Status quo Human Resources

Jede zweite Fachkraft ist weg

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Beim BrandEx-Festival 2020 war die Welt noch in Ordnung. Mangels Personal sind viele aktuelle Projekte kaum zu stemmen.
© BrandEx/Oliver Wachenfeld
Beim BrandEx-Festival 2020 war die Welt noch in Ordnung. Mangels Personal sind viele aktuelle Projekte kaum zu stemmen.
Eine HR- und Gehaltsstudie 2022, zu der die FWD Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft und das Research Institute for Exhibition and Live-Communication (Rifel) aufrufen, soll Fakten und Wissen produzieren.

Das Vermessen der Branche soll auch Ansätze bieten, der Personalabwanderung entgegenzuwirken. „Zum einen wollen wir helfen, das aktuelle Gehaltsgefüge besser einordnen zu können. Im besten Falle sind sogar Honorarempfehlungen möglich“, sagt Jörn Huber, Vorstandsvorsitzender der FWD Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft. Huber hofft, mit der Studie auch Antworten auf die Fragen zu bekommen, wie Unternehmen innerhalb des Sektors und auch im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen attraktive Arbeitgeber bleiben, abgewanderte Fachkräfte zu motivieren sind, zurück in die Veranstaltungswirtschaft zu kommen und welche Rahmenbedingungen neben dem Gehalt noch entscheidend sind?


Auch wenn die Auftragsbücher im Sommer 2022 nachholbedingt gefüllt sind, kann von einem Aufatmen nicht die Rede sein. Im Herbst und Winter wird erneut ein Einbruch erwartet. Die Corona-Beschränkungen haben die Geschäftsjahre 2020 und 2021 zwangsweise verkürzt und eine regelrechte Flucht aus der Branche ausgelöst: Es fehlen rund 54 Prozent der Fachkräfte. Die aktuellen Projekte sind mangels Personals deshalb kaum zu bewältigen. Jörn Huber sieht hierin einen Hauptgrund für die Kostenexplosion in der Veranstaltungsbranche: „Gerade die momentane Situation auf dem Arbeitsmarkt verursacht Teuerungsraten über 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“ Für eine erfolgreiche Neuorientierung sei deshalb eine Bestandsaufnahme nötig. Es kommt bei der Studie besonders auf eine präzise Analyse des Gehaltsgefüges und der aktuellen Rahmenbedingungen an. Nicht nur Gehälter, Boni und Tagessätze werden erfasst, sondern auch Benefits wie Firmenwagen, Altersvorsorge oder Home-Office-Nutzung. Darüber hinaus will die Untersuchung grundsätzliche Auswirkungen des pandemiebedingten Strukturwandels sichtbar machen sowie dessen soziodemografische Faktoren und seinen Einfluss auf die Verkaufspreise.
„Gerade die momentane Situation auf dem Arbeitsmarkt verursacht Teuerungsraten über 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“
Jörn Huber, Vorstandsvorsitzender der FWD
In Stufe 1 der HR- und Gehaltsumfrage bauen die Initiatoren auf die Teilnahme von Messebauunternehmen, Agenturen und Fachabteilungen der Industrie. Im weiteren Verlauf sollen auch andere Branchensegmente erhoben werden. Der FWD-Vorsitzender Huber: „Die Veranstaltungsbranche braucht eine klare Zukunftsperspektive. Dazu trägt unsere Studie gezielt bei. Denn irgendwann muss der gegenwärtige Hangover ein Ende finden.“ Die Studie beginnt im August und wird im September erhoben. Anfang November 2022 sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden.

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