital.

Im Vergleich zu den zahllosen "Star Wars"-Werbekooperationen, bei denen es unverhüllt um den Vertrieb  von Merchandisingprodukten geht, ist das beeindruckend kreativ in der Interpretation der filmischen Botschaft. Leider verrät "Create Courage" durch einen grundlegenden Schnitzer, dass kein wirklicher Fan hinter der Kampagne steht.


Denn die Idee zieht ihre psychologische Kraft aus der Erkenntnis, dass das kleine Mädchen zunächst die Helm trägt, weil sie sich dem Alltag besser stellt, indem sie in die Rolle eines Sturmtrupplers stürmt. Diese Verbindung ist so glaubwürdig, weil gerade junge Filmfans sich gerne mit den Helden auf der Leinwand identifizieren. Und "Star Wars" hat tatsächlich einen äußerst mächtigen Helmträger mit dezidierten Atemproblemen. Bei diesem handelt es sich aber nicht um einen Sturmtruppler, sondern um ihren obersten Befehlshaber Darth Vader. Die Figur von Vader zieht ihre Tragik gerade daraus, dass sich hinter dem mächtigen Äußeren in Wirklichkeit ein todkranker Mensch verbirgt. Ein echter Fan hätte daher seinen Helm gewählt.

Für die Mehrheit des Publikums dürfte das nur eine Randnotiz bleiben. Aber für die "Star Wars"-Fans ist das das kleine, aber entscheidende Detail, das eine großartige Werbeidee von einem wahrhaft großen Beitrag zur "Star Wars"-Fankultur unterscheidet. cam

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