Zeit-Recherche

Scholz & Friends wehrt sich gegen Sexismus-Vorwürfe

   Artikel anhören
Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt verspricht Aufklärung
© Gesche
Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt verspricht Aufklärung
Die Agentur Scholz & Friends sieht sich mit Sexismus- und Diskriminierungsvorwürfen konfrontiert. Nach Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit gab es mehrere Vorfälle, bei denen sich männliche Mitarbeiter unangemessen gegenüber Kolleginnen verhalten oder geäußert haben. Die WPP-Tochter räumt das Fehlverhalten in einigen Fällen ein. Dies habe man bereits sanktioniert. Zudem verspricht Gruppenchef Frank-Michael Schmidt weitere Aufklärung und will das Thema Gleichstellung und Diversität in den Mittelpunkt der künftigen Management-Aktivitäten rücken. In diesem Kontext sind auch mehrere aktuelle Personalentscheidungen zu sehen.
Zu den Vorfällen die es gegeben hat, gehört eine Weihnachtsfeier aus dem Jahr 2017. Hier soll ein Angestellter auf der Bühne sein Geschlechtsteil entblößt haben. Zudem haben sich leitende Mitarbeiter wohl mehrfach abfällig und respektlos gegenüber Frauen geäußert. Das will CEO Schmidt nicht dulden. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst. In den vergangenen Wochen haben wir keinen Stein auf dem anderen gelassen, um die individuellen Fälle zu erheben, zu klären und zu sanktionieren. Zugleich haben wir uns intensiv mit der systemischen Dimension befasst. Die jetzige Debatte ist für Scholz & Friends eine Initialzündung für den Sprung in eine neue Ära", kündigt der Manager an.

Catherine Gaudry zieht in das Parnerboard ein
© Scholz & Friends
Catherine Gaudry zieht in das Parnerboard ein
Die Agentur will das Thema also auch nach den jetzt verhängten Disziplinarmaßnahmen, die über Abmahnungen und Rückstufungen bis zu Trennungen von Mitarbeitern reichen, im Blick behalten. Dafür sollen die internen Strukturen, Abläufe und Prozesse genauer analysiert werden. In diesem Zusammenhang holt sich CEO Schmidt Unterstützung von Christiane Lüders, ehemalige Leiterin der Anti-Diskiminierungstelle des Bundes, an Bord. Sie soll die Agentur bei diesem Thema beraten. Zudem hat die Agentur eine Studie in Auftrag gegeben, die untersuchen soll, ob und an welchen Stellen es Diskrimierung gibt. "Wir wollen den Scheinwerfer in jede Ecke leuchten", erklärt Schmidt gegenüber der Zeit.

Crhistiane Stöhr wird ebenfalls Mitglied im Partnerboard
© Scholz & Friends
Crhistiane Stöhr wird ebenfalls Mitglied im Partnerboard
Gleichzeitig will Scholz & Friends die Rolle von Frauen in der Agentur stärken. In diesem Kontext ist auch die Beförderung von Catherine Gaudry und Christiane Stöhr in das Partnerboard zu sehen. Gaudry verantwortet im obersten Managementgremium der Agentur ab 1. September die Bereiche Diversität, Gleichstellung und Inklusion. Als Head of Talent and Transformation war sie bislang schon mit diesem Themenfeld befasst. Zudem kümmert sie sich als Managing Director International Business um die internationale Sichtbarkeit und Vernetzung der Agentur, die seit Anfang des Jahres zum VMLY&R-Network gehört. Stöhr steht seit 2007 als Co-Chefin an der Spitze der Agentur Scholz & Friends Reputation. Im Board soll sie künftig die Themen Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung vertreten.
„Die jetzige Debatte ist für Scholz & Friends eine Initialzündung für den Sprung in eine neue Ära.“
Frank-Michael Schmidt
Eine weitere personelle Veränderung gibt es im Berliner Büro der Agentur, wo sich die problematischen Vorfälle wohl abgespielt haben. Hier zieht mit Nele Schnieder nun wieder eine Frau in die zuletzt von Männern dominierte Geschäftsführung ein. Schnieder kommt aus den eigenen Reihen. Seit 2009 ist sie in der HR-Abteilung der Agentur tätig. Ab 2017 verantwortete sie als Director People & Culture die standortübergreifenden HR-Themen für die Gruppe.

Nele Schnieder wird Geschäftsführerin in Berlin
© Scholz & Friends
Nele Schnieder wird Geschäftsführerin in Berlin
CEO Schmidt kommentiert die aktuellen Veränderungen wie folgt: "Wir werden unsere Haltung in Handlungen übersetzen: mehr Frauen in Führungspositionen berufen; Diversity, Equity, Inclusion als strategische Priorität definieren, jede Form diskriminierenden Verhaltens schneller und konsequenter sanktionieren. Kreativität braucht Vielfalt und unsere Werte sind nicht verhandelbar." mam
Kommentare

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

    stats