Fachforum Messen

Politik und Praxis

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Patrick Specht, Leiter des Referats Messepolitik.
© Janine Schmitz
Patrick Specht, Leiter des Referats Messepolitik.
Das Bundesministerium für Wirtschaft unterstützt Unternehmen bei ihrer Präsentation im Ausland, auch bei digitalen Messen. Patrick Specht, Leiter des Referats Messepolitik, Expo-Beteiligungen im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, über Flankierung, Engagement und Neustart.
Sie lancieren in diesem Jahr erstmalig Außenwirtschaftstage, in die am 20. April ein Fachforum Messen integriert ist. Weshalb erst jetzt und wen wollen Sie mit der Veranstaltung erreichen?

Die Außenwirtschaftstage stehen unter dem Motto „Germany Works“, der Dachmarke für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Veranstaltung ist ein Aufbruchssignal in diesen herausfordernden Zeiten. Auch gibt es außenwirtschaftlich diverse Entwicklungen zu diskutieren: die neue Situation im transatlantischen Verhältnis, Umbrüche im asiatisch-pazifischen Raum, ein veränderter Blick auf Afrika. Fachforen – inzwischen über 70 – sollen den unmittelbaren Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen Politik und Praxis ermöglichen.

Aufbruchssignal. Inwieweit gilt das für die deutsche Messewirtschaft?

Die hiesige Messewirtschaft ist von Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gravierend betroffen. 2020 wurden mehr als 75 Prozent aller Messen abgesagt oder verschoben. Die stark mittelständisch geprägte Messedienstleistungsbranche – Veranstalter, Standbauer, Architekten, Caterer, um nur einige zu nennen – sieht sich existenziell bedroht. Wenn nach dem Sommer ein Neustart mit Messen nicht gelingt, läuft der Messestandort Deutschland Gefahr, seine Spitzenposition zu verlieren.

Wie intensiv hat sich das Bundeswirtschaftsministerium bisher mit Messen/Messewirtschaft beschäftigt?

Seit sieben Jahrzehnten gibt es im BMWi das Auslandsmesseprogramm, das sogenannte AMP. Mittlerweile beteiligen wir uns an über 300 Messen und Ausstellungen im Ausland. Daran erkennen Sie die Stärke des Instruments, von dem übrigens zu 85 Prozent kleine und mittlere Unternehmen profitieren. Um jungen innovativen Unternehmen den Zugang zu ausländischen Märkten und Kunden zu ermöglichen, fördern wir deren Auftritte auf inländischen Messen mit hohem internationalen Anteil seit Mitte der 2000er Jahre. An einem weiteren Instrument, das die Wiederaufnahme von Messeaktivitäten ab Herbst begleiten soll, arbeiten wir derzeit.
Fachforum Messen am 20. April

Die Teilnahme an Messen im In- und Ausland ist ein wichtiger Baustein für den Exporterfolg deutscher Unternehmen. Welchen Beitrag können Messen zur Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie leisten? Wie sehen Messen der Zukunft aus? Und wie entwickeln sich neue Messemärkte? Diese und andere Fragen diskutieren Entscheidungsträger aus Messewirtschaft, ausstellender Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik im „Fachforum Messen“, einer digitalen Veranstaltung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Kooperation mit dem AUMA – Verband der deutschen Messewirtschaft. Termin ist der 20. April von 13 bis 17 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Registrierung unter www.bmwi-aussenwirtschaftstage.de

Philip Harting, Vorsitzender des Auma, hatte in seiner Antrittsrede vor zwei Jahren mehr politische Unterstützung für deutsche Unternehmen im und ins Ausland gefordert. Ist das Ihre Antwort?

Es ist ein Baustein. Der Auma als Verband der Messewirtschaft ist Mitveranstalter und koordiniert von Beginn an die Interessen der Wirtschaft im AMP – und das AMP gibt es immerhin seit 1949. Allein dieser Zeitraum zeigt, welchen Stellenwert Messen einnehmen. Als in Deutschland Ende des letzten Sommers wieder Messen durchgeführt wurden, besuchte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Bareiß, eine dieser Messen – auch um die politische Unterstützung zu zeigen.

Das Wiederanfahren von Messen: Ist das nicht auch eine Vertrauensfrage?

Für die Messen, die ab Ende August 2020 in Deutschland stattfanden, wurden Hygienekonzepte mit den zuständigen Behörden abgestimmt, umgesetzt und überwacht. Für die weitere Perspektive ist klar: Professionelles Handeln und Beachtung der Maßnahmen durch Aussteller, Besucher und Veranstalter werden unerlässlich dafür sein, dass Messen veranstaltet werden können.

Auch im Ausland werden nicht alle Messen durchgeführt, es gibt ebenfalls digitale Notnägel. Wird eine Teilnahme daran ebenfalls vom BMWi unterstützt? Und wie trennen Sie da die Spreu vom Weizen?

Messeveranstalter, ausstellende Unternehmen und Verbände betonen klar die Notwendigkeit physischer Messen. Aber sollten diese nicht stattfinden, unterstützen wir Unternehmen bei der Teilnahme an digitalen Messen, wenn diese im Auslandsmesseprogramm aufgeführt sind. Die von uns beauftragte Durchführungsgesellschaft prüft die Qualität der digitalen Messe, wir stimmen uns mit dem Branchenverband ab und entscheiden dann über die Teilnahme.

Apropos digital: Ist geplant, die Website „German Pavilion“ auszubauen? Wenn ja: wie?

Die Website german-pavilion.com – eine wichtige Plattform für AMP-Teilnehmer – wurde jüngst deutlich erweitert. Die Aussteller können nun zusätzliche Darstellungsmöglichkeiten nutzen und beispielsweise Unternehmens- und Produktvideos oder entsprechende Bildstrecken einstellen. Ein weiterer Ausbau ist geplant, um den Wünschen und Bedürfnissen der ausstellenden Unternehmen stärker Rechnung zu tragen. Wir untersuchen derzeit diverse Optionen.

Ist das Messeforum auch ein Appell, die Hallentore in Deutschland wieder zu öffnen?

Das Außenwirtschaftsforum ist ein Appell, die Lieferketten in der Welt aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen. Über die Öffnung der Hallentore in Deutschland entscheiden die zuständigen Stellen in den Ländern und Gemeinden. Aber klar ist auch: Wir alle wünschen uns, dass hier bald wieder Messen stattfinden und der Messestandort Deutschland an die internationale Strahlkraft der vergangenen Jahrzehnte anknüpfen kann.

Fragen: Christiane Appel

 

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