Serendipität

Der Charme des Unerwarteten

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Aus zufälligen Begegnungen entstehen oft neue Ideen und Projekte.
© Raumwelten
Aus zufälligen Begegnungen entstehen oft neue Ideen und Projekte.
Unter dem Motto „Raum für Zufälle“ findet vom 17. bis 19. November 2021 die zehnte Ausgabe von „Raumwelten – Plattform für Szenografie, Architektur und Medien“ statt.

Der Branchentreff für Kommunikation im Raum in Deutschland bietet zugleich eine Plattform zum Netzwerken und Talent-Scouting. In diesem Jahr ermöglicht die hybride Veranstaltung die Begegnung in unterschiedlichen Räumen – vor Ort unter anderem in der Karlskaserne Ludwigsburg und im Netz unter raum-welten.com.


Gibt es überhaupt Zufälle und welche Rolle spielen sie in der Szenografie und Architektur – zwei Disziplinen, die von präziser Planung und der Eliminierung unerwünschter Zufälle leben? Während der öffentliche Raum häufig als Ort der zufälligen Begegnung gehandelt wird, scheint der digitale Raum den Zufall zum Verschwinden zu bringen. Haben Algorithmen und Künstliche Intelligenz den Zufall ersetzt? Gerade die Szenografie und die Inszenierung (des Raumes) leben von der Überraschung und der Irritation, die oft durch (scheinbare) Zufälle entstehen.

Doch möglicherweise ist der Mensch der hauptsächliche Zufallsfaktor in der räumlichen Inszenierung und Choreographierung – so die These von Janina Poesch und Sabine Marinescu (PLOT, Stuttgart), den Kuratorinnen des Panels „Szenografie“. Charlotte Tamschick (Tamschick Media + Space, Berlin), Kuratorin des Panels „Medien“, untersucht, wie flüchtige Medien und vergängliche Materialien wie Sound, Duft, Nahrung oder Nebel gleichermaßen bewusst definierte wie zufällige immaterielle Welten erzeugen können. Bei Jean-Louis Vidière Esèpe (Freelance-Konzepter, Szenograf, Creative Director), Kurator des Panels „Hochschulen und Wirtschaft“, wird das szenografische Format selbst zum Zufallsgenerator, der mit klar definierten Parametern wie Zeit, Ort, Anzahl von Personen und Aktionen, eine unbegrenzte Anzahl von Variationen ermöglicht, die auf den ersten Blick zufällig erscheinen.

Auch in der Architektur wird und wurde – nicht nur in der Entwurfsphase – mit dem Zufall operiert. Tobias Wallisser (Lava – Laboratory for Visionary Architecture, Stuttgart/Berlin), Kurator des Panels „Architektur“, untersucht das Verhältnis von Chaos und Zufall und die Frage, wie „Unvorhersehbares“ in der Gestaltung entstehen kann. Ist die Abwesenheit von Vorhersehbarkeit mittels computerbasierter Prozesse steuerbar geworden? Und wie wirken sich Faktoren aus, die nicht am Anfang der Planung standen oder vorhersehbar waren.

Mit unerwarteten und unvorhersehbaren Formaten und Interaktionen sollen auch die Raumwelten 2021 selbst zum Labor für Zufälle werden und das Motto lebendig machen.

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