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Warum der Mann mit zwei Mündern so dringend nach Madrid muss

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Mit einem Film im Stil von Wes Anderson wirbt VCCP für die Food-Messe Madrid Fusion
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Mit einem Film im Stil von Wes Anderson wirbt VCCP für die Food-Messe Madrid Fusion
Eigentlich liegen ja Messen als Tool für emotionale Markenerlebnisse voll im Trend, doch in ihrem eigenen Marketing fehlt dieses emotionale Storytelling in der Regel. Dass es auch anders geht, zeigt eine spanische Food-Messe mit einem kuriosen Onlinefilm, der stark von Kultregisseur Wes Anderson inspiriert ist. Die Hauptrolle spielt der perfekte Gast für eine Veranstaltung rund um gutes Essen: Ein Mann mit zwei Mündern.
Die von VCCP Madrid kreierte Geschichte wirkt deshalb so gut, weil sie auf alle naheliegenden Inszenierungsideen einer Messe konsequent verzichtet. William, der Mann mit den zwei Mündern, lebt in England und verdient sein Geld - biologisch leicht nachvollziehbar - mit dem Synchronisieren von Filmen. Im Mittelpunkt stehen stets die Probleme, die ein Mann mit Williams körperlicher Besonderheit im Alltag zu bewältigen hat. Das beginnt bei dem zusätzlichen Stress beim Zahnarztbesuch und geht bis zu der Peinlichkeit der Liebe, wenn der erste Kuss angesichts des Überangebots von Mündern am Ende einfach auf der Stirn landet.


Erst am Ende wird klar, dass es nur einen Ort geben kann, wo sich William wohlfühlen und seine Schwäche als Stärke erleben kann: Auf der Madrid Fusion 2015. Denn dort wird gleichzeitig viel geredet und gegessen. Eine derartig überdreht Geschichte hätte leicht aus dem Ruder geraten können, wenn nicht die Bildsprache (Produktion: Attic Films) im Stil von Wes Anderson dem ganzen Film eine leicht surreale Atmosphäre verleihen und damit den surrealen Protagonisten glaubhafter machen würde.

Dass eine Messe, die in erster Linie auf ihre Besucherzahlen als Erfolgsmaßstab schauen muss, einen derartig imagerorientierten Film als zentrale Botschaft produziert, mag zunächst überraschen. Doch auch Messen haben mit einem Überangebot konkurrierender Veranstaltungen und einer Flut von Content rund um ihr eigenes Thema zu kämpfen. Um in diesem Informationoverload überhaupt noch bemerkt zu werden und sich vom Wettbewerb zu differenzieren, entscheiden sich daher Eventveranstalter immer häufiger dafür, sich mit ungewöhnlichem von der Konkurrenz abzuheben. So warb Daimler für die Mercedes-Benz Fashion Week vergangene Woche höchst erfolgreich mit der Modeparodie "A Fistful of Wolfes". cam
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